Anis Amri
Ein „Gefährder“ mit vielen Namen

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin hat in der Vergangenheit offenbar mehrere Alias-Namen verwendet und sein Aussehen verändert. Er wurde monatelang überwacht. Seine Familie erfuhr erst aus den Medien von ihm.
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Berlin/Tunis Breites Gesicht mit dicker Nase, mal mit Brille und kurzen Haaren, mal mit lockigem Haar und ohne Brille: Der als mutmaßlicher Attentäter von Berlin gesuchte Tunesier Anis Amri wechselte in der Vergangenheit offenbar nicht nur seine Alias-Namen, sondern auch sein Aussehen häufig. Seit Mittwoch wird Amri international gesucht. Wo er sich aufhält, ist vollkommen offen – schon in der Vergangenheit war Amri nach den Worten von Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) „offensichtlich hochmobil“ und reiste zwischen verschiedenen Bundesländern hin und her.

Amris Familie lebt in der Stadt Oueslatia im Zentrum von Tunesien – nicht weit von der heiligen islamischen Stadt Kairouan, die zeitweise als eine Hochburg des Salafismus galt. In seiner Heimat wurde er nach Angaben aus tunesischen Sicherheitskreisen mehrmals als Drogenkonsument festgenommen.

In Europa lebte Amri seit 2011 – lange vor Beginn der Flüchtlingskrise im Sommer vergangenen Jahres. Nach Angaben aus tunesischen Sicherheitskreisen ging der heute 24-Jährige als unbegleiteter Jugendlicher nach Italien. Schon kurz darauf wurde er laut einem Bericht der „Welt“ in Belpasso auf Sizilien festgenommen und wegen Brandstiftung, Körperverletzung und Diebstahls zu vier Jahren Haft verurteilt. Den italienischen Behörden sei er als „gewalttätig“ bekannt gewesen.

Seine Haftstrafe saß Amri offenbar in voller Länge ab – laut „Welt“ wurde Amri im Mai 2015 aus dem Gefängnis entlassen und in Abschiebehaft genommen. Doch schon nach wenigen Wochen kam er aus der Abschiebehaft frei und reiste nach Deutschland aus. Dort kam er nach den Worten von Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger im Juli 2015 an und hielt sich dann in Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und schließlich ab Februar dieses Jahres wieder hauptsächlich in Berlin auf.

In Deutschland gab sich Amri laut „Spiegel“ als politisch verfolgter Ägypter aus. Weil er aber kaum Angaben zu Ägypten machen konnte, wurde sein Asylantrag innerhalb weniger Wochen als „offensichtlich unbegründe“ abgelehnt.

Gleichzeitig geriet der junge Tunesier offenbar rasch ins Visier der Ermittler. Laut Jäger wurde Amri von mehreren Sicherheitsbehörden als „Gefährder“ eingestuft, weil er Kontakte zur radikalislamischen Szene unterhielt. Der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge gehörte dazu der Hildesheimer Hassprediger Abu Walaa, der im November gemeinsam mit vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern eines IS-Rekrutierungszentrums festgenommen wurde.

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Gegen Anis Amri wurde monatelang ermittelt

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  • Für solche Typen sind Namen eigentlich viel zu schade. Es reicht für die Tausenden allein in Deutschland lebenden Gefährder und radikalen Salafisten etc. ein einziger Sammelbegriff: Gehirlose Bettnässer mit einem IQ unter dem einer Banane und einem wahren Ego in der Größe einer Stubenfliege. Sie gehören damit auf den gesellschaftlichen Kompost und verdienen NULL Respekt!!!

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