Altkanzler Helmut Schmidt
„EU könnte durchaus an Deutschland scheitern“

Am Samstag hat Altkanzler Helmut Schmidt den Westfälischen Friedenspreis erhalten. Bei seiner Dankesrede fand er mahnende Worte in Richtung Europapolitik. Er warnt vor dem Scheitern der EU – wegen deutscher Fehler.
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Altbundeskanzler Helmut Schmidt ist in Münster für sein Engagement für ein friedlich geeintes Europa geehrt worden. Der 93-Jährige wurde am Samstag mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. „Wenn heute eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Staaten Europas nicht mehr denkbar ist, dann verdanken wir dies Menschen wie Helmut Schmidt“, sagte Laudator Reinhard Zinkann, der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe.

Gemeinsam mit dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d'Estaing habe Schmidt „eine Reihe entscheidender Weichen für den Weg der europäischen Integration“ gestellt. Die Schaffung des Europäischen Rats, die Einführung eines Europäischen Währungssystems und der Europäischen Währungseinheit ECU 1979 und die Gründung des Weltwirtschaftsgipfels 1975 seien auch seine Verdienste.

Schmidt selbst sprach vor 250 Gästen im historischen Rathaus der Stadt von einer „unerwarteten Ehrung“. In seiner Dankesrede mahnte der Altkanzler, dass die EU scheitern könne - und das „durchaus an den Deutschen“. Schmidt sagte: „Wir müssen nicht nur Fürsprecher der Europäischen Union sein. Sondern wir müssen - weit darüber hinaus - proaktiv handeln und agieren.“ Spiegel Online zitiert Schmidt gar mit den Worten: „Das deutsche Bundesverfassungsgericht, die Bundesbank und vorher schon Bundeskanzlerin Merkel gerieren sich zum Teil zur Verzweiflung unserer Nachbarn als das Zentrum Europas.“ Weiter heißt es dort: „Wir Deutschen dürfen nie und nimmer Ursache werden für Stillstand, für Verfall oder Zerfall des großen Projekts der Europäischen Union.“ Ein Teil der öffentlichen Meinung in Deutschland sei heute leider Gottes von national-egoistischer Sichtweise geprägt.

Eine weitere Auszeichnung nahm die Organisation „Children for a better world“ aus München entgegen. Die beiden Preise sind mit je 50.000 Euro dotiert. Der Friedenspreis wird seit 1998 alle zwei Jahre in Erinnerung an den Westfälischen Frieden von 1648 vergeben, der den Dreißigjährigen Krieg beendete. Zu den früheren Preisträgern zählen der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, Altkanzler Helmut Kohl (CDU) und der frühere tschechische Präsident Vaclav Havel.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • jepp. volle zustimmung. besser hätte ich es auch nicht sagen können, aber alterssenilität ist nun mal unheilbar. und den friedenpreis, leiber herr schmidt, können Sie sich sonst wo hinstecken.

  • Hey gerrro!
    Du hast ja ´ne komplizierte Art, einem Recht zu geben. Worin besteht denn im konkreten Fall der Unterschied ob die SPD nun Handlanger war oder den Abzug bedient hat?
    Mag ja auch sein, dass du in deinem Kalender den 9. Mai 2010 tief rot angestrichen hast, aber blättere mal zurück bis zu den Jahren gleich nach der Euroeinführung, als die SPD im Kanzleramt auf’n Klo saß, und dann vergleiche mal das Staatsdefizit Deutschlands mit den Eurostabilitätskriterien.
    Übrigens können Nebelkerzen sehr erhellend sein, wenn man die Orientierung nicht gerade dort sucht, wo der Rauch hinzieht. Und das gefährliche an Dolchstoßlegenden ist ihr Wahrheitsgehalt.

  • WolfgangPress: Falsch Herr Altkanzler Schmidt. Deutschland scheitert an der EU und nicht umgedreht. Für den Laden und für die "Rettung" des Euro werden viel zu viel Ressourcen sinnlos verbraten.


    gerrro: Nicht ganz richtig, Herr Press.

    Hier geht es um den Euro JA/NEIN.
    Deutschland und die Euroländer gehen am Euro zugrunde und nicht umgedreht. Für den Euro-Laden und für die "Rettung" der Euros der Multimillionäre und Milliardäre werden viel zu viel Ressourcen der Realwirtschaft sinnlos verbraten.

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