Angst vor Trumps Strafzöllen Deutsche Industrie und Ökonomen plädieren für neues Handelsabkommen mit den USA

Trumps brachiales Vorgehen im Handelsstreit sorgt die Industrie und Ökonomen. Die Lösung könnte ein bilaterales Handelsabkommen von EU und USA sein.
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„Zölle angleichen“ – Kann so ein Handelskrieg verhindert werden?

„Zölle angleichen“ – Kann so ein Handelskrieg verhindert werden?

Brüssel, BerlinWie bringt man Donald Trump davon ab, einen Handelskrieg gegen Europa anzuzetteln und vermeidet gleichzeitig, selbst zu große Zugeständnisse zu machen? Die Antwort auf diese Frage treibt Politik und Wirtschaft in Europa um. Auf der Suche kommen immer mehr Beobachter zum gleichen Ergebnis: Die EU und USA müssen die Gespräche über ein Freihandelsabkommen wiederbeleben.

Die TTIP-Verhandlungen waren Ende 2016 eingefroren worden, als US-Präsident Barack Obama die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Donald Trump übergab. Schon unter Obama waren die Gespräche schwierig, mit dem Protektionisten Trump seien sie aussichtlos, so die weitverbreitete Einschätzung damals.

Das brachiale Vorgehen Trumps aber ändert das Kalkül: Lieber Trump im Rahmen eines Freihandelsabkommens entgegenkommen, so die Überlegung, als sich von diesem durch angedrohte Strafzölle auf Stahl und Aluminium zu einseitigen Zugeständnissen zwingen zu lassen. Und sich dann noch vorwerfen zu lassen, die Regeln der Welthandelsorganisation nicht gegen den Angriff des US-Präsidenten verteidigt zu haben.

„Wir plädieren für nachhaltige und verlässliche Vereinbarungen, die WTO-konform sind“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilhersteller (VDA), Bernhard Mattes, dem Handelsblatt. Im Sinne eines fairen und freien Handels gelte es, gegenseitig Handelshürden abzubauen.

Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, stößt ins gleiche Horn: „Wir brauchen weltweit weniger Zölle und Handelsbarrieren – und mehr gemeinsam getragene Spielregeln für guten und fairen Handel.“

Besonders für die deutsche Autoindustrie geht es um viel: Trump hat damit gedroht, die deutschen Autohersteller mit Einfuhrzöllen von 25 Prozent zu belegen, wenn die EU nicht ihrerseits die Zölle auf US-Autos senkt. Diese liegen bei zehn Prozent und damit deutlich über den US-Tarifen. Dafür setzen die Vereinigten Staaten weit höhere Zölle auf Lieferwagen und Pick-ups an als die EU.

In der Bundesregierung gibt es derzeit Überlegungen, Trump bei den Autozöllen entgegenzukommen. Alleine aber könnte Berlin das gar nicht entscheiden, denn die Handelspolitik ist schon lange EU-Sache. Handelskommissarin Cecilia Malmström sieht einseitige Zollsenkungen aber kritisch. Nicht zuletzt, weil die neuen Sätze wegen der Regeln der Welthandelsorganisation auch für alle anderen WTO-Mitglieder gelten würden – einschließlich Chinas.

Ein Abkommen mit den USA würde diese Probleme vermeiden. „Ich halte es für richtig, mit den USA über ein neues Handelsabkommen zu verhandeln“, sagt der Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest. „Leider gibt es auch in der EU viele Protektionisten, die nach Argumenten suchen, warum man sicher Verhandlungen nicht aufnehmen soll.“

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger empfiehlt, „dass sich beide Seiten generell auf die Abschaffung aller Mini-Zölle im bilateralen Verhältnis einigen“. Diese Zölle machten „ohnehin mehr Arbeit, als dass sie Einnahmen bringen“.

Die deutsche Politik hält sich hingegen noch stärker bedeckt. „Es ist richtig, erst einmal alle Optionen ernsthaft zu prüfen, um Strafzölle auf europäische Produkte zu vermeiden und einen Handelskrieg mit den USA auszuschließen“, sagt Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus (CDU). Das Prinzip Auge um Auge bringe auch die EU nicht weiter.

Auch sein SPD-Kollege Sören Bartol mahnt, einen Handelskrieg mit den USA unbedingt zu verhindern. „Jetzt müssen in harten Verhandlungen Regelungen gefunden werden, die für beide Seiten fair und angemessen sind“, sagte er. „Das geht aber nur, wenn der amerikanische Präsident seine Drohgebärden sein lässt.“

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7 Kommentare zu "Angst vor Trumps Strafzöllen: Deutsche Industrie und Ökonomen plädieren für neues Handelsabkommen mit den USA"

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  • Volle Zustimmung an G. Nampf. Genau das ist und war das Problem.

    Und an Herr Narrog: Die "Linken Qualitätsmedien" waren stets für ein Freihandelsabkommen mit den USA, während die "konservative außerparlamentarische Opposition" z.B. die AfD ein starker Gegner war und ist! Zu Lasten der deutschen Industrie und unserer Arbeitsplätze.

    Die Chlorhühnchen sehe ich außerdem weniger kritisch, als die Schweinefleisch-Schwämme mit der wir Europa überfluten und uns selbst die Umwelt zerstören ... aber das ist wieder ein anderes Thema.

  • Trump kann doch nächste Woche schon im Gefängnis sitzen. Wieso jetzt noch irgend etwas mit dem Hohlkopf vereinbaren? Alles deutet darauf hin, dass er Landesverrat betrieben hat.

