Anlegerschützer Zypern-Rettung rüttelt an Europas Großkonten

Bei Zypern scheinen die Euro-Retter doch noch die Kurve gekriegt zu haben. Nach der Devise „die Großen hängt man, die kleinen lässt man laufen“, wurde ein Beschluss gefasst, der vielen gefällt - aber auch Risiken birgt.
9 Kommentare
Auch Gläubiger und Kunden der Bank of Cyprus werden viel Geld verlieren. Quelle: Reuters

Auch Gläubiger und Kunden der Bank of Cyprus werden viel Geld verlieren.

(Foto: Reuters)

BerlinFür Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist es die „bestmögliche“ Lösung, für Russland schlichter Diebstahl. Auch wenn der Zypern-Beschluss überwiegend ein positives Echo auslöst, regt sich schon teilweise heftige Kritik daran - ob berechtigt oder unberechtigt. Tatsächlich birgt das Erreichte auch einige Risiken für Anleger.

So hält die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nach der Einigung der Euro-Finanzminister auf einen Rettungsplan für Zypern Konten mit mehr als 100.000 Euro Guthaben für keine sichere Anlageform mehr. „Für die Investoren bedeutet dies: Man sollte maximal 100.000 Euro bei einer Bank, außer Sondervermögen wie Aktiendepots, anlegen“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. „Man sollte ferner beachten, dass Bankanleihen und Bankaktien risikoreicher geworden sind, da Institute nicht mehr in jedem Fall vom Staat gerettet werden.“

Das überschuldete Euro-Land Zypern war in einer dramatischen Nachtsitzung der Euro-Finanzminister vor einer Staatspleite bewahrt worden. Zur Rettung Zyperns werden Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, viel Geld verlieren - die genaue Summe ist noch unklar. Sparer mit Einlagen von bis zu 100.000 Euro werden aber nicht zur Sanierung des Landes und seiner Kreditinstitute beitragen. Ein Großteil der betuchten Bankkunden der Insel sind Russen. Verhandlungen mit Russland über eine Rettung Zyperns waren zuvor ohne Ergebnis geblieben.

Anlegerschützer Bauer lobt den Zypern-Beschluss. „Im Vergleich zu den bisherigen Rettungsmaßnahmen in anderen Euro-Ländern ist die Zypern-Lösung mit Abstand die rechtlich unbedenklichste, nachvollziehbarste und somit auch fairste“, sagte er. Die Schließung eines überschuldeten Bankinstituts mit der Folge, dass die Eigentümer und Gläubiger ihren Einsatz verlieren, sei richtig. „Auch die Beteiligung der Kundeneinlagen über 100.000 Euro ist richtig, sofern diese von der notleidenden Bank nicht mehr zurückbezahlt werden können.“ Damit würden die „Marktmechanismen aufrechterhalten und der geltende ordnungspolitische Rahmen nicht verletzt“.

Andererseits wäre was aus Sicht Bauers „fatal“ gewesen, wenn man, wie zunächst geplant, pauschal die Kunden auch von „finanziell sorgfältig wirtschaftenden Banken“ zur Kasse gebeten hätte, die Eigentümer und Gläubiger aber ungeschoren davongekommen wären. „Es muss gelten: Erst haften die Eigentümer, dann die Gläubiger und zuletzt die Kunden“, betonte der Anleger-Experte. Der Staat bzw. die Einlagensicherung müssten zudem nur die versprochenen 100.000 Euro Kundeneinlagen garantieren, sonst nichts. „Es kann nicht sein, dass, wie in Griechenland, die Staatsanleihen-Inhaber eines Landes zur Kasse gebeten werden, um die dortigen Banken und zu retten“, sagte Bauer.

Deutsche Banken und Merkel sind zufrieden
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Anlegerschützer - Zypern-Rettung rüttelt an Europas Großkonten

9 Kommentare zu "Anlegerschützer: Zypern-Rettung rüttelt an Europas Großkonten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Gestern abend gab es nee talkshow im Fernsehen. Mit dabei ein deutscher WiProf der in Zypern lehrt. Er selbst hat dick Geld verloren. Aber interessanter waren seine Infos bezüglich der Unternehmen, Pensionären und Häuslebauer.
    Wer in Zypern ein Haus baut bekommt Kredit bei einer Bank. Dieser Kredit ist eingfrohren und nur für Bauzwecke nutzbar - und jetzt auch für die Sanierung der Bankenwelt und Zypern. Das heist: ein Kredit über 100000€ wird um locker 30% reduziert. Wurde er auf ein Konto der falschen Bank gebucht ist er zu ?% oder komplett verloren. Klasse ne? So macht man den Bauherrn platt und die Bauindustrie. Ähnlich soll es auch mit den Firmengeldern für Investitionen und für die Löhne sein. Wenn das so stimmt dann wird der gesamte wirtschafliche Unternehmensbestand plattgemacht. Dann dürfen wir lt EU den Zypern ihre plattgemachte Industrie wieder aufbauen - mit unserem Steuergeld. Idioten kann man unserer EU Politiker wirklich nicht nennen - wir wollen sie doch nicht loben. Aber ein richtiger Kraftausdruck für diese Megadeppen fällt mir leider nicht ein. Wenn euch einer geläufig ist.... ich wüsste ihn gerne. Für die kommenden Wahlplakate...

  • "Dies entspricht europäischen Richtlinien und ist ein wichtiges Signal an die Kleinsparer", sagte Fröhlich.

    Herr Fröhlich möge bitte die europäische Richtlinie nennen, auf die er sich bezieht. Meines Wissens gibt es keine europäische Richtlinie, die hier etwas regelte.

    Die ganze Aktion war ein Blindflug bei Nebel und ohne Kompass. Das war und ist wohl das schlimmste Management, was man sich ausmalen konnte/kann.

  • @ aber_hallo

    Zitat : Tja, dann soll die EU auch gleich eine neue Geschäftsidee mitliefern in dem nun hoch verschuldeten Land.

    - Die Geschäftsideen und Optimierungen der EU sind doch bekannt!
    In Zypern könnten die EU-Berater bei der Optimierung der Verwaltungsstrukturen der Zypriotischen Kirche ansetzen....? Als Eunuchen, die Sexbücher schreiben, haben diese Consulter viel Erfahrung ! :-)

  • Großkonten:


    +++ 14.10 Uhr Zyprische Kirche verliert 100 Mio. Euro +++

    Die orthodoxe Kirche Zyperns dürfte nach Schätzungen ihres Erzbischofs Chrysostomos 100 Mio. Euro durch die bevorstehende Zwangsabgabe auf Geldeinlagen in Zypern verlieren. "Die Kirche wird es aber überleben", sagt der Erzbischof in Nikosia. Die Kirche habe in schwierigen Zeiten "sogar die Abendmahlkelche verkauft", um Krisen zu überwinden.
    Der Erzbischof äußerte sich enttäuscht von der Haltung der EU. "Wir hatten an ein anderes Europa geglaubt", meinte er. Die "großen Starken" hätten sich aber durchgesetzt.


    +++ 13.30 Uhr Präsident will sich ans Volk wenden +++

    Nach der Rettung Zyperns vor der Staatspleite will sich der zyprische Staatspräsident Nikos Anastasiades am Abend (18:00 MEZ - 19:00 Ortszeit) in einer Ansprache an das zyprische Volk wenden. Das berichten die Staatsmedien. Der Präsident wird am Nachmittag aus Brüssel zurückerwartet.

  • "„Wir können nun damit anfangen, den Menschen in Zypern beim Wiederaufbau ihrer Wirtschaft zu helfen“, "


    Frage: Welche Wirtschaft?

    Wurde den Staaten in der Vergangenheit, speziell via USA nicht immer wieder anempfohlen, ihren Dienstleistungssektor auszubauen?

    Genau das war das Geschäftsmodell dort, das ausuferte. Und nun?

    Wenn die Russen ihr Geld dort abziehen, sogar selbst weiterwandern, dann bricht das Neben-(Banken)-Dienstleistungsgewerbe gleich auch noch mit zusammen.

    Tja, dann soll die EU auch gleich eine neue Geschäftsidee mitliefern in dem nun hoch verschuldeten Land.

  • Zitat : EU-Währungskommissar Olli Rehn sicherte den Zyprioten weitere Hilfe zu: „Wir können nun damit anfangen, den Menschen in Zypern beim Wiederaufbau ihrer Wirtschaft zu helfen“, sagte er.


    Diese Hilfen sind uns zu Genüge bekannt : eine Menge Steuergelder sind in den Südländern verbraten worden mit der Begleiterscheinung von größerer Arbeitslosigkeit, weniger stagnierender Wirtschaft und
    größerer Staatsverschuldung !


    Und welche Hilfe sicherte dieser Kommissario zu....unsere weiteren Steuergelder.....oder was hat diese EU-Labbersack in petto...?


    Armseliger Schwätzer !

  • Hoffentlich hat damit die implizite Staatsgarantie für alle größeren Banken einen Knacks erhalten.

  • Fazit: Operation gelungen, Patient tot! Das schlimme ist, da sind noch mehr Patienten der Todesliste geweiht.

  • Zitat : Bei Zypern scheinen die Euro-Retter doch noch die Kurve gekriegt zu haben. Nach der Devise „die Großen hängt man, die kleinen lässt man laufen“


    Das ist eine absolute Fehlinterpretation !!!!


    es müsste vielmehr heißen :


    " Den Großen erschreckt man kurzfristig, die kleinen treibt man in einen langsamen Tod !!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%