An Ideen mangelt es nicht
Deutsche Länder bei Innovationsindex ganz vorn

Deutsche Bundesländer gehören zu den innovativsten in der Europäischen Union: Unter den 20 bestplatzierten Regionen sind allein elf deutsche Länder. Das belegt ein Innovationsindex, den das Statistische Landesamt Baden-Württemberg in diesem Jahr das zweite Mal nach 2004 berechnet hat.

DÜSSELDORF. „Zu den Stärken der erfolgreichen deutschen Flächenländer im internationalen Vergleich zählt vor allem die große Zahl ihrer Patentanmeldungen, ihre hohe Forschungsintensität und der hohe Anteil der High-Tech-Industrie an der gesamten Wirtschaft“, sagt Ulrike Winkelmann, die den Index berechnet hat. So betrage der Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland 2,5 Prozent, in Spanien etwa nur ein Prozent. In Baden-Württemberg, dem Index zufolge die innovationsfähigste EU-Region vor Berlin und der französischen Hauptstadtregion Ille de France, liegt der Anteil mit 3,9 Prozent deutlich über dem Bundesdurschnitt.

Die Statistiker haben inklusive der deutschen Bundesländer 68 EU-Regionen betrachtet; für die großen Staaten wie Deutschland oder Italien unterteilt in Regionen, die den deutschen Bundesländern entsprechen. Sechs Indikatoren, darunter die Ausgaben für Forschung- und Entwicklung im Verhältnis zum BIP, der Anteil der Erwerbstätigen in der industriellen Hochtechnologie sowie die Zahl der Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt je eine Million Einwohner, gingen in den Index ein – und zwar sowohl die aktuellsten Werte, um das Innovationsniveau beschreiben, als auch die jahresdurchschnittliche Veränderung der Indikatoren seit Ende der 90er Jahre, um die Entwicklung beurteilen zu können.

An aussichtsreichen Ideen mangelt es in Deutschland nicht. Das belegen neben dem Innovationsindex auch Zahlen des Europäischen Patentamtes, wonach 2005 knapp ein Fünftel aller weltweiten Patentanmeldungen aus Deutschland kamen. Nur die USA lieferten mit gut einem Viertel aller Patentanmeldungen mehr. Gleiches gilt für die 2005 tatsächlich erteilten Patente.

Diese Erfolge können jedoch nicht über einen großen Mangel hinwegtäuschen: Hier zu Lande hapert es offenbar an der Durchsetzungsstärke. Das geht aus anderen internationalen Vergleichsstudien hervor. So attestierte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Deutschland in seiner letztjährigen Untersuchung im punkto Innovationen nur einen Platz im Mittelfeld. Das mäßige Abschneiden der größten europäischen Volkswirtschaft habe vor allem einen Grund: Am Standort D gelangen viele Erfindungen nicht zur Marktreife, das Geldverdienen übernehme oft die ausländische Konkurrenz.

Prominentes Beispiel: die MP3-Technologie. Das von der Fraunhofer Gesellschaft (FhG) in Erlangen entwickelte Produkt habe in Deutschland kein Unternehmen begeistern können, nun machten US-Konzerne wie Apple das große Geschäft. „Während die FhG im vergangenen Jahr 100 Mill. Euro Lizenzerträge bekam, betrug der Apple-Reingewinn 1,5 Mrd. Euro – maßgeblich dank des iPods“, sagt Koppel.

Zweiter Fall: der Transrapid. Das Gemeinschaftsprodukt von Siemens und Thyssen-Krupp verkehre seit Anfang 2004 fahrplanmäßig in China, zwischen Shanghai und dem Flughafen Pudong – nicht aber im Land der Erfinder. Hiesige Unternehmen müssten Rahmenbedingungen hinnehmen, die schlechter seien als im internationalen Vergleich, sagt IW-Wissenschaftler Koppel. Vor allem kleine Betriebe halte es von Innovationsanstrengungen ab, wenn sie sich mit aufwendigen Projektanträgen um Gelder aus genau definierten Fördertöpfen bewerben müssten. Vorbildlich entwickelt sich diesbezüglich Japan, so das IW: Während dort 2002 noch 70 Prozent der Staatsausgaben für Forschung in spezielle Programme geflossen seien, habe seither die unspezifische steuerliche Förderung mit einem Anteil von drei Viertel Vorrang.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das erst kürzlich sein diesjähriges Innovations-Ranking vorgelegt hat, hält das Bildungssystem, mangelndes Risikokapital und eine zu geringe Partizipation von Frauen am Innovationsprozess für große Schwächen Deutschlands. Weltspitze seien deutsche Unternehmen bei der Produktion von Hochtechnologie, vor allem der Automobilindustrie, Maschinenbau und die Elektrotechnik. Einen Widerspruch zwischen diesen Studien und der bislang beispiellosen regional feingliedrigen Auswertung der Statistiker sieht IW-Wissenschaftler Koppel nicht – vielmehr eine Ergänzung.

Vergleich

Statistiker haben 68 EU-Regionen untersucht. Das Ergebnis: Mit Baden-Württemberg, Berlin, Bayern, Hessen, Bremen und Niedersachsen zählen sechs Bundesländer zu den innovationsfähigsten Regionen der EU. Als Erfolgsrezept gelten beispielsweise die vielen Erwerbstätigen in Hochtechnologiebranchen.

Ideenarm

Sachsen und Thüringen auf den Plätzen 19 und 20 sind die ideenreichsten ostdeutschen Regionen. Weit abgeschlagen, auch im EU-Vergleich, liegen dagegen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf den Rängen 38 und 39 sowie Sachsen-Anhalt auf Platz 50.

Umsetzung

Hier zu Lande hapert es oft an der Durchsetzungsstärke von Ideen. Viele Erfindungen gelangen nicht zur Marktreife, das Geldverdienen übernimmt häufig die Konkurrenz aus dem Ausland.

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