Angst vor dem Impfen
Tödlicher Aberglaube

Eine Masern-Epidemie in Berlin hat aufgeschreckt: Zu viele Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr impfen. Die Krankenkasse AOK will jetzt mit Fakten gegen den Aberglauben kämpfen – und damit auch ihre Kosten senken.
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Berlin18.000 bis 20.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an der Virusgrippe, längst überwunden geglaubte Infektionskrankheiten wie Masern und Röteln kehren zurück. Im Frühjahr gab es allein in Berlin Tausende Masern-Erkrankte.

Ein Grund: Mehr Eltern lassen ihre Kinder nicht impfen, aus Angst vor angeblichen Nebenwirkungen. Jetzt will die Krankenkasse AOK gegensteuern: In sogenannten Faktenboxen im Internet stellt sie nachprüfbare Fakten gegen den angeblichen Aberglauben. Zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Masern und  Grippeimpfung, aber auch warum die jährliche Ultraschalluntersuchung auf Eierstockkrebs nicht nur rausgeschmissenes Geld ist, sondern auch oft falschen Alarm auslöst.

„Wer heute nach Gesundheitsinformationen sucht, landet unweigerlich in einem Dschungel von unsortierten und wenig verlässlichen Wissen“ sagte Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK Bundesverbands, bei der Vorstellung des Projekts an diesem Dienstag. „Unsere Faktenboxen könnten hier eine echte Kompassfunktion übernehmen.“ Reine Nächstenliebe ist es freilich nicht, die die AOK zu ihrer Aktion veranlasst. Ziel der Kasse ist es auch, überflüssige Diagnostik und vermeidbare Folgekosten zu vermeiden, also am Ende auch Beitragsgelder zu sparen.

Auch Ärzte loben die Initiative. „Ärzte stehen heute mehr denn je unter starkem Zeitdruck. Im Alltag benötigen sie schnell verfügbares, evidenzbasiertes Wissen, dem sie vertrauen können“, meint Ludwig, im Hauptjob Chefarzt an der Krebsklinik des Helios Klinikums in Berlin-Buch. Was sie stattdessen bekommen? Sie würden massenhaft mit „ausgefeilten Desinformationsstrategien konfrontiert, die in erster Linie kommerzielle Interessen verfolgen.“ Für den Arzt sei es nicht immer leicht, das auf die Schnelle zu erkennen.

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„Mehr hartnäckige Impfgegner“

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  • Übrigens - Ich gehöre zu den Fachleuten.

  • Es gibt inzwischen für praktisch alles zu viele Vollpfosten, die sich für kompetent halten, nachdem sie daheim vor dem Bildschirm die Google-Universität absolviert haben. Sie halten ihre Mikro-Bildung für das Maß aller Dinge und belehren laut, besserwisserisch und in miserabler Rechtschreibung die Fachleute in den Internet-Foren. Wer seine Kinder nicht impfen läßt, ist in meinen Augen kriminell. Viele von diesen Eltern würden ohne Impfungen gar nicht erst existieren. Aber nur zu: Alle Generationen sind ohnehin dazu verdammt, die gleichen Erfahrungen immer erst neu machen zu müssen, bevor sie es kapieren, dass die Alten auch nicht blöd waren.

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