Angela Merkel
Wie vom Opel-Blitz getroffen

Morgens noch im US-Kongress gefeiert, abends von GM brüskiert: Der viel beachtete Auftriff von Angela Merkel in Washington wurde zu einem der Höhepunkte ihrer politischen Karriere – das nachfolgende Opel-Fiasko zum Tiefpunkt. Mit ihr hat sich aber auch die neue Bundesregierung in eine Falle manövriert. Das Protokoll eines politischen Naturereignisses.

WASHINGTON/BERLIN. Die Tischrunde der Kanzlerin im Park-Hyatt-Hotel in Washington ist handverlesen. Bei einem leichten Lunch diskutierten IWF-Chef Dominque Strauss-Kahn, Goldman-Sachs-Boss Llyold Blankfein und Weltbank-Präsident Robert Zoellick mit Angela Merkel über Wege aus der Finanzkrise. Trotz Jet-Lag ist die Kanzlerin bester Laune. Der Austausch mit den drei Topmänner der Weltfinanz rundet ihrer USA-Reise perfekt ab, und die stehenden Ovationen von Amerikas Senatoren und Kongressabgeordneten am Morgen klingen ihr noch in den Ohren. Ihre Dankesrede zu 20 Jahren Deutsche Einheit ist in den USA wirklich gut angekommen. Der historische Auftritt ist der erste Höhepunkt ihrer jungen zweiten Amtszeit.

Der erste Tiefpunkt folgt sogleich. Um 14.30 Uhr klingelt das Telefon von Jens Weidmann. Merkels Wirtschaftsberater schaut kurz auf das Display, erkennt sofort den Anrufer und verlässt sofort die illustre Tafelrunde. Am anderen Ende der Leitung meldete sich General-Motors-Chef Fritz Henderson. Er ruft direkt aus der Sitzung des GM-Verwaltungsrats in Detroit an, eine Zeitzone westlich von Washington. Monate haben Merkel und er mit GM um Opel gepokert, nun erwartet Weidmann eine Vollzugmeldung: "Unterschrift unter Verkaufsvertrag von Opel an Magna wurde soeben geleistet."

Doch Henderson, der lange für einen Verkauf von Opel an Magna geworben hatte, druckst nicht lange herum: "Sorry, but we keep Opel".

Weidmann weißt sofort, was das bedeutet. Der Magna-Plan ist Merkels Plan. Nun ist er Makulatur. Die Kanzlerin steckt in der Opel-Falle. Und mit ihr die gesamte schwarz-gelbe Bundesregierung.

Gut 45 Minuten lang erfährt Merkel davon nichts. Weidmann muss das Ende des Mittagessens um 15.15 Uhr abwarten, ehe er der Kanzlerin die Hiobsbotschaft überbringt. Daheim in Berlin ist es jetzt 21.15 Uhr. Die Hauptnachrichtensendungen im Fernsehen sind vorbei, kein Wort von der jüngsten Wendung im Fall GM/Opel. Etwas Zeit gewonnen.

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