Analyse
Elterngeld hilft vor allem Alleinerziehenden und Geringverdienern

Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung haben die Elterngeld-Pläne der großen Koalition unter die Lupe genommen. Ihr Ergebnis: Vor allem Alleinerziehende und Geringverdiener werden ab 2008 mehr in der Tasche haben, wenn sie Kinder in die Welt setzen.

HB BERLIN. Für Renate Schmidt (SPD) war es die Lieblingsidee für den Wahlkampf. Ursula von der Leyen (CDU), ihre designierte Nachfolgerin im Amt als Familienministerin, fand den Vorschlag so gut, dass sie kein Problem damit hatte, ihn im Vertrag für die große Koalition festzuschreiben: Von 2008 an soll es ein Elterngeld geben.

Mütter und Väter, die nach der Geburt ihres Kindes vorübergehend aus ihrem Beruf aussteigen, erhalten vom Staat als Lohnersatz 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens, maximal 1800 Euro. Mütter und Väter, die bei Geburt eines Kindes finanziell nicht in ein Loch fallen wollen, werden damit gezielt angesprochen. Sie sollen ihren Lebensstandard halten können. Niemand, der wegen eines Kindes vorübergehend aus dem Beruf aussteigt, soll auf Fürsorgeleistungen angewiesen sein, lautet die zweite Botschaft.

Mit 1,3 Kindern pro Frau liegt die Geburtenrate in Deutschland nach wie vor am Ende der EU-Skala. „Wir wollen dafür sorgen, dass kein Kind verloren geht und die Kinder best- und frühestmöglich gemeinsam mit ihren Familien gefördert werden“, haben CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, um diesen Trend umzukehren.

Die Eckdaten für das einkommensabhängige Elterngeld stehen fest: Bezugsdauer ein Jahr, wobei Eltern entscheiden können, ob sie das Geld auf bis zu zwei Jahre verteilen wollen. Zwei Monate sind für den Elternteil vorbehalten, der nicht zur Kinderbetreuung zu Hause geblieben ist. Die zusätzlichen Kosten für den Staat sind auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr gedeckelt worden.

Nach Experten-Berechnungen sind Alleinerziehende Gewinner der Reform. Fast die Hälfte der Frauen und Männer, die allein ein Kind im Alter unter zwölf Monaten betreuen, ist heute auf Arbeitslosengeld II angewiesen. Für 85 Prozent dieser Haushalte wird sich mit dem Elterngeld das verfügbare Einkommen erhöhen, schreibt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Mehr Geld werden auch Haushalte mit niedrigem Einkommen erhalten. Familien mit netto zwischen 2120 und 2780 Euro im Monat kommen mit dem Elterngeld auf durchschnittlich 669 Euro mehr. Insgesamt beziffern die Experten den durchschnittlichen Zugewinn von Familien pro Jahr auf 3200 Euro. „Damit ist das Ziel der Einkommenskontinuität vollständig erreicht“, urteilen sie.

Für einen neuen „Baby-Boom“ reicht das sicher nicht. Vielmehr weisen Studien nach, dass nur ein Mix mit Ausbau der Kinderbetreuung, besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis ins Schulalter der Kinder und gezielter Steuerung der staatlichen Gelder eine Wende herbeiführen kann. In Schweden beispielsweise - wo es ein Elterngeld bereits gibt - liegt die Geburtenrate zwar etwas über der deutschen. Deutlich mehr Kinder gibt es damit aber nicht.

So fährt auch die große Koalition in Berlin mehrgleisig: Die Fortsetzung der lokalen „Bündnisse für Familie“ für bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung und zusätzlich 230 000 Betreuungsplätzen für die unter dreijährigen Kinder bis 2010. In einer „Familienkasse“ sollen ferner alle staatlichen Ausgaben für die Familien gebündelt werden.

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