Angebot der Betriebe sinkt um zehn Prozent
Lehrstellenmarkt bleibt miserabel

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres zeigt sich, dass in diesem Jahr noch weniger junge Leute eine Lehrstelle gefunden haben als 2004. Trotz des Ausbildungspaktes von Regierung und Wirtschaft ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage mittlerweile deutlich größer als im Vorjahr, meldete die Bundesagentur für Arbeit (BA).

bag BERLIN. Dies liege vor allem daran, dass die Betriebe rund zehn Prozent weniger Plätze gemeldet hätten. Ende August zählten die Arbeitsämter noch 195 000 Bewerber, denen 50 700 offene Lehrstellen gegenüberstanden. Damit stellt sich unmittelbar vor der Bundestagswahl die Frage, wie wirksam der Ausbildungspakt wirklich ist. Mit ihrer Zustimmung zu dem Pakt konnte die Wirtschaft 2004 verhindern, dass Rot-Grün eine Ausbildungsplatzabgabe einführte. Die Grünen nannten ihn angesichts der neusten Zahlen bereits einen „Flop“. Auch die Gewerkschaften bezeichneten den Pakt als gescheitert und erneuerten ihre Forderung nach einer Abgabe.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hingegen gab sich optimistisch: Die Zahlen der BA seien immer weniger aussagekräftig, weil immer mehr Unternehmen ihre Plätze ausschließlich den Kammern meldeten. Bis zum Stichtag Ende September werde die Zahl der unversorgten Bewerber unterm Strich erneut auf 30 000 sinken. Bis Silvester werde jeder Jugendliche eine Lehrstelle, ein Praktikum oder einen Platz in der Berufsvorbereitung haben, versprach Clement ähnlich wie der DIHK.

Doch auch die Zahlen der Kammern zeigen unter dem Strich nach unten: Zwar registrierte der DIHK per Ende Juli 2700 zusätzliche Ausbildungsverträge, im Handwerk waren es aber 3600 Verträge weniger als im Vorjahr.

Die IG Metall geht davon aus, dass zu Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober rund 100 000 Jugendliche leer ausgehen. In der Praxis würden die Jugendlichen ab sofort vor allem „auf die üblichen Warteschleifen verteilt“, kritisierte IG Metall-Vorstand Erwin Vitt. Insgesamt seien in Deutschland eine Million Menschen unter 25 Jahren ohne Perspektive, klagte der Gewerkschafter: 400 000 seien in berufsvorbereitenden Maßnahmen untergebracht, 600 000 arbeitslos. Gut ein Viertel der arbeitslosen Jugendlichen haben keinen Schulabschluss, zwei Drittel keine Ausbildung, sagte Clement.

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