Angela Merkel
"Banken-Hilfe für Griechen in Europa nicht mehrheitsfähig"

Noch vor kurzem beharrte die Bundesregierung auf einer Beteiligung der Banken an der Griechenland-Hilfe. Jetzt rudert Merkel zurück. Der Widerstand gegen ihre Pläne in Europa ist offenbar zu groß.
  • 16

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat die Erwartungen an eine Beteiligung privater Gläubiger an einem weiteren Hilfspaket für Griechenland gedämpft. „Das Thema ist in Europa nicht so einfach mehrheitsfähig“, sagte die Kanzlerin am Mittwoch im Europaausschuss des Bundestages. Zudem unterstrich sie nachdrücklich, dass nur eine Beteiligung von privaten Investoren auf freiwilliger Basis infrage komme. Ansonsten drohe ein Kreditausfall mit weitreichenden Folgen für das Weltfinanz-System. Das Bundesfinanzministerium wollte noch am Mittwoch in Frankfurt mit deutschen Banken und Versicherungen über einen Beitrag zur Rettung Griechenlands sprechen.

„Die freiwillige Beteiligung privater Gläubiger wird in Europa nur von sehr wenigen unterstützt“, sagte Merkel. Damit begebe man sich in eine Außenseiterrolle. Man müsse sich aber entscheiden, ob man eine Position vertrete, mit der man sich zwar nicht unbedingt beliebt mache, aber für die Richtige halte. Neben Deutschland fordern nur die Niederlande, Finnland und Frankreich eine freiwillige Beteiligung privater Gläubiger an einem neuen Griechenland-Hilfspaket.

Der Finanzexperte der FDP-Bundestagfraktion, Frank Schäffler, hält die von der Bundesregierung geforderte freiwillige Beteiligung privater Gläubiger für ein rein taktisches Manöver zur Beruhigung des Steuerzahlers. „Die Beteiligung des Bankensektors wird über reine Symbolik nicht hinausgehen. Dies werden die Bankvorstände schon zum Schutz von Regressansprüchen ihrer eigenen Aktionäre nicht zulassen“, sagte Schäffler Handelsblatt Online. Er fügte hinzu: „Die Beteiligung privater Gläubiger auf freiwilliger Basis ist daher nur eine Beruhigungspille für die Steuerzahler. Ein bisschen Schwanger geht auch nicht.“

Am Donnerstag und Freitag beraten die Staats- und Regierungschefs der EU bei einem Gipfeltreffen in Brüssel über das weitere Vorgehen zur Stabilisierung Griechenlands. Der Bundestag hatte die Bundesregierung aufgefordert, für eine Beteiligung privater Gläubiger einzutreten und seine Zustimmung zu weiteren Milliardenhilfen an diese Bedingung geknüpft.

Merkel schraubte die Erwartungen im Ausschuss zurück: „Es war immer von einer freiwilligen Beteiligung privater Gläubiger die Rede“, unterstrich sie. Ein Kreditereignis, durch das die Bonität Griechenlands auf den Ausfall-Status fallen würde, müsse unbedingt vermieden werden. Die Ratingagenturen neigten aber dazu, auch bei der freiwilligen Beteiligung privater Gläubiger ein Kreditereignis festzustellen. Die notwendigen Gespräche mit den Banken würden in den nächsten Tagen geführt. Darin müsse die Europäische Zentralbank einbezogen werden, sagte die Kanzlerin.

Seite 1:

"Banken-Hilfe für Griechen in Europa nicht mehrheitsfähig"

Seite 2:

Schäuble-Beamte treffen Griechen-Gläubiger

Kommentare zu " Angela Merkel: "Banken-Hilfe für Griechen in Europa nicht mehrheitsfähig""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wann werden unsere Regierenden endlich für ihre Unfähigkeit in Regress genommen ?
    Dürfen die tatsächlich weitermachen bis wir alle Bankrott sind. Wer rettet uns endlich vor diesen Marionetten der Banken und des Kapitals !!!
    Ja, "Afrikanischer Frühling" könnte auch hier irgendwann mal Einzug erhalten. Leider wohl erst wenn die meisten Bürger nichts mehr haben und dann zerstören "wir" wieder alles und unsere Nachbarn. Wollen es unsere Regierenden wirklich so weit kommen lassen ?

  • Ich würde hier KNALLHART bleiben! Entweder die Banken geben 30% dazu und das ist schon gnädig, wenn man bedenkt, dass die Schrottanleihen eigentlich das 100%tige Privatproblem der Privatbanken sind!

    Oder es gibt KEIN deutsches Steuergeld! Dann nehmen die Dinge halt so ihren Lauf. Fertig!

    Dann können die Banken bleiben wo sie wollen!

    Abgesehen davon, dass der Rettungsschirm illegal ist!
    Wenn ich mir Aktien kaufe und die Firma geht pleite, kommt dann der Staat und stützt diese Firma, damit ich als Aktionär weiter schön meine Dividende bemomme? Nein, macht er nicht! Aber EUdSSR-Brüssel zieht illegal Geld aus Deutschland raus, damit verantwortungslose Banken keine Verluste machen! Die illegalen Schweine in EUdSSR-Brüssel werden schon noch in den Knast wandern!


  • " Afrikanischer Frühling "

    heißt das Wundermittel !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%