Angela Merkel
Die Unberührbare

Es hätte ein knallhartes Duell werden können. Doch Merkel lässt sich von Peer Steinbrücks Attacken nicht beeindrucken. In der Griechenland-Frage können der Kanzlerin damit nur noch die eigenen Getreuen gefährlich werden.
  • 41

BerlinWer erwartet hatte, dass die Haushaltsdebatte des Bundestags zu einem Rededuell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer bei der Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück, werde würde, wurde jäh enttäuscht. Dabei lag es angesichts der erneuten Zuspitzung in der Griechenland-Frage nahe, dass sich die beiden zoffen. Aber nein, Merkel räumte dem Scheitern der Gespräche der Euro-Finanzminister über weitere Hilfen für die Hellenen kaum Platz in ihrer Rede ein.

Angriffslustig gab sich nur Steinbrück („Die Stunde der Wahrheit ist da“), der nach allen Regeln der Redekunst die Merkel’schen Argumente zerpflückte. Merkel dagegen blieb betont sachlich, redete naturgemäß alles schön, was zuvor vom ehemaligen Bundesfinanzminister förmlich in der Luft zerrissen wurde. Dabei wirkte der Vortrag der Kanzlerin einschläfernd, der von Steinbrück rhetorisch brillant. Merkel spulte ihr „Erfolgsprogramm“ herunter und ließ sich dabei selbst von den andauernden  Zwischenrufen aus der Oppositionsecke nicht aus dem Konzept bringen.

„Ihre Koalition setzt Ihnen zunehmend rote Linie, die Sie in Europa handlungsunfähig machen“, rief Steinbrück der Kanzlerin zu. Und er forderte sie auf, sie solle sich endlich „ehrlich machen“ und gegenüber den Bürgern in Deutschland zugeben, dass die Griechenland-Rettung Belastungen mit sich bringen werde. „Sagen Sie, was ist“, verlangte der SPD-Kanzlerkandidat. Ansonsten gerate die Regierung auf eine „Rutschbahn“, wenn getroffene Annahmen zu Griechenland nicht zuträfen oder beschlossene Rettungsmaßnahmen nicht griffen. „Die Stümperei muss aufhören.“

Doch auch Steinbrück wäre nicht Steinbrück, wenn er nicht wüsste, dass er es bei Merkel mit einer „Unberührbaren“ zu tun hat, einer, wie er es umschreibt, die die Neigung habe, sich „nicht zu exponieren und dann doch irgendwann auf den Zug aufspringt, in dem die meisten Fahrgäste drin sind“.

Unübersehbar ist denn auch heute, dass es Steinbrück ist, der die Boxhandschuhe übergestreift hat, Merkel aber lieber Samthandschuhe bevorzugt. Doch es gelingt ihm nicht wirklich, die Regierungschefin in den Ring zu locken.

Das ist eines der Markenzeichen der Kanzlerin: sie will nicht kämpfen. Sie moderiert und verhandelt lieber. Sie laviert und taktiert, und am Ende gibt es entweder einen klassischen Kompromiss oder eine Lösung, gegen die selbst die Opposition kaum noch etwas ausrichten kann. Das hat auch oft genug schon Getreue der Kanzlerin auf die Palme gebracht – die Endlosschleifen, die Merkel in der Euro-Rettungsfrage dreht, ihre enervierende Art, alle Widersacher – selbst in den eigenen Reihen - so lange zuzureden, bis wieder Ruhe einkehrt im politischen Ring. Die Vermeidung des Kampfs – das ist die hohe Kunst der Kanzlerin.

Diese Rechnung Merkels ging bisher immer auf. Ob ihr das in der Griechenland-Frage weiter gelingen wird, ist allerdings heute, kurz nach dem Scheitern eines weiteren Rettungsversuchs, fraglicher denn je. Das liegt nicht nur daran, dass die Opposition immer weniger gewillt ist, ihren Kurs zu stützen. Das liegt vor allem daran, dass innerhalb der schwarz-gelben Koalition der Widerstand gegen immer weitere Zugeständnisse an Athen wächst.

Kommentare zu "Die Unberührbare"

Alle Kommentare
  • @dago138161
    "Der Euro ist untauglich für GR,I,E,P, denn die alle wären mit abwertbaren Währungen besser bedient."
    Das genau haben bei der Einführung des Euro nur eine Handvoll der Ökonomen erkannt,ich meine Hankel war dabei.Die Masse der Zunft hat es schlicht ignoriert,darunter auch Prof.Sinn.Den Vorwurf wird er nicht mehr los.
    Die Politik ist einfach der Masse gefolgt,wieso auch nicht.
    Sie wussten es nicht besser und sind von den "Beratern" im
    Stich gelassen worden.Sie hätten auch Schimpansen fragen
    können.
    Nur sind bis heute keine Lehren daraus gezogen worden,der Vorwurf an Merkel und Co.Das ist grob fahrlässig,man könnte sogar sagen mit Vorsatz,also ein Straftatbestand.Könnte mal jemand versuchen zu klagen,es dürfte sich allerdings kaum eine Staatsanwaltschaft finden lassen.Zivilrechtlich geht es halt nicht.
    Aber vielleicht machen das ja mal die Bochumer Jungs.Bochum
    ist gutt.Haben nicht nur Stadtwerke.