  • @ Hans Gans
    27.03.2018, 09:05 Uhr

    " Was ich nicht in Ordnung fand war das wie. Dieses von heute auf morgen einstellen der Atomkraftwerke, man hätte der Industrie eine Vorlaufzeit von 5-10 Jahren geben sollen als Übergangszeit"

    Richtig und doch falsch. Der Fehler lag in der Umschwenk der Merkel-Regierung wieder zur Kernkraft nach 2005.

    Die Rot-Grüne Regierung unter Schröder hatte ein Ausstiegskonzept in Einklang mit der Atomindustrie verhandelt, mit dem alle leben konnten und für den Steuerzahler kostenneutral war.

    Jetzt habe wir einen Atomausstieg, der sehr teuer für die Steuerzahler und Stromkunden wird.

    Übrigens (auch @Holger Narrog): Ich habe nichts gegen den Betrieb von AKW inD, diese scheinen mir trotz aller Pannen und Störfällen sehr sicher. Aber solange die Entsorgung der Atomabfälle nicht dauerhaft (= endgültig) gewährleistet ist, sollte Strom nicht aus Kernkraft erzeugt werden.

  • Herr Holger Narrog 27.03.2018, 09:19 Uhr

    Naja, das ist doch immer ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.
    Wenn ein Kohlekraftwerk explodiert oder ein Windrad umfällt, ist der Schaden sehr begrenzt. Gibt es eine Reaktorschmelze, sieht das schon ein wenig anders aus. Im dichtbesiedelten Deutschland ist dann eine größere Fläche nicht mehr bewohnbar, Todesopfer und Spätfolgen sind dabei auch nicht absehbar.
    Eine Reaktorschmelze ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber es gab ja schon mehr Fälle als statistisch eigentlich passieren dürften. Insofern sind Statistiken nur Wahrscheinlichkeiten und nicht die Realität. ´

    Auch der Abfall wie Kohlestaub etc. wenn er mal entsorgt ist, dann ist er entsorgt. En Atommüll ist Stand heute für mehrere Jahrhunderte strengstens zu lagern und überwachen, weitere Störfälle aufgrund unsachgemäßer Lagerung nicht ausgeschlossen. Von den Kosten ganz zu schweigen. Damit wird der Atomstrom weder billig noch besonders umweltfreundlich. Nur am CO2 gemessen gewinnt die Kernkraft.
    Die Kernkraft ist so lange notwendig, bis man eine weniger gefährlichere und zuverlässige Art Strom zu erzeugen gefunden hat. Sie ist ein notwendiges Übel, dessen Risiken man eingehen muss. Aber nicht bis in alle Ewigkeit.

  • Hallo Herr Gans...aktuell fällt mir keine Technik zur Stromerzeugung ein die sicherer und umweltfreundlicher ist als ein Kernkraftwerk

    Wenn Sie ein umweltfreundliches Kernkraftwerk mit 1200 MW, ca. 350.000 to Beton, Stahl mit 12000 1 MW Windmühlen a 2000 to Beton, Stahl, GFK vergleichen ergibt sich ein 70 -facher Materialaufwand bei der Errichtung.
    Wenn Sie ein umweltfreundliches Kernkraftwerk mit einem Kohlekraftwerk, ca. 2,8 Mio. to Kohle/Jahr vergleichen ist Ersteres klar im Vorteil.

    Denken Sie an die Entsorgung der grossen Mengen giftiger, radioaktiver Aschen und Filterstäuben des Kohlekraftwerks, ca. 280.000 to/Jahr, vs. ca. 40to beim Kernkraftwerk.

  • @Herr Narrog:

    Wo soll ein Atomkraftwerk umweltfreundlich sein? Abgesehen vom geringen CO2 Ausstoss sehe keine Umweltvorteile.

    Probleme sehe ich in der Entsorgung von Atommüll und Abwässer. Wohin mit dem Zeug?
    Zu dem wenn etwas passiert, dann ist die Kacke richtig am dampfen, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eher gering ist.

    Forschungsreaktoren ja, kommerzielle Nutzung im Moment nein! Die Entscheidung an sich von Merkel war von der Situation her in Ordnung. Was ich nicht in Ordnung fand war das wie. Dieses von heute auf morgen einstellen der Atomkraftwerke, man hätte der Industrie eine Vorlaufzeit von 5-10 Jahren geben sollen als Übergangszeit.

  • Trump macht`s möglich!!!

    In der Vor - Trump Ära schien ein mögliches Handelsabkommen für die linken Qualitätsmedien des Teufels zu sein - Jetzt bitten diese um ein Handelsabkommen.

    Ich erinnere mich noch an Artikel in den Qualitätsmedien in denen Journalisten das Chlorhühnchen* zum Graus erklärten, internationale Schiedsgerichte** zum Teufelswerk schrieben.


    *Hühner enthalten häufig Salmonellen. Salmonellen kosten ca. 3000 Menschenleben jährlich in Deutschland, mehr als alle ökologischen Aufreger zusammen. Am Problematischsten/ungesündesten sind Bioprodukte freilaufender Hühner. Um Salmonellenkontaminationen zu reduzieren könnte man die Hühner in kontaminationsarmen Legebatterien halten, man kann die Hühnerprodukte mit radioaktiver Strahlung behandeln (z.B. Niederlande) oder mit Chlorwasser chemisch behandeln.
    **Regierungen, z.B. Merkel Regime treffen häufig Entscheidungen die nicht - Gesetzeskonform sind, Beispiel Stilllegung zukunftsträchtiger, umweltfreundlicher Kernkraftwerke in Deutschland, rückwirkende Streichung von Solarsubventionen in Spanien. Nationale Gerichte agieren häufig sehr politiknah. Internationale Schiedsgerichte bringen den Investoren Rechtssicherheit.

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