Angela Merkel auf CSU-Parteitag
Eiszeit für die Kanzlerin

Die CSU müht sich auf ihrem Parteitag trotz Personalquerelen um Geschlossenheit. Doch Angela Merkel muss sich im Streit um nationale Obergrenzen für Flüchtlinge einen öffentlichen Rüffel von CSU-Chef Seehofer anhören.

MünchenSie hätte kompromissbereit sein können und sich so den Jubel der fast 1000 Delegierten auf dem CSU-Parteitag sichern können. Angela Merkel hätte ihre Flüchtlingspolitik rechtfertigen und die Grenze ihrer Willkommenskultur skizzieren können. Doch in ihrer Rede wollte die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende den „Obergrenzen“ à la CSU nicht das Wort reden. Also kam für Merkel alles anders als zu Zeiten, als CDU und CSU sich noch nah waren.

Bevor der Parteitag offiziell beginnt, geht es bereits mächtig zur Sache. Markus Söder betritt die Vorhalle der Münchner Messe, in der etliche Aussteller ihre Produkte feilbieten. Fast 1000 CSU-Delegierte werden sich an diesem Wochenende in der Messehalle versammeln, um über die Flüchtlingspolitik zu diskutieren und ihren Parteivorsitzenden Horst Seehofer im Amt zu bestätigen.

Söder, im Hauptamt Finanzminister in Bayern, würde lieber heute als morgen Seehofer beerben. Gewöhnlich betont er gern, dass er mit seinen 1,94 Metern einen Zentimeter länger als Seehofer ist. Jetzt sagt er, umgeben von einem Pulk von Journalisten fast demütig, dass es auf dem Parteitag um „Geschlossenheit“ gehe, die auch bei der Wiederwahl Seehofers am Samstag zum Ausdruck kommen solle. Er werde alles dafür tun, „damit es gute Stimmergebnisse gibt“. Und auch hinter dem Leitantrag zur Flüchtlingspolitik stünden „alle“ in der CSU und darüber hinaus „90 Prozent der Bevölkerung“.

Söder war am Sonntag einmal mehr in Ungnade seines Parteivorsitzenden gefallen. „Paris ändert alles“, hatte er vollmundig nach den Terroranschlägen in einem Interview gesagt und einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik gefordert. Seehofer unterstellte Söder daraufhin „persönliche Motive“ und verbat sich, die Flüchtlingspolitik und den Terror in einen Zusammenhang zu stellen. Wenn einer in der Flüchtlingspolitik den Kurs vorgebe, dann er – der Chef. Söder musste sich mehrfach entschuldigen.

Nur noch wenige Minuten, bis der Parteitag beginnt. Seehofer steht vor der Bühne, winkt Söder zu sich. Es gilt, noch einmal Burgfrieden zu demonstrieren, so brüchig er auch ist. Fragen der Journalisten beantworten sie, reden lächelnd vom „Kalten Krieg“ und von „Abrüstungsverhandlungen“. „Habt ihr jetzt alles?“, fragt Seehofer in die Runde. „Mehr gibt es heute nicht.“

Seehofer geht zu seinen Bundesministern – Alexander Dobrindt (Verkehr), Gerd Müller (Entwicklung) und Christian Schmidt (Agrar). Auch Mittelstandschef Hans Michelbach steht dabei. Theo Waigel kommt, Ilse Aigner, Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt. Die Botschaft ist klar: Seehofer steht im Zentrum, er hat das Sagen. Niemand sonst.

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