Andreas Hollstein
Bürgermeister von Altena mit Messer angegriffen

Im sauerländischen Altena Bürgermeister Andreas Hollstein Opfer einer Messerattacke geworden. Er hatte sich mit einer flüchtlingsfreundlichen Politik profiliert. Hollstein macht das Hetz-Klima für die Tat verantwortlich.
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AltenaNach der Messerattacke auf den Bürgermeister von Altena in Nordrhein-Westfalen, Andreas Hollstein (CDU), sind die genauen Hintergründe noch unklar. Ein politisches Motiv sei jedoch wahrscheinlich, hieß es von den Behörden. Die Staatsanwaltschaft in Hagen kündigte mehr Informationen für den Dienstagmorgen an. Der von einem Messer-Angreifer verletzte Bürgermeister sieht sich als Opfer eines Klimas von Hass und Hetze. „Dieser Mensch ist für mich durch Brunnenvergiftung (..) zum Werkzeug geworden“, sagte Hollstein.

Hollstein wurde am Montagabend in einem Döner-Laden mit einem Messer angegriffen. Der Politiker sei mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurden, habe es aber noch am Abend wieder verlassen können, berichteten örtliche Medien in der Nacht. „Ich habe zupackende Menschen an meiner Seite gehabt und bin froh, dass ich noch lebe“, sagte Hollstein der Nachrichtenseite „Lokalstimme“.

„Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es einen politischen Hintergrund bei diesem Anschlag gibt“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montagabend. Der Täter, der laut Laschet dingfest gemacht wurde, habe Bemerkungen über die Flüchtlingspolitik gemacht, die diesen Rückschluss zuließen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten: „Ich bin entsetzt über den Messerangriff auf Bürgermeister Andreas Hollstein – und sehr erleichtert, dass er schon wieder bei seiner Familie sein kann. Dank auch an die, die ihm geholfen haben.“ SPD-Chef Martin Schulz schrieb: „Gegen Hass und Gewalt müssen Demokraten zusammenstehen, denn sie dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.“

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) verurteilte den Angriff. „Schreckliche Nachricht aus Altena“, schrieb er bei Twitter und wünschte Hollstein gute Besserung. „Dürfen niemals akzeptieren, dass Menschen attackiert werden, nur weil sie anderen helfen. In unserem Land darf kein Platz sein für Hass und Gewalt“, ergänzte der Minister. Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) schrieb: „Alle guten Wünsche an Andreas Hollstein, dem großartigen Bürgermeister Altenas.“

Altena im Märkischen Kreis wurde bundesweit bekannt, weil es mehr Flüchtlinge aufnimmt, als es nach dem Verteilschlüssel aufnehmen müsste. Hollstein habe sich aus dem Krankenhaus bereits gemeldet und für die Anteilnahme gedankt. Auch ein Mann, der ihm zur Hilfe eilte, wurde leicht verletzt.

Nach einem Bericht der „WAZ“ (online) war der Angreifer offensichtlich alkoholisiert. Der Täter soll Hollstein vor dem Angriff gefragt haben: „Sind Sie der Bürgermeister?“

Laschet, der zum Zeitpunkt des Attentats an der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen an den Schriftsteller Navid Kermani teilnahm, zeigte sich erschüttert: „Es war heute ein bedrückender Abend. Denn ich habe bei der Verleihung des Staatspreises an Navid Kermani berichtet, wie wir zusammen den Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein, besucht haben - weil Navid Kermani das so beeindruckend fand, dass ein Bürgermeister gesagt hat, ich bin bereit, mehr Flüchtlingsfamilien aufzunehmen“, sagte der Regierungschef.

Wenig später habe Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in Kermanis Antwort gehört, „dass er den Politikern dankt wie Frau Reker und Wolfgang Schäuble, die das Risiko eines Attentats auf sich genommen haben und weitergemacht haben. Und dann hat uns um 20 Uhr die Nachricht erreicht, dass auf diesen Bürgermeister ein Anschlag verübt worden ist.“

„Diese Gewalt in unserem Land gegenüber ehrenamtlich Tätigen, gegen Bürgermeister, die sich um das Wohl ihrer Stadt kümmern, ist verabscheuungswürdig“, sagte Laschet. „Klar ist: in Nordrhein-Westfalen ist kein Platz für Hass und Gewalt. Die Vielfalt ist Kennzeichen unseres Landes.“

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) war im Oktober 2015 einen Tag vor ihrer Wahl von einem Rechtsextremisten mit einem Messer angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Schäuble wurde auf einer Wahlkampfveranstaltung 1990 Opfer eines Attentats - und ist seither querschnittsgelähmt.

In der vergangenen Woche wollte ursprünglich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in NRW auch nach Altena kommen - und sich dort mit Flüchtlingsfamilien treffen. Diese Reise musste er wegen der geplatzten Jamaika-Verhandlungen absagen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Andreas Hollstein: Bürgermeister von Altena mit Messer angegriffen"

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  • @Herr Günther Schemutat - 28.11.2017, 13:53 Uhr

    Lügen Sie (behaupten also wissentlich Falsches) oder haben Sie einfach nur keine Ahnung?

  • Wäre der Bürgermeister nicht betroffen sondern ein normaler Bürger der sich einen Döner geholt hätte, wäre der Täter schon wieder frei. Sein Messer im Rucksack kein Problem die Polizei sagt selber das massenhaft Leute mit Waffen
    rumlaufen. Etwas das Merkel ,Grüne , SPD .LIne zu verantworten haben die Gewalt in unseren Land installiert haben . Jeder will sich und die Familie schützen.
    Dazu kommt es war kein Vorsatz sondern eine spontane Tat und in Hamburg vor Gericht als Körperverletzung gesehen . Ein Jahr auf Bewährung wenn überhaupt
    meist aber Geldstrafe,

    Bei diesem Bürgermeister geht das nicht , da sind die einheimischen Richter nicht unfrei und müssen gleich wegen Mordversuch ermitteln und bestrafen.


  • Fremdenfeind in Dönerbude ?

    (Da sieht man, was bei denen im Kopf ist)

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