Altkanzler Helmut Schmidt „Moral lässt sich den Banken nicht verordnen“

Helmut Schmidt erwartet noch viele unerfreuliche Überraschungen in der Krise. Im Interview spricht der Altkanzler über die Ethik der Banken, das Überparteiliche an Peer Steinbrück und das Chaos in Griechenland.
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Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Quelle: dapd

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt.

(Foto: dapd)

Handelsblatt: Herr Schmidt, haben Sie eine Präferenz, womit wir unser Gespräch beginnen sollten?

Helmut Schmidt: Ich habe eine negative Präferenz. Ich möchte nicht schon wieder über Griechenland reden.

Vielleicht später?

Vielleicht gar nicht.

Sie haben zur Verabschiedung von Jean-Claude Trichet auch seinen Nachfolger Draghi getroffen.

Ja.

Und?

Nix und. Der wird seine Sache ordentlich machen.

Der richtige Mann für die Spitze der Europäischen Zentralbank?

Ja.

Es gibt in Deutschland eine doppelte Befürchtung. Die einen sagen, der Draghi war, bevor er Notenbankgouverneur wurde, bei der Investmentbank Goldman Sachs. Die anderen sagen schlicht: Draghi ist Italiener.

Das ist nicht so schlimm. Schlimmer ist eigentlich der Umstand, dass die Italiener keinen allseits anerkannten Regierungschef haben. Das hat aber mit Herrn Draghi nichts zu tun.

Zumindest die Nationalbank in Italien gilt als seriös.

Die Banca d’Italia ist – soweit ich sie beurteilen kann, das heißt seit den 1970er-Jahren – fachlich, sachlich, Sie haben gesagt seriös. Das ist der richtige Ausdruck. Sie hat eine Reihe erstklassiger Leute hervorgebracht.

Sie haben den scheidenden EZB-Präsidenten Trichet bei seiner Verabschiedung über alle Maßen gelobt. Muss man das bei einem solchen Anlass tun, wenn man der Laudator ist?

Ich musste gar nicht. Sondern das war meine Meinung.

Die Deutschen im Publikum – ich denke dabei an die Herren Axel Weber und Jürgen Stark – waren sicherlich anderer Meinung.

Mit Sicherheit waren sie anderer Meinung. Das steht ihnen auch zu. Aber das muss mich ja nicht stören.

Verstehen Sie deren andere Meinung?

Ich verstehe sie und halte sie nicht für zutreffend.

„Ich kritisiere die Banken nicht erst seit heute“
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25 Kommentare zu "Altkanzler Helmut Schmidt: „Moral lässt sich den Banken nicht verordnen“"

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  • Unser durch Nikotin verkalkter Alt-Bundeskanzler Schmidt gehört auch zu den Ackermann-Sprachrohren. Wie sagt er?

    "Der Euro wird die Deutschen noch sehr viel Geld kosten."

    "Deutschland muß noch im 21. Jahrhundert für Europa zahlen, vielleicht auch noch im 22. Jahrhundert."

    Und wer hat uns das eingebrockt?

    Zitat: "Schmidt ist Vorbereiter der Eurozone"

    FAZIT: Ackermann ist es gelungen, uns 99 Prozent Deutsche mit Hilfe des "Finance Tools EU/Euro" in die Schuldknechtschaft zu bekommen. Der Durchbruch gelang durch Aufhebung des Art.125 No-Bailout und anschließende Euro-Rettungsschirme.

  • @ EuroBonds: "Deutschland raus aus allem . Und mit wem will diese Exportnation noch reden . Glauben Sie uns nimmt wer ernst wenn wir uns aus aller Verantwortung rausziehen .
    Das wird nicht gut gehen ."

    Verstehe nicht ganz, was Herr Eurobonds sagen will. Vermute mal, er mag Eurobonds. Sind aber mega out. Sagt sogar Schäuble. Dann empfehle ich Herrn Eurobonds, mal nach Dollarbonds zu googlen und uns zu berichten.

    Wir wollen uns doch nicht aus aller Verantwortung herausziehen wie unsere ClubMed-Freunde, nein - wir wollen uns nur nicht länger das Geld aus der Tasche ziehen lassen !

  • Es war unter der Verantwortung von Helmut Schmidt, als die Bundesregierung die rechtzeitige Freigabe des Wechselkurses der DM versäumte und die Bundesbank dadurch Millardenverluste erlitt. Deren Eigenkapital stand dann jahrelang auf der falschen Seite der Bilanz, bis es durch Gewinne wieder auf den alten Stand angewachsen war.fA2qF

  • "...Hochjubeln des Herrn Steinbrück, der zwar gerne eine dicke Lippe riskiert, aber bisher noch nicht durch das Aufweisen von tatsächlichen politischen Erfolgen aufgefallen ist."

    Das ist milde ausgedrückt. Bisher ist er doch nur durch
    Misserfolge aufgefallen: Verlorene Wahl in NRW. Damals war es bei der SPD Usus, durch eine verlorene Landtagswahl zum Finanzminister geadelt zu werden (Eichel, Steinbrück), dann als Finanzminister den IKB-Flopp mit ca. 10 Mrd. Miese für uns - und einmalig in
    der Geschichte Deutschlands: die HRE-Affäre mit 170 Mrd. Risiko für die Staatskasse, der größte Schaden seit dem verlorenen WK II. Hat sich sogar als Haushaltsdefizit ausgewirkt:

    Zitat FAZ 24.10.2011: Deutschland hatte 2010 nach EU-Berechnung ein Defizit von 4,3 Prozent, das durch die unfreiwillige Übernahme der Risiko-Verbindlichkeiten der "Bad Banks" von HRE und WestLB aufgebläht war. Schöne Formulierung für ein "Kapital"-Verbrechen.

