Angst vor Stillstand
Börsen zittern vor Neuwahl-Entscheidung

Kurz vor der Neuwahl-Entscheidung des Bundespräsidenten steigt auch die Nervösität an den Finanzmärkten. Denn stimmt Horst Köhler wider Erwarten gegen die Parlamentsauflösung und verhindert damit die für den 18. September geplante Bundestageswahl, drohen den Börsen erhebliche Turbulenzen.

HB FRANKFURT. Besonders am Aktienmarkt ist die Fallhöhe in den vergangenen Wochen beträchtlich gestiegen: Seit Bundeskanzler Schröder nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai seine Neuwahlpläne enthüllte, hat der Deutsche Aktienindex Dax um gut 400 Punkte oder neun Prozent zugelegt. Beinahe im Tagesrhythmus eilte Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer auf immer neue Dreijahreshochs. "Mit der Neuwahl wird am Aktienmarkt die Hoffnung auf einen Regierungswechsel und eine wirtschaftsfreundliche Politik verbunden", begründet SEB-Chef-Anlagestratege Klaus Schrüfer den Höhenflug.

Kommt es nicht zum vorgezogenen Urnengang, droht der Absturz. "Enttäuschung und Ernüchterung dürften sich dann breit machen. Die Luft aus dem zuletzt so robusten Aktienmarkt wäre erst einmal raus", sagt der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther.

Anleger treibt vor allem die Sorge vor einem langen Stillstand bei den dringend benötigten Wirtschaftsreformen um. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in Bundestag und Bundesrat droht eine über einjährige Blockade: Im Parlament haben SPD und Grüne die Mehrheit, in der Länderkammer CDU/CSU und FDP. Bis zur turnusgemäßen Bundestagswahl im Herbst 2006 - so fürchten Investoren und Unternehmer - würde es in dieser Konstellation zwar viel Wahlkampfgetöse, aber keine wirksamen Reformen mehr geben.

Vor allem die Aktien der Versorger könnten in die Tiefe gerissen werden, wenn die September-Wahl ins Wasser fällt. Schließlich profitierten die Papiere von Eon und RWE am stärksten von der Aussicht auf einen Wechsel von Rot-Grün zu Schwarz-Gelb. Die Titel von Eon kletterten seit Schröders Neuwahl-Ankündigung um zehn Prozent, die von RWE sogar um 14 Prozent. Getrieben wurden die Kurse von der Absicht der CDU, die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Das spart Geld und erhöht die Profitabilität der Energieversorger.

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