Angela Merkel
Merkel: „Keine Zeit für Mätzchen!“

Zu still, zu fern, zu zögerlich: Die CDU murrt über ihre Kanzlerin, viel in der Partei fühlen sich von ihrer Vorsitzenden und Kanzlerin vernachlässigt Nur die Ruhe, entgegnet Angela Merkel: Wer die Bundestagswahl gewinnt, das entscheide sich doch erst im Endspurt.

BERLIN. Es war wieder so ein langer Tag gewesen, dieser Freitag der vergangenen Woche, vollgestopft mit Terminen und öffentlichen Auftritten. Doch als Angela Merkel um 20.20 Uhr endlich ihre Altbauwohnung in Berlin-Mitte erreicht, wartet eine unangenehme Überraschung auf sie. Bauarbeiter hatten gegenüber auf der Museumsinsel eine russische 100 Kilo schwere Fliegerbombe entdeckt. Angesichts der gewaltigen Sprengkraft des Ungetüms ordnete die Polizei eine Sperrung des Gebiets an - samt Evakuierung sämtlicher Bewohner.

Auch die Bundeskanzlerin musste sich fügen. Merkel packte ein paar Sachen und fuhr zu ihrem kleinen, weiß getünchten Wochenendhaus in die Uckermark. Dort erhielt sie dann am Samstagmorgen die erlösende Nachricht: Die Experten des Kampfmittelräumdienstes hatten die Bombe vor ihrer Wohnung entschärft.

Nicht jede Gefahr ist so schnell gebannt. Die Wirtschaftskrise macht Angela Merkel weit mehr Sorgen als eine russische Bombe vor ihrer Haustür. Die Wirtschaftskrise ist unbeherrschbar. Sie ist schlimmer als jede Bombe. In ihr steckt kein Zünder, den Regierungen oder Zentralbanker bloß vorsichtig herausdrehen müssen, um eine Explosion mit unabsehbaren Folgen zu verhindern.

An der Oberfläche ist es in Deutschland noch erstaunlich ruhig. Bilder wütender Arbeiter, die Manager als Geiseln nehmen oder in deren Häusern randalieren, kennen die Deutschen bisher nur aus dem Ausland. Doch seit dem Gipfeltreffen mit Vorstandschefs, Ökonomen und Verbandspräsidenten am vergangenen Mittwoch in Merkels Kanzleramt bröckelt diese Ruhe, greift auch hierzulande die Verunsicherung um sich.

Merkel spürt diese Veränderung genau, registriert jeden Stimmungswechsel wichtiger Gesprächspartner. Als Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn im Kanzleramt erstmals die Horrorzahl von minus sechs Prozent Wirtschaftsleistung für dieses Jahr nennt, sind Topmanager wie Telekom-Boss René Obermann und Verbandschefs wie Dieter Hundt geschockt. Prompt verspricht sich die Herrenrunde im kleinen Kabinettssaal in die Hand, die Krise und die Ängste der Bevölkerung nicht für Lobbyziele und Wahlkampfzwecke zu missbrauchen.

Doch schon vor den Toren des Kanzleramts endet der Ritterschwur von Merkels Tafelrunde. Als Erster spricht DGB-Chef Michael Sommer seine Sorge über "soziale Unruhen" in die Fernsehkameras. Andere folgen schnell. Gesine Schwan, immerhin Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten, greift das Stichwort begierig auf, Teile der SPD und die Linke tun es ihr nach.

Mit wachsender Sorge sieht Merkel, dass Unruhen beschworen und immer häufiger Parallelen zur Großen Depression gezogen werden. Die Mutter aller modernen Wirtschaftskrisen begann 1929. An ihrem Ende brach die Weimarer Republik zusammen, die junge deutsche Demokratie war zerstört. Auch die Globalkrise 2009 kann das Land zerstören - und Angela Merkel die schon fast sicher geglaubte Verlängerung der Kanzlerschaft kosten.

"Die erste Frau an der Spitze einer Bundesregierung wurde 2009 nach nur einer Legislaturperiode wieder abgewählt, weil sie die sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise in Deutschland nicht in den Griff bekam." - Mehr als eine solche Randnotiz in den Geschichtsbüchern würde dann nicht übrig bleiben von Angela Merkel und der Großen Koalition, ein Alptraum für "die Chefin" und für ihre ängstlich murrende und schmollende CDU.

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