  • @Lefort

    Kann sein,ja.Adenauer ist 1955 nach Moskau gefahren und hat
    mit Cruschtschow über die Rückkehr der Soldaten verhandelt
    und sie freibekommen.Den Gulag hat man nach m.E. erst
    wesentlich später aufgelöst.Gibt es ja heute noch,hat nur
    einen anderen Namen.Ein Schlitzohr war er trotzdem.
    Ich hab die Heimkehr eines Gefangenen als ganz kleiner Junge
    noch erlebt,das ganze Dorf stand am Bahnhof.

  • Aderaner hat die Kriegsgefangenen nicht nach Hause geholt.Damals hat Kruschtschow den Gulag aufgelöst.Alle sind frei gekommen,natürlich auch die deutschen Kriegsgefangenen.
    Gut gelogen hat das Schlitzohr,da haben Sie recht.

  • @Eurowahn Sie haben in vielen Punkten recht,und ich bin kein Merkel-Anhänger und die Umverteilung von unten nach oben ,die von CDU/CSU und FDP betrieben wird,stinkt zum Himmel.Sie sagen auch richtig,dass es mit einer SPD/Grünen Regierung noch schlechter um uns bestellt wäre.---Das Problem liegt in der EU und dem Euro.
    Der Euro ist untauglich für GR,I,E,P, denn die alle wären mit abwertbaren Währungen besser bedient.
    Die EU hat jahrelang sinnlose Projekte genehmigt und finanziert,ist sehr teuer, und hat totalversagt bei GR`s
    3 jähriger Krise. Allerdings hat unsere Reg. mitgemacht
    bei dem dilettantischen Vorgehen.Man hat Vertrags-klauseln gebrochen und damit auch Verträge über die viele Volker abgestimmt hatten. Nicht demokratisch !
    Aber Politiker geben ihre Fehler nie zu, und machen weiter bis zum bankrott. Leider! Nur diese Zuschriften
    hier bewirken gar nichts. Man muss an BP,BK,und Parteien schreiben, damit die wenigstens wissen was das Volk denkt! Denn die wollen ja wieder gewählt werden. Ob es hilft wird man sehen, aber es steht zu befürchten, dass
    wir ausbluten und Europa allein auch nicht retten können,dazu erhebliche Einschnitte im Lebensstandard hinnehmen müssen. Wir müssten morgen raus aus dem Euro,
    und besser jetzt, als auf dem sinkenden Schiff zu bleiben.

  • 2.)Denn sie wollen ja, das
    Deutschland mehr zahlt, auch wollen sie keine einschneidenden Reformen (da spielt ihr Volk nicht mit - sie würden abgewählt) Diese Regierungschefs wollen die Schulden verallgemeinern und somit dass Deutschland mehr zahlt. Auch wollen sie viel mehr inflationieren. Merkel bremst da zu sehr. Man wird Frau Merkel mit einem Schuldenschnitt politisch auflaufen lassen. Die Regierungschefs und die von den Pleitestaaten dominierte EZB sieht das natürlich auch gerne. Politisch wäre Merkel am Ende, die Presse würde man so manipulieren, dass sie das zu Ungunsten von Frau Merkel ausschlachtet. Die SPD und die Grünen reiben sich schon hier die Hände und werden Merkel politisch demontieren. Von wegen, die Griechen zahlen alles zurück, es kostet den deutschen Steuerzahler nichts. Die Grünen und die SPD wären an der Macht, was sie mit aller Kraft wollen. Die Regierungschefs in Europa, die EZB etc. könnten eine lockere Geldpolitik fahren. Große Reformen würde es nicht geben, was den Regierungschefs ihr Amt sichert. Unter SPD und Grüne würde Deutschland noch mehr zahlen und man könnte uns die ganzen Schulden überstülpen, denn da machen SPD und Grüne ja auf jeden Fall mit. Politik - ein schmutziges Geschäft. Merkel ist der Bremsklotz un der muss weg in Europa.

  • "Unsere Republik gehört heute zu den zehn leistungsfähigsten Industrienationen der Weit, zu den knapp zwei Dutzend Ländern mit dem höchsten Lebensstandard. Und vergessen wir dabei nicht, daß der Wohlstand hierzulande weder aus der Erde sprudelt noch auf Kosten anderer erreicht wurde. Die DRD (Demokratische Republik Deutschland) ist das Werk von Millionen, von mehreren Generationen, die in harter Arbeit ihren Arbeiter- und Bauern-Staat aufgebaut haben, einen Staat mit moderner Industrie und Landwirtschaft, mit einem sozialistischen Bildungswesen, mit aufblühender Wissenschaft und Kultur. Schließlich ist die DRD, eine Weltnation im Sport. Mit unseren Händen und Köpfen haben wir das zuwege gebracht, unter Führung der Partei der Arbeiterklasse. Nichts, aber auch gar nichts wurde uns geschenkt oder ist uns in den Schoß gefallen. Zudem waren hier nicht nur Trümmer wegzuräumen, sondern auch die Steine, die uns in den Weg gelegt wurden. Heute ist die DRD ein Vorposten des Friedens und des Sozialismus in Europa. Dies zu keiner Zeit zu verkennen, bewahrt uns, sollte aber auch unsere Feinde vor Fehleinschätzungen bewahren."(Das können Sie von Honecker so übernehmen, Frau Bundeskanzlerin!)

