Deutschland
Anatomie einer Wissenschaftselite

Die Liste der in den letzten zehn Jahren wissenschaftlich erfolgreichsten deutschen Wirtschaftsforscher offenbart Stärken und Schwächen der deutschen Ökonomik.

Die meisten Top-Forscher sind in der breiten Öffentlichkeit unbekannt, alle sind männlich, meistens Anfang bis Mitte 40 und haben mehrheitlich an der Universität Bonn promoviert oder habilitiert.

In Übereinstimmung mit der traditionellen Schwerpunktsetzung in Bonn sind die meisten der Top-Ökonomen mikro-ökonomisch ausgerichtet und dabei entweder recht theorielastig, oder aber in der Bonner Königsdisziplin Spieltheorie beziehungsweise experimentelle Wirtschaftsforschung tätig. Nobelpreisträger und Spieltheoretiker Reinhard Selten lässt grüßen. Seine Schüler bevölkern die Rangliste und selbst mit dem was er nach seinem 63 Geburtstag noch publiziert hat, schafft es der Ausnahmeökonom unter die Top 25. Ohne die Zehnjahresbeschränkung wäre Selten unangefochten die Nummer eins, vermutlich gefolgt von Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Eine Frau sucht man unter den ersten 25 der Rangliste vergeblich, nicht weiter verwunderlich in Anbetracht des fast verschwindend geringen Frauenanteils unter den deutschen Ökonomieprofessoren.

Wie die Makroökonomen sind empirisch arbeitende Ökonomen unterrepräsentiert. Empiriker Dietmar Harhoff führt dies vor allem darauf zurück, dass das Datenmaterial fehlt. „Die deutschen Statistiker bauen echte Betonbunker um ihre Daten“, kritisiert er. Außerdem zeigten deutsche Regierungsstellen und Verwaltungen ein im internationalen Vergleich sehr geringes Interesse an Politikevaluierung, bemängelt er.

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