    Wer bringt es schon zu solch einer EU-Erwähnung. Was noch fehlt, ist die andere Seite des HRE-Skandals. Josef Ackermann hat für die Entschuldung der Privaten um 170 Mrd. Risiko-Euros als Judaslohn nur einen "freiwilligen substanziellen Beitrag der Privaten" von 8,7 Mrd. Euro bezahlt. Dafür wurden wir Staatsbürger um 170 Mrd. risiko-enteignet. Peer hat sich so ewigen Dank von Josef verdient, wie auf Sizilien.

    Übrigens gibt es einen Schriftverkehr, aus dem hervorgeht, dass Schäuble damals vorgeschlagen hat, die HRE in einem geordneten Insolvenzverfahren zugunsten des deutschen Staates abzuwickeln. Aber damit waren Ackermann und Steinbrück überhaupt nicht einverstanden.

  • "Diese Tatsache läßt Herr Schmidt nach seiner alten Tour elegant unter den Tisch fallen."

    Da muss ich Schmidt in Schutz nehmen: Man kann nichts unter den Tisch fallen lassen, von dem man keine Ahnung hat.
    Deshalb ist beim Schmidt wenig unterm Tisch zu finden.

  • Deutschland raus aus allem . Und mit wem will diese Exportnation noch reden . Glauben Sie uns nimmt wer ernst wenn wir uns aus aller Verantwortung rauszeihen .
    Das wird nicht gut gehen .

  • "„Moral lässt sich den Banken nicht verordnen“"

    Und den Griechen keine harte Währung! Beides ist ein Kulturfrage, die man nicht von außen erzwingen kann, sonderen die ein inneres Wollen und die Unterordnung unter ein höheres Ziel voraussetzen. Wann Mediterranien ist bzw. ob sie das überhaupt deren Weg ist, werden sie selbst entscheiden. Wachen Sie auf Herr Schmidt aus ihrem Multikulti wir alle haben uns lieb und sind so gleich Euro-Kitsch, der Europa zerstört, statt es zu einen.

  • Helmut Schmidt müsste in seiner Analyse dessen was im Finanzsektor falsch läuft, viel tiefer schürfen als er tut. Will er nicht, oder kann er gar nicht?

    "Inflation ist das erste Wundermittel des schlecht geführten Staates. Das zweite Wundermittel ist der Krieg. Beide führen zu zeitweiligem Wohlstand und beide führen zu völligem Zusammenbruch."
    Das hat Hemingway schon vor ganz, ganz langer Zeit gesagt und wer Grips hat weiss, dass das stimmt.

    Im Prinzip steht Helmut Schmidt auf der Seite Ackermann´s, er benutzt nur ein anderes Aftershave.

  • Der Abgeordnete Peer Steinbrück hat die Regierung von CDU/CSU und FDP im Parlament so richtig vor sich hergejagt.

    Die aktuelle parlamentarische Wahlperiode begann am 27.10.2009. Im Januar 2010 hat er dann schon seine erste Anfrage im Bundestag (zur tatsächliche Mitgliederzahl des Bundes der Vertriebenen) gestellt. Davor hatte er sich von seinem Job als Finanzminister erholt. Und eigentlich hat einen guten Teil seines Jobs im Hintergrund sein Scherpa mit Stab um Herrn A(B)S mussen gemacht.
    Insgesamt 35 Anfragen des PS und einige wenige Reden. Und die Inhalte würde sein Altkanzler Schröder eher unter Gedöns einordnen. Ist das ein Vorbildparlamentarier?

    Hier läuft eine Riesen-PR-Show für ein neues Buch Schmidt/Steinbrück ab. Sonst nichts.

    Und Bänker und Hedgefonds sind schlecht!? Wer würde denn die ganzen Anleihen (auch die deutschen) kaufen wenn nicht Banker und institutionelle Investoren?

    Ein Marshallplan und Investitionen für Griechenland? Ja!!! Doch dann sollte der zukünftige Kanzler auch auf Augenhöhe mit der Wirtschaft, Banken, Private Equity und Hedgefonds & Co. auf Augenhöhe verhandeln.

    Die Slowakei hatte sich gesträubt dem Rettungsplan zuzustimmen: Ein Fehler. Aber die Standortfaktoren dieses kleinen Landes muss Griechenland für FDI erst einmal erreichen.

    Und die Staatsquote. Nicht die Griechische. Sondern auch die Deutsche! Herr Steinbrück, wir benötigen Antworten und Taten von einem Kanzler und keine Erzählungen.
    Herr Schmidt kann Ihnen erzählen, was das ist, die Staatsquote. Graf Lambsdorff (FDP) hatte schon 1982 eine Senkung gefordert. Die alte SPD hatte ihren Helmut damals eiskalt im Regen stehen lassen. Rechthaben nützt also nichts.

    Deutschland und Europa sind aber keine Bühne für Leserreisen und Bonmots. Ausser für Politrentner. Entschuldigung.

  • Richtig. Schmidt ist einer der Mitverantwortlichen der jetzigen Euro Krise. Sein EWS, der Vorläufer des Euro hat schon damals nicht funktioniert, trotzdem war er immer ein Förderer der Euroeinführung. Jetzt alles auf die Banken und System zu schieben, Moral und Ethik einzufordern ist schlicht unseriös. Mir scheint, er hat nicht das geringste Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen, obwohl er immer so tut und er das Kraft seiner Ausbildung eigentlich haben sollte.

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