Amoklauf
Grüne verteidigen CDU-Minister nach Amokpanne

Die schwere Ermittlungspanne nach dem Amoklauf in Winnenden sorgt für Streit. Die Südwest-SPD rügte die Panne als „peinlich“. Die Grünen im Bundestag mahnten zur „Nachsicht“ mit den Sicherheitsbehörden. Die Polizei überprüft nach der Panne inzwischen auch andere Computer.

dne/HB STUTTGART/DÜSSELDORF. Innenminister Heribert Rech (CDU), der am Donnerstag den angeblichen Beleg präsentiert hatte, sagte der „Süddeutschen Zeitung“: „Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt.“ Trotzdem überprüfen die Ermittler, ob der Todesschütze Tim K. seine Tat von einem bisher unbekannten Computer aus in einem Internet-Chat angekündigt hat. Sie wollten auch Zeugen vernehmen, die den vermeintlichen Eintrag gesehen haben wollen. Zudem halten mutmaßliche Nachahmungstäter die Polizei weiter in Atem.

Es sei nicht auszuschließen, dass Tim K. die Ankündigung von einem anderen Computer abgesetzt habe, sagte die Polizeisprecherin. „Ob der Täter ein Laptop hatte, wissen wir noch nicht.“ Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart besteht auch die Möglichkeit, dass der Todesschütze seine Tat vom Computer eines Freundes oder von einem Internetcafé aus versendet hat.

Rech sagte dagegen in der „SZ“: Der Eintrag „muss wohl im Nachhinein konstruiert worden sein“. Er wies Kritik zurück, die Ermittlungsbehörden hätten sich zu früh auf die Echtheit des Eintrages festgelegt: „Ich habe stets deutlich gemacht, dass es sich um den vorläufigen Stand der Ermittlungen handelt. Es muss nun geklärt werden, wie der Vater eines 17-Jährigen behaupten konnte, er habe den Eintrag vor der Tat gesehen.“

Ein Sprecher der Polizeidirektion Waiblingen sagte zu der Panne: „Eventuell war das ein Übermittlungsfehler.“ Die Südwest-SPD rügte die Panne als „peinlich“. „Hier geht Genauigkeit vor Schnelligkeit. Man muss nicht immer mit sekundenschnellen Botschaften an die Öffentlichkeit gehen“, sagte SPD-Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel.

Die Bundes-Grünen nahmen die Sicherheitsbehörden dagegen in Schutz. "Der fürchterliche Vorfall von Winnenden überfordert im Moment alle", sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck am Freitag, im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Insofern sollte man Nachsicht üben - auch mit den Sicherheitsbehörden." Gleichwohl sprach Beck von einer "ärgerlichen" Panne. "Aber wäre sie nicht eingetreten, wäre die Tat auch nicht verhindert worden", fügte er hinzu. "In der virtuellen Welt des Internets ist es nun einmal schwierig zwischen Echt und Unecht, zwischen Wahr und Unwahr zu unterscheiden."

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