Angeblich massive technische Probleme
Spediteure klagen über "Riesen-Chaos"

Ungeachtet der Klagen der Spediteure über massive technische Probleme sieht das Maut-Betreiberkonsortium Toll Collect einen positiven Start des Probebetriebs.

HB/dpa BERLIN. Der Start des Probebetriebs für die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen wird nach Angaben der Spediteure von massiven technischen Problemen überschattet. In einer dpa-Umfrage berichteten die Unternehmen am Montag von massenhaften Ausfällen der Bordgeräte zur Mauterfassung, die ein Schlüsselelement des Systems sind. Angesichts der Probleme forderte die Branche eine Verschiebung des auf den 2. November angesetzten Beginns der Maut-Erhebung auf kommendes Jahr. Das Betreiberkonsortium Toll Collect sprach dagegen von einem positiven Start.

„Einzelne Probleme“ mit falschen Anzeigen hätten technische Gründe und sollten jetzt durch eine neue Software beseitigt werden, sagte ein Sprecher von Toll Collect in Berlin. Nach vorläufigen Angaben habe es am Montag 1 500 Probebuchungen an Maut-Terminals gegeben, 300 Lkw seien über das Internet angemeldet worden und 30 000 eingebaute Bordcomputer seien ins System geschaltet worden. Der Testbetrieb war offiziell um Mitternacht am Sonntag gestartet, lief wegen des Wochenend-Fahrverbots aber erst einen Tag später richtig an.

„Wir haben leider kein einziges funktionierendes Gerät, für mich ein schockierendes Ergebnis“, sagte der Geschäftsführer der Spedition Brucker, Arno Brucker, dagegen der dpa. Der Präsident des Landesverbandes des Sächsischen Verkehrsgewerbes, Michael Lohse, selbst Inhaber eines Speditionsunternehmens in Chemnitz, sagte, von zehn Maut-Geräten in seinen Lastwagen funktioniere eins. „Es hat jedoch unterschiedliche Angaben gemacht.“ Der Vizepräsident des Landesverbandes Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen, Wolfgang Anwander, sprach von einem „Riesen-Chaos“.

Der Vorsitzende des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes in Mecklenburg-Vorpommern, Jürgen Hamke, berichtete, bei einem ersten Test am Sonntagabend hätten die OBU (On-Board-Units) genannten Geräte in den Lastwagen seines Unternehmens für die gleiche Strecke unterschiedliche Entfernungen und stark abweichende Gebühren angezeigt. Von Neubrandenburg nach München hätte ein Fahrer 95, der andere 215 Euro zahlen müssen, sagte er.

Die als Alternative gedachten Anmelde-Stationen an Autobahn- Raststätten wurden von vielen Unternehmen aus Zeitgründen nicht angefahren, ergab die Umfrage.

Der Bundesverband Spedition und Logistik forderte eine Verschiebung der Maut auf den 1. Januar 2004. „Wir haben Riesenprobleme, die sich nicht bis Anfang November beheben lassen werden“, sagte der Präsident des Verbands, Manfred Boes, der dpa. Nur etwa jedes dritte Bordgerät funktioniere. Zudem sind 70 000 Geräte eingebaut, rund eine Million würden aber benötigt. Die Maut soll vom 2. November an im Schnitt 12,4 Cent pro Kilometer betragen.

Toll Collect erläuterte, die Probleme mit den eingebauten Bordcomputern hätten vor allem damit zu tun, dass noch nicht alle Teilkomponenten des Systems zugeschaltet seien. Das Hauptproblem bestehe wohl darin, dass das im Führerhaus eingebaute Gerät „mautfrei“ angibt, obwohl es per Satellit trotz der bisher noch gebührenfreien Testphase eigentlich die Gebühren erkennen und anzeigen sollte.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums betonte, der Beginn des Mautsystems liege in der alleinigen Verantwortung der Betreiberfirmen. Sie hätten den Auftrag zur Errichtung und zum Betrieb des Systems erhalten. Für die Bundesregierung gebe es keinen Anlass, Bilanz zu ziehen.

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