Anlegerschützer
Zypern-Rettung rüttelt an Europas Großkonten

Bei Zypern scheinen die Euro-Retter doch noch die Kurve gekriegt zu haben. Nach der Devise „die Großen hängt man, die kleinen lässt man laufen“, wurde ein Beschluss gefasst, der vielen gefällt - aber auch Risiken birgt.
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BerlinFür Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist es die „bestmögliche“ Lösung, für Russland schlichter Diebstahl. Auch wenn der Zypern-Beschluss überwiegend ein positives Echo auslöst, regt sich schon teilweise heftige Kritik daran - ob berechtigt oder unberechtigt. Tatsächlich birgt das Erreichte auch einige Risiken für Anleger.

So hält die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nach der Einigung der Euro-Finanzminister auf einen Rettungsplan für Zypern Konten mit mehr als 100.000 Euro Guthaben für keine sichere Anlageform mehr. „Für die Investoren bedeutet dies: Man sollte maximal 100.000 Euro bei einer Bank, außer Sondervermögen wie Aktiendepots, anlegen“, sagte SdK-Vorstandsmitglied Daniel Bauer Handelsblatt Online. „Man sollte ferner beachten, dass Bankanleihen und Bankaktien risikoreicher geworden sind, da Institute nicht mehr in jedem Fall vom Staat gerettet werden.“

Das überschuldete Euro-Land Zypern war in einer dramatischen Nachtsitzung der Euro-Finanzminister vor einer Staatspleite bewahrt worden. Zur Rettung Zyperns werden Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, viel Geld verlieren - die genaue Summe ist noch unklar. Sparer mit Einlagen von bis zu 100.000 Euro werden aber nicht zur Sanierung des Landes und seiner Kreditinstitute beitragen. Ein Großteil der betuchten Bankkunden der Insel sind Russen. Verhandlungen mit Russland über eine Rettung Zyperns waren zuvor ohne Ergebnis geblieben.

Anlegerschützer Bauer lobt den Zypern-Beschluss. „Im Vergleich zu den bisherigen Rettungsmaßnahmen in anderen Euro-Ländern ist die Zypern-Lösung mit Abstand die rechtlich unbedenklichste, nachvollziehbarste und somit auch fairste“, sagte er. Die Schließung eines überschuldeten Bankinstituts mit der Folge, dass die Eigentümer und Gläubiger ihren Einsatz verlieren, sei richtig. „Auch die Beteiligung der Kundeneinlagen über 100.000 Euro ist richtig, sofern diese von der notleidenden Bank nicht mehr zurückbezahlt werden können.“ Damit würden die „Marktmechanismen aufrechterhalten und der geltende ordnungspolitische Rahmen nicht verletzt“.

Andererseits wäre was aus Sicht Bauers „fatal“ gewesen, wenn man, wie zunächst geplant, pauschal die Kunden auch von „finanziell sorgfältig wirtschaftenden Banken“ zur Kasse gebeten hätte, die Eigentümer und Gläubiger aber ungeschoren davongekommen wären. „Es muss gelten: Erst haften die Eigentümer, dann die Gläubiger und zuletzt die Kunden“, betonte der Anleger-Experte. Der Staat bzw. die Einlagensicherung müssten zudem nur die versprochenen 100.000 Euro Kundeneinlagen garantieren, sonst nichts. „Es kann nicht sein, dass, wie in Griechenland, die Staatsanleihen-Inhaber eines Landes zur Kasse gebeten werden, um die dortigen Banken und zu retten“, sagte Bauer.

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Deutsche Banken und Merkel sind zufrieden

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  • Gestern abend gab es nee talkshow im Fernsehen. Mit dabei ein deutscher WiProf der in Zypern lehrt. Er selbst hat dick Geld verloren. Aber interessanter waren seine Infos bezüglich der Unternehmen, Pensionären und Häuslebauer.
    Wer in Zypern ein Haus baut bekommt Kredit bei einer Bank. Dieser Kredit ist eingfrohren und nur für Bauzwecke nutzbar - und jetzt auch für die Sanierung der Bankenwelt und Zypern. Das heist: ein Kredit über 100000€ wird um locker 30% reduziert. Wurde er auf ein Konto der falschen Bank gebucht ist er zu ?% oder komplett verloren. Klasse ne? So macht man den Bauherrn platt und die Bauindustrie. Ähnlich soll es auch mit den Firmengeldern für Investitionen und für die Löhne sein. Wenn das so stimmt dann wird der gesamte wirtschafliche Unternehmensbestand plattgemacht. Dann dürfen wir lt EU den Zypern ihre plattgemachte Industrie wieder aufbauen - mit unserem Steuergeld. Idioten kann man unserer EU Politiker wirklich nicht nennen - wir wollen sie doch nicht loben. Aber ein richtiger Kraftausdