Angela Merkel im ZDF zur Flüchtlingskrise
„Mit Verstand und ein bisschen Herz“

Den ungewöhnlichen Sondersendungs-Termin am frühen Freitagabend im ZDF benutzte Angela Merkel, um sich mehr denn je als an Menschenrechten orientierte und über Machterhalts-Fragen schwebende Politikerin zu präsentieren.
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BerlinZum Freitagabend hin werden gern eher schlechte Nachrichten verkündet, damit sie am Wochenende, an dem weniger Nachrichten verfolgt werden als werktags, möglichst untergehen. An diesem Freitag allerdings hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel sich zur „Was nun?“-Sondersendung um 19.20 Uhr im ZDF angesagt. Damit hielt sie die Parität ein: Zuletzt hatte sie Anfang Oktober in in einer Sonderausgabe von Anne Wills ARD -Talkshow ihr „Wir schaffen das“ bekräftigt.
„Die Bundeskanzlerin hat die Lage im Griff“, lautete nun der entsprechende Satz. Er fiel schon zu Beginn der 19.00-Uhr-„heute“-Nachrichten vor der „Was nun?“-Sendung (und ein bisschen Mainzelmännchen-Werbung) - und kursierte sogar noch früher. Denn das ZDF hatte die 35-minütige Sendung mit mehr als einer Stunde Vorlauf aufgezeichnet - was mehrere Redaktionen und Mitarbeiter des Senders nutzten, um zentrale Merkel-Aussagen sofort zu verbreiten, im Netzwerk Twitter etwa unter dem Hashtag #wasnun.

„Auf die Frage, ob sie an ihrem Kurs festhält, sagt Merkel: 'Absolut, natürlich'“, „Merkel auf Frage, ob sie de Maizière die Leviten gelesen hat: 'Interne Gespräche gehören nicht ins Fernsehen'“, „Halte an Schengen fest, das setzt aber voraus, dass die Außengrenzen geschützt werden“ - all diese Aussagen kursierten online vorab.

Und spiegelten das Interview gut wider. Nicht nur einmal betonte Merkel auf beharrliche Fragen der Interviewer Bettina Schausten und Peter Frey nach Streit mit Innenminister Thomas de Maizière, Beschlüsse wie der zum Aussetzen des Familiennachzugs seien „einvernehmlich“ getroffen worden und sie selbst habe „das Verfahren gesteuert“.

Ebenso erwartungsgemäß lehnte Merkel Obergrenzen für Flüchtlinge weiterhin ab. Die könne sie „nicht einseitig definieren“. Merkel sprach aber von „Kontingenten“ im Sinne von „vereinbarten Lastenteilungen mit der Türkei“. Ihre Regierung sei bereits „viel weiter als vor vier Wochen“, nicht nur bei Gesprächen über Kooperation mit der Türkei, auch bei „Bemühungen“ um Libyen - eine andere wichtige Fluchtroute nach Europa - „dass dort wieder eine Regierung hinkommt“. „Wir brauchen eine faire Lastenverteilung in Europa“ war noch so ein wiederholter Schlüsselsatz - wie gut die Chancen dafür stehen, sagte Merkel nicht und kann es vermutlich gar nicht sagen.

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„...ich denke in einzelnen Menschen.“

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