Analyse zum ifo-Index
Der Wirtschaftsboom geht weiter

Niedrige Zinsen treiben den Wohnungsbau in Deutschland und den Absatz von deutschen Maschinen und Fahrzeugen in der ganzen Welt an. Das dürfte noch eine Weile so weitergehen. Eine Analyse.
  • 1

FrankfurtDie deutsche Wirtschaft boomt. Im März stieg das Ifo-Geschäftsklimabarometer, das die Unternehmen der verschiedenen Branchen nach Geschäftslage und Geschäftserwartungen fragt, um über einen Punkt auf 112,3 Punkte. Das ist nahe am Zehnjahreshoch. Getrieben wird die Verbesserung von bereits hohem Niveau vor allem von der Bauwirtschaft und vom verarbeitenden Gewerbe. Die Bewertung der Geschäftslage durch die Bauwirtschaft stieg auf den höchsten Stand seit 1991 und die meisten Unternehmen erwarten eine weitere Verbesserung. Auch in der Industrie, wo die Lageeinschätzung schon deutlich besser ist als beim Bau, wird eine weitere Verbessrung erwartet.

Das sind zwei Branchen, die in besonderer Weise vom Zinsniveau abhängen. Bauten sind extrem kapitalintensiv, entsprechend sind die Kapitalkosten – also Zinsen, einer der wichtigsten Kostenfaktoren. Bei langfristigen Bauzinsen deutlich unter zwei Prozent verwundert es nicht, dass so viele Menschen bauen oder kaufen wollen. Die Branche kommt kaum hinterher. Der Zusatzbedarf durch Einwanderung tut ein Übriges.

Geht es beim Bau um die heimische Nachfrage, so ist es beim verarbeitenden Gewerbe vor allem der internationale Absatz, der sich gut entwickelt. Die deutsche Industrie ist im Exportgeschäft vor allem stark im Maschinenbau und bei kapitalintensiv hergestellten, hochwertigen Konsumgütern wie Autos. Sie profitiert von der allmählich anziehenden Weltkonjunktur in allen wichtigen Industrieländern. Zudem gibt es in vielen Schwellenländern sehr niedrigen Zinsen, die den Abnehmern die Finanzierung erheblich erleichtern.

Gleichzeitig sind die Kapitalkosten in der kapitalintensiven Produktion des verarbeitenden Gewerbes ein extrem wichtiger Kostenfaktor. Es gibt kaum ein Land, das nicht in einer Rezession steckt, in dem die Unternehmen mit so niedrigen Fremdkapitalkosten produzieren können, wie in Deutschland.

Zwar scheint sich die Phase der extrem lockeren Geldpolitik allmählich ihrem Ende zuzuneigen. Die Straffung wird sich aber so langsam entwickeln, dass die deutsche Industrie und Bauwirtschaft sich auf einen längeren Boom freuen dürfen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Analyse zum ifo-Index: Der Wirtschaftsboom geht weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Mitt aller größter Freude lese ich gerade, dass der wahre Held unter allen (oft verlogenen- ) Politiker, der Hoffnungsträger Mr. Trump sich von der Klima Lüge distanziert hat.

    Ja, dfas tut gut, ein ehrlicher Politiker


    ----------------------------------
    Trump will Klimaschutzplan widerrufen
    US-Präsident Trump hält nicht viel von der Arbeit seines Vorgängers Obama. Auch dessen Klimaschutzplan überzeugt ihn nicht. Mit einem weiteren Dekret will er ihn jetzt rückgängig machen - um Arbeitsplätze zu schaffen
    ------------------------

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%