14.09.2007

Terror und Extremismus: Angst vor dem virtuellen Raum

Wolfgang Schäuble gibt Einblicke in seine Gedankenwelt und sein Weltbild: Im Saal der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin greift er zum Rundumschlag aus und nutzt das Symposium zur politischen Bildung, um Demokratie und Gemeinwesen in Deutschland zu untersuchen – eine Mitschuld an Terror und Extremismus trage das Internet.

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von Maximilian Steinbeis

Berlin. Wolfgang Schäuble redet sehr grundsätzlich. Er fragt. Er deutet an. Er wählt unter allen möglichen Formulierungen stets die nachdenklichste, die moderateste. Kontroverses flicht er gleichsam nebenher ein, in ironischem Ton und mit väterlich-überlegenem Lächeln. Als wollte er alle jene von vornherein ins Unrecht setzen, die ihn als Scharfmacher und Hardliner schmähen.

An diesem Donnerstag ist sein Thema allerdings auch auf hohem Abstraktionsniveau angesiedelt: Nichts Geringeres als den Zustand von Demokratie und Gemeinwesen in Deutschland soll er untersuchen, im Saal der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, die an diesem Tag ein Symposium zur politischen Bildung veranstaltet. Der belesene Minister spart nicht mit Zitaten von Nietzsche bis Aristoteles, um den solchermaßen geweckten intellektuellen Erwartungen gerecht zu werden. Dabei, und das macht den Termin interessant, lässt er einen tiefen Einblick in sein Weltbild zu.

Wie kann es sein, so fragt der Innenminister, dass „Menschen aus unserer Mitte“ zu Extremisten, Terroristen und Mördern werden? Wie kann es sein, dass sich ganz normale Deutsche einem apokalyptischen Denken verschreiben, das die Welt in Gut und Böse teilt und in Andersdenkenden nur noch Feinde erkennt? Die Antwort, so Schäuble: Die leben gar nicht „in unserer Mitte“. Oder jedenfalls nicht nur. Einen Teil ihrer Existenz führen sie in einem „weltumspannenden virtuellen Raum“, einer gespenstischen Anti-Welt voller Hass und Wahn – dem Internet.

Die moderne Informations- und Kommunikationstechnologie und die Geschicklichkeit, mit der sich Terroristen jeder Couleur ihrer bedienen, macht den Sicherheitsbehörden schwer zu schaffen – so weit, so bekannt. Weshalb ja auch Schäuble nicht müde wird, die sofortige Einführung der Online-Durchsuchung zu fordern.

Die technischen Probleme der Sicherheitsbehörden sind in Schäubles Augen aber nur die eine Seite des Problems. Dazu kommt eine „tiefer gehende gesellschaftspolitische Implikation“, und die hat mit der Virtualität als solcher zu tun. Mit der Möglichkeit, ein „second life“ zu führen, herausgelöst aus der bürgerlichen Gesellschaft und ihrem Wertgefüge. Diese Möglichkeit scheint dem gläubigen Konservativen Schäuble zutiefst unheimlich zu sein. So sehr, dass er die Instrumente der wehrhaften Demokratie dagegen in Stellung bringen möchte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Stichwort „second life.“

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