Analyse zur Flüchtlingsdebatte
Herzlich willkommen, liebe Zuwanderer!

Die gesetzliche Rentenversicherung profitiert stark von der Zuwanderung. Denn während der Anteil der Deutschen an der Finanzierung schrumpft, wächst der Ausländeranteil. Die Bundesrepublik muss attraktiv für sie bleiben.
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BerlinSo rein abstrakt und theoretisch ist den meisten schon seit langem klar, dass in der alternden deutschen Gesellschaft Zuwanderung immer wichtiger werden wird, wenn wir unseren Wohlstand sichern und unsere sozialen Sicherungssysteme zumindest halbwegs stabil und leistungsfähig halten wollen. Nun hat die deutsche Rentenversicherung Zahlen vorgelegt und auf einmal erscheinen derlei Überlegungen gar nicht mehr so abstrakt und zukunftsgerichtet, wie sie in den Demografie-Debatten erscheinen.

Wir stecken offenbar bereits mitten drin in dem Wandel, von dem wir glauben, dass er uns erst noch bevor steht. Denn die Daten belegen, dass seit 2008 die Zahl der aktiven Versicherten deutscher Nationalität in der Rentenversicherung gerade mal um 80.000, also kaum noch gewachsen ist. Dagegen wuchs die Zahl der aktiv Versicherten Ausländer bis Ende 2013 um eine Million.

Die aktuell gute Finanzlage der Rentenversicherung, so lautet die Botschaft dieser Zahlen, hängt zu einem wachsenden Anteil damit zusammen, dass immer mehr Menschen vor allem aus anderen EU-Ländern sich entschließen, in Deutschland ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zwar profitieren immer noch vor allem Deutsche von der hohen Dynamik auf dem Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren. Das bedeutet nicht, dass nun die Finanzierung der Sozialkassen von Ausländern übernommen wird. So wuchs laut Rentenversicherung die Zahl der pflichtversicherten Beschäftigten mit deutschem Pass zwischen 2008 und 2013 noch um 1,7 Millionen, die der Beschäftigten mit ausländischem Pass nur um 800.000. Aber die 800.000 bedeuten ein Plus von einem Drittel.

Das aber bedeutet, der Ausländeranteil an der Finanzierung der Rentenversicherung wächst, während der Finanzierungsanteil der Deutschen schrumpft. Bezogen auf alle aktiv Versicherten sank er seit 2008 bis 2013 von 90,3 auf 88,2 Prozent. Die Daten bieten also einen Ausblick auf die Zukunft, die uns erwartet, wenn eine Voraussetzung erfüllt ist: Wir müssen dafür sorgen, dass in den kommenden Jahrzehnten Menschen, die dazu bereit und von ihrer Qualifikation her auch in der Lage sind sich in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, dazu auch eine Chance erhalten.

Bislang hatten diese Chance vor allem Menschen aus Mittel- und Osteuropa. Den größten Anstieg bei den Neuversicherten in der Rentenversicherung gab es nämlich aus den Ländern dieser Region, die seit 2004 der EU beigetreten sind und seit 2011 volle Freizügigkeit auch in Deutschland genießen. Die Zahl der Neuversicherten aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn hat sich zwischen 2008 und 2012 mehr als verdreifacht.

Die Zahl der erstmaligen Beitragszahler aus den 2007 beigetretenen Ländern Bulgarien und Rumänien hat sich um das 2,5-fache erhöht. Dabei führen die Polen die Liste an. Sie stellen inzwischen nach den Türken die zweitgrößte ausländische Nationalitätengruppe. Die größten Zuwächse gab es bei Neuversicherten aus Ungarn, Lettland und der Slowakei.

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Kommentare zu " Analyse zur Flüchtlingsdebatte: Herzlich willkommen, liebe Zuwanderer!"

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  • Das Nachzugsgesetz ist ne Katatstrophe.

  • Sage ich seit Jahren. Wer die künftigen Zustände in unseren Städte sehen will, muss heute in die USA schauen. Dort ist man uns 10 Jahr voraus.

  • Wahrscheinlich sind sie besser ALS die Deutschen (aus-)gebildet.

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