Angela Merkel: Die Unberührbare

Angela Merkel
Die Unberührbare

Es hätte ein knallhartes Duell werden können. Doch Merkel lässt sich von Peer Steinbrücks Attacken nicht beeindrucken. In der Griechenland-Frage können der Kanzlerin damit nur noch die eigenen Getreuen gefährlich werden.

BerlinWer erwartet hatte, dass die Haushaltsdebatte des Bundestags zu einem Rededuell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer bei der Bundestagswahl 2013, Peer Steinbrück, werde würde, wurde jäh enttäuscht. Dabei lag es angesichts der erneuten Zuspitzung in der Griechenland-Frage nahe, dass sich die beiden zoffen. Aber nein, Merkel räumte dem Scheitern der Gespräche der Euro-Finanzminister über weitere Hilfen für die Hellenen kaum Platz in ihrer Rede ein.

Angriffslustig gab sich nur Steinbrück („Die Stunde der Wahrheit ist da“), der nach allen Regeln der Redekunst die Merkel’schen Argumente zerpflückte. Merkel dagegen blieb betont sachlich, redete naturgemäß alles schön, was zuvor vom ehemaligen Bundesfinanzminister förmlich in der Luft zerrissen wurde. Dabei wirkte der Vortrag der Kanzlerin einschläfernd, der von Steinbrück rhetorisch brillant. Merkel spulte ihr „Erfolgsprogramm“ herunter und ließ sich dabei selbst von den andauernden  Zwischenrufen aus der Oppositionsecke nicht aus dem Konzept bringen.

„Ihre Koalition setzt Ihnen zunehmend rote Linie, die Sie in Europa handlungsunfähig machen“, rief Steinbrück der Kanzlerin zu. Und er forderte sie auf, sie solle sich endlich „ehrlich machen“ und gegenüber den Bürgern in Deutschland zugeben, dass die Griechenland-Rettung Belastungen mit sich bringen werde. „Sagen Sie, was ist“, verlangte der SPD-Kanzlerkandidat. Ansonsten gerate die Regierung auf eine „Rutschbahn“, wenn getroffene Annahmen zu Griechenland nicht zuträfen oder beschlossene Rettungsmaßnahmen nicht griffen. „Die Stümperei muss aufhören.“

Doch auch Steinbrück wäre nicht Steinbrück, wenn er nicht wüsste, dass er es bei Merkel mit einer „Unberührbaren“ zu tun hat, einer, wie er es umschreibt, die die Neigung habe, sich „nicht zu exponieren und dann doch irgendwann auf den Zug aufspringt, in dem die meisten Fahrgäste drin sind“.

Unübersehbar ist denn auch heute, dass es Steinbrück ist, der die Boxhandschuhe übergestreift hat, Merkel aber lieber Samthandschuhe bevorzugt. Doch es gelingt ihm nicht wirklich, die Regierungschefin in den Ring zu locken.

Das ist eines der Markenzeichen der Kanzlerin: sie will nicht kämpfen. Sie moderiert und verhandelt lieber. Sie laviert und taktiert, und am Ende gibt es entweder einen klassischen Kompromiss oder eine Lösung, gegen die selbst die Opposition kaum noch etwas ausrichten kann. Das hat auch oft genug schon Getreue der Kanzlerin auf die Palme gebracht – die Endlosschleifen, die Merkel in der Euro-Rettungsfrage dreht, ihre enervierende Art, alle Widersacher – selbst in den eigenen Reihen - so lange zuzureden, bis wieder Ruhe einkehrt im politischen Ring. Die Vermeidung des Kampfs – das ist die hohe Kunst der Kanzlerin.

Diese Rechnung Merkels ging bisher immer auf. Ob ihr das in der Griechenland-Frage weiter gelingen wird, ist allerdings heute, kurz nach dem Scheitern eines weiteren Rettungsversuchs, fraglicher denn je. Das liegt nicht nur daran, dass die Opposition immer weniger gewillt ist, ihren Kurs zu stützen. Das liegt vor allem daran, dass innerhalb der schwarz-gelben Koalition der Widerstand gegen immer weitere Zugeständnisse an Athen wächst.

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