Angst vor Cyberangriffen BND fordert technische Nachrüstung des Militärs

Der Bundesnachrichtendienst fordert eine ständige technische Nachrüstung des Militärs. Die Streitkräfte seien durch Cyberangriffe verwundbar, technische Entwicklungen müssten berücksichtigt werden.
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Aufgrund der Verwundbarkeit der Streitkräfte durch Cyberattacken fordert der BND eine technische Nachrüstung. Quelle: dpa
BND fordert technische Nachrüstung

Aufgrund der Verwundbarkeit der Streitkräfte durch Cyberattacken fordert der BND eine technische Nachrüstung.

(Foto: dpa)

BerlinAls Reaktion auf die wachsende Verwundbarkeit der Streitkräfte durch Cyberangriffe fordert der deutsche Auslandsgeheimdienst eine ständige technische Nachrüstung. „Es bedarf einer Aufklärungs- und Analysefähigkeit, vor allem aber einer kontinuierlichen Weiterentwicklung des eigenen militärischen Potenzials“, heißt es in einer Analyse des Bundesnachrichtendiensts (BND), die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. „Neue Bedrohungslagen müssen dabei einkalkuliert und technische Entwicklungen berücksichtigt werden“, fordern die BND-Experten.

Besondere Sorge bereitet dem Geheimdienst, dass auch konventionelle Militärtechnik zunehmend digital gesteuert wird. „Sie ist damit auch ein Einfallstor für Cyberwaffen“, warnt der BND. Militärische Ziele selbst seien als Ziel solcher Angriffe zwar weniger verwundbar, weil sie besonders gesichert seien. Deswegen zielten die Cyberangriffe hauptsächlich auf zivile Infrastruktur ab, wo sie auch großen Schaden für die Wehrfähigkeit anrichten könnten.

Die BND-Analyse listet eine Reihe möglicher Szenarien auf: Cyberangriffe könnten etwa die Energieversorgung ins Visier nehmen, indem sie auf Kraftwerke zielten. Sie könnten IT-gestützte Regierungs- und Parlamentsnetze knacken, die Kommunikation stören, Daten löschen und Falschinformationen streuen. Auch Verkehrsnetze seien gefährdet.

Derartige Gefahren kommen nach Analyse des BND nicht nur von netzgestützten Cyberwaffen, sondern zusätzlich auch von hochspezialisierten Neuentwicklungen konventioneller Waffensysteme. Der BND verweist beispielhaft auf einen Versuch Chinas, 2006 einen US-Satelliten durch ein Hochenergie-Laser zu blenden. Neue Anti-Satelliten-Waffen stellten eine Bedrohung militärischer wie ziviler Ziele dar, resümieren die BND-Experten.

„Zur Zeit existieren noch keine Schutzmöglichkeiten gegen diese neuartigen Waffen“, warnen sie. „Insbesondere weltraumgestützte Dienste könnten künftig gravierende Auswirkungen auf die zivile Infrastruktur haben.“

Die Drohnen-Projekte der Bundeswehr
Drohne Luna
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Für die Soldaten der Bundeswehr ist der Umgang mit Drohnen nicht neu. „Aladin“, „Luna“ (Foto), „Mikado“ und „Heron“ heißen die Modelle, die schon seit Jahren eingesetzt werden.

Aufklärungsdrohne in Afghanistan
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Die kleinste hat einen Durchmesser von nur einem Meter und wiegt 1,3 Kilogramm. Die größte ist 8,5 Meter lang und wiegt 1,25 Tonnen. Alle sind ausschließlich zur Aufklärung, Überwachung oder Zielortung da.

Erstes Drohnenmodell „Talarion“ von Airbus
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Das Raubtier
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Im Auslandseinsatz
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Zur Aufklärung
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Zu Aufklärungszwecken möchte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen eine Drohne anschaffen, die bis zu 20 Kilometer hoch fliegen und von dort aus riesige Gebiete überwachen kann.

Der BND hält es für unerlässlich, bei der Cyberabwehr technologisch kontinuierlich nachzurüsten. „Auch heute noch gilt: Wer über die besseren militärischen Fähigkeiten verfügt, entscheidet militärische Konflikte in der Regel für sich – vorausgesetzt, die Wehrtechnik wird zielgerichtet und zeitgerecht eingesetzt.“ In einem bewaffneten Konflikt könnten Cyberwaffen die konventionellen Waffen aber nicht ersetzten, sondern allenfalls ergänzen.

Die Militärdoktrinen der USA, Russlands und Chinas hätten sich bereits auf die Cyber-Gefahren eingestellt, heißt es in der BND-Analyse. Auch die Rüstungsindustrie habe „die Möglichkeit einer neuen Einnahmequelle seit längerem entdeckt“. Allerdings seien derzeit „noch keine ganzheitlichen offensiven Produkte bekannt, die über eine Marktreife verfügen und von Staaten oder Militärs käuflich beschafft werden könnten“.

  • afp
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