30.05.2008 09:41 Uhr

„Königsmörderin“ und „Strippenzieherin“: Andrea Nahles – die heimliche Chefin?

Zack, zack. Gleich zweimal hat Andrea Nahles in den vergangenen Tagen mit kurzen knappen Aussagen erfolgreich den Eindruck vermittelt, den Kurs der SPD vorzugeben. In der Partei und in der Koalition horcht man auf.

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Egal ob "Königsmörderin" oder "Strippenzieherin": Stets schwingt bei der SPD Hochachtung mit, wenn das Thema auf Andrea Nahles fällt. Foto: apLupe

Egal ob "Königsmörderin" oder "Strippenzieherin": Stets schwingt bei der SPD Hochachtung mit, wenn das Thema auf Andrea Nahles fällt. Foto: ap

BERLIN. Erst ebnete die Vize-Parteivorsitzende in der Bundespräsidenten-Frage einer eigenen SPD-Kandidatin den Weg. Dann verblüffte sie in der Sendung „Hart, aber fair“ mit der überraschend klaren Ansage, der SPD-Parteitag solle doch ein Votum gegen ein Linksbündnis auf Bundesebene 2009 beschließen. Sie wolle ohnehin lieber eine „Ampel“ aus SPD, FDP und Grünen, betonte die Parteilinke. Das klang in der Tonlage anders als beim zögerlichen SPD-Chef Kurt Beck.

In der Partei und in der Koalition horcht man auf. Bereits am Dienstag hatte die Bundeskanzlerin die 37-jährige ausgebildete Germanistin mit der kleinen Stichelei Richtung SPD geadelt, sie könne ja künftig gleich bei Nahles statt bei Beck anrufen. Das saß angesichts der Unzufriedenheit mit dem SPD-Chef. Prompt hängten Boulevardmedien der früheren Juso-Vorsitzenden aus der Eifel bereits das böse Etikett einer „Königsmörderin“ um. Andere bezeichnen sie neutraler als „Strippenzieherin“.

Auf jeden Fall schwingt neue Hochachtung mit. Wurden Nahles’ politische Ausfälle früher eher als lästige lärmende Intermezzi abgetan, wissen nun auch ihre beiden Co-Stellvertreter Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück, dass man sie besser ernst nimmt. Ohne die zeitraubende Last der Ministerpflichten der beiden kann Nahles intensiver ihren linken Flügel organisieren und die Drähte zur Parteibasis ausbauen.

„Wenn Nahles Beck abrückt, wird es ernst“

Auch im Willy-Brandt-Haus wird aufmerksam beobachtet, wie und gegen wen sich Nahles profiliert. Nach der Hessen- und Hamburg-Wahl stand sie jedenfalls loyal zu Beck, als die SPD-Realos schimpften. Sie selbst ist unglücklich, dass ihr nun Illoyalität unterstellt wird. Auch vor „Hart, aber fair“ hatte sie den Parteichef extra angerufen, um sich abzustimmen. Paradoxerweise bleibt man im Beck-Lager gerade deshalb aufmerksam: „Wenn Nahles nun von Beck abrücken sollte, wird es ernst.“

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