Ankündigung von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt
Offensive zur Azubi-Nachvermittlung

Eine Arbeitgeber-Offensive zur Nachvermittlung hat Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt angesichts der noch unversorgten 35 000 Lehrstellenbewerber angekündigt. Auch der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, kündigte eigene Initiativen an.

HB BERLIN. „Wir werden alles tun, um jedem ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen Bewerber ein Ausbildungsangebot machen zu können“, sagte Hundt am Donnerstag in Berlin. Dazu gehöre zunächst, die gemeldeten 15 000 offenen Lehrstellen zu besetzen, für die man bisher keine geeigneten Bewerber habe finden können.

Hundt forderte die rot-grüne Koalition auf, „das Gerede über die Ausbildungsabgabe sofort einzustellen“. Dieses beeinträchtigt die Mobilisierung weiterer Lehrstellen, weil es die Illusion erzeuge, demnächst flössen aus der Abgabe Zuschüsse für Ausbildungsplätze. „Schon die Diskussion schadet unseren Bemühungen und Initiativen“, sagte Hundt.

Er wies darauf hin, dass in der Metall-, Elektro-, und Textilindustrie, in der Versicherungswirtschaft und in den Ernährungsberufen „händeringend geeignete Lehrlinge gesucht“ werden. Allerdings sei „ein hoher Prozentsatz der Bewerber nicht ausbildungsreif“. Wer nicht Rechnen, Schreiben und Lesen könne, „den kann die Wirtschaft auch nicht ausbilden“.

Auch Handwerk will aktiv werden

Man werde in nächster Zeit alle noch unversorgten Jugendlichen anschreiben, sagte der Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, nach einem Treffen der Regierung mit Wirtschaft und Gewerkschaften am Donnerstagabend in Berlin. Er gehe davon aus, dass jedem Jugendlichen, der sich auf die Aktion melde, auch ein Platz angeboten werden könne.

Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) sagte, die Bundesregierung werde nur dann eine Ausbildungsplatzabgabe in Betracht ziehen, wenn zum Ende des Jahres kein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Lehrstellenangebot und Bewerbern bestehe. DGB-Chef Michael Sommer forderte erneut, dass die Regierung jetzt eine Abgabe für nicht ausbildende Betriebe auf den Weg bringen müsse.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit waren zum Stichtag 30. September noch 35 000 Jugendliche ohne Lehrstelle, bei 14 800 offenen Stellen. Bulmahn und Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zeigten sich nach dem Treffen erleichtert, dass es gelungen sei, die Situation auf dem Ausbildungsmarkt zu entspannen. Beide Politiker äußerten sich zurückhaltend zu einer Ausbildungsabgabe. Das Ziel der Bundesregierung sei es, mit freiwilligen Maßnahmen ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Bewerbern und Ausbildungsplätzen zu schaffen, sagte Bulmahn. Sie fügte aber hinzu: „Sollte dies nicht gelingen, steht das Wort des Bundeskanzlers, dass es eine Ausbildungsplatzabgabe geben wird.“

Die Regierung werde Anfang November überprüfen, wie weit die Bemühungen der Wirtschaft bei der Vermittlung von Lehrstellen gediehen seien. Außerdem sei vereinbart worden, eine hochrangige Arbeitsgruppe einzusetzen, in der die Probleme auf dem Ausbildungsmarkt erörtert werden sollen.

Schleyer sagte: „Wir werden eine intensive Nachvermittlungsinitiative starten.“ Er sei optimistisch, dass am Ende allen Jugendlichen eine Stelle angeboten werden können. „Wir glauben, dass es möglich ist, dass Problem weitest gehend zu lösen. Schleyer warnte die Regierung erneut eindringlich davor, eine Ausbildungsplatzabgabe einzuführen.

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