  • 1.)Ich denke, dass das Ende von Frau Merkel gekommen ist. Die Eurorettungsaktionen waren von vorneherein ein Fehler. Man hätte strikt die Bail-out-Klausel einhalten sollen. Dazu war sie politisch zu schwach und zu isoliert. Schlimm ist nur, dass die anderen Politiker wie Steinbrück, Gabriel, Trittin, Roth etc. dann eine Politik machen, die uns noch mehr schadet. Die SPD und die Grünen drängen ja unentwegt auf die Verallgemeinerung der Schulden. Wir werden dann noch ein vielfaches bezahlen wie unter Frau Merkel.
    Ich denke, dass die verantwortlichen Politiker (Präsidenten) der Staaten Südeuropas und die EZB Frau Merkel auflaufen lassen und somit politisch entsorgen werden. Warum ???? Man wird einen Schuldenschnitt für Griechenland durchsetzen, dafür sorgen schon Monti, Draghi (Ex-Goldman Sachs Baker) und auch die restlichen Regierungschefs der Pleitestaaten.

  • @Nie_mehr_DDR_nie_mehr_Merkel

    Dieses völlige Ausblenden jeder Wirklichkeit ist gerade in.
    Auch Ihnen empfehle ich den Artikel in der SZ, Sie werden
    vieles wiederfinden, was Sie schon mal erlebt haben.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/parallelwelt-konservatives-amerika-was-uns-nicht-passt-wird-ausgeblendet-1.1526977

    Über Monate habe ich den US Wahlkampf verfolgt,irgendwann
    habe ich fast ausschließlich Mattias Kolb,SZ gelesen oder
    in den USA den Blog 538 der NYT. Manchmal dachte ich echt,
    befinde mich in einem anderen Universum. Wenn ich
    TV-Nachrichten oder mal bei ntv reingesehen habe,oder in
    anderen Pressemedien,überall das gleiche.
    Weit von der Realität entfernt.

  • Frau Merkel als "Unberührbare" zu betiteln ist eine Verhohnepipelung der Menschen in Deutschland und Ausdruck einer auf den Hund gekommenen medialen Berichterstattung. Oder glaubt jemand allen Ernstes, das was Frau Merkel tut sei in irgendeiner Weise sinnstiftend. Aus reinem wahltaktischem Kalkül hält die Bundesregierung an einem Weg fest, der nicht nur einmal so in die Irre führt, sondern ganz Europa ruiniert. Und den Menschen hier erzählt man, wir seien die Lokomotive Europas. Das Gegenteil ist richtig. Wir schmarotzen weiterhin an dem Niedergang der anderen. Die lauen 0,8% Wirtschaftswachstum sind einem exportgetriebenen Handelsbilanzüberschuss von 150 Mrd. Euro geschuldet, wovon 60 Mrd. aus den Ländern der Eurozone kommen. Damit verschulden sich unsere Nachbarn weiter für ein Geschäftsmodell, dessen Wirkung sich auch im Export von Arbeitslosigkeit niederschlägt und verschärft die Rezession in den Ländern. Deshalb müssen die Löhne in Deutschland, in den Niederlanden, in Finnland überproportional steigen, in anderen Ländern stagnieren sie ohnehin schon. Doch was tun man? Man verkauft den von Leistungsbilanzdefiziten gezeichneten Ländern so genannte Reformen und einen "Sparkurs" (der tatsächlich kein Sparkurs ist) und zwingt sie zur Privatisierung ihres Volksvermögens zu Schnäppchenpreisen. Aus aller Welt, und insbesondere deutsche Unternehmen bereichern sich so in den Südländern in perfidester Weise an deren Volksvermögen. Deutschland benimmt sich wie der Elefant im Porzellanladen. Ein Trauerspiel sekundiert vom deutschen Mainstream, der in den Medien längst seine Qualität an der "Garderobe" abgegeben hat.

  • "Denn sollte es am Montag nun eine Einigung zu Griechenland zwischen den Euro-Finanzministern geben, könnte der Bundestag Ende nächster Woche über das Rettungskonzept entscheiden. Die Zustimmung des Parlaments ist nötig, damit ein solches Konzept in Kraft treten kann."

    Und bei einer solchen Abstimmung wird Steinbrück und seine Genossen lammfromm der Kanzlermeinung folgen. Kein Wunder, das Merkel die "Opposition" nicht ernst nimmt. Warum sollte sie auch?

Serviceangebote