Anbau von Genmais
Aigner verzichtet auf Genforschung

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) setzt ihr im April beschlossenes Verbot des gewerblichen Anbaus von Genmais des Typs Mon810 konsequenter um als bislang bekannt. Nicht nur, dass in diesem Jahr Bauern den Mais nicht anbauen dürfen, Aigner untersagt Wissenschaftlern die Arbeit mit dem Genmais.

BERLIN. Das erfuhr das Handelsblatt im Vorfeld des von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) für heute angesetzten Runden Tischs zur Gentechnik.

Bislang forschte das Julius-Kühn-Institut in Braunschweig als nachgeordnete Behörde Aigners am Genmais. Seit 2005 bauen die Biologen und Genexperten Mon810 an. Ziel ist es, Maßnahmen zu finden, den Mais anzubauen, ohne dass damit konventioneller Mais in unmittelbarer Nähe gentechnisch verunreinigt wird. Die Erkenntnisse sollen helfen, Regeln für den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen zu überprüfen und zu verbessern. „Wir werden dieses Jahr keine Versuche haben“, sagte eine Sprecherin des Instituts.

Der Mais des US-Agrokonzerns Monsanto ist resistent gegen einen Schädling, den Bauern ansonsten mit Pestiziden bekämpfen. Den Forschungsauftrag hatte die damalige Ministerin Renate Künast (Grüne) erteilt. Zuletzt fanden die Feldversuche des Instituts an drei Standorten bei Braunschweig, Wolfenbüttel und Quedlinburg statt. 2010 wollten die Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Langzeitstudie auswerten. „Jetzt versuchen wir es mit den bisherigen Ergebnissen“, hieß es gestern.

Auch eine Anfrage der Braunschweiger SPD-Bundestagsabgeordneten Carola Reimann an Aigner half nicht. „Bis heute habe ich keine Antwort bekommen“, sagte Reimann, obwohl sie die Ministerin noch gut aus ihrer gemeinsamen Arbeit im Forschungsausschuss kennt. „Es ist verantwortungslos, beim Mais nicht zu forschen“, sagte SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber. Vor allem, weil der Mais bereits weltweit angebaut werde. Das Ministerium äußerte sich gestern nicht konkret. Aigner stehe weiter zur grünen Gentechnik. Es gebe „keinen Sinneswandel“. Wenn die Gentechnik angewendet werde, dann müsse sie einen Vorteil für Mensch und Umwelt bedeuten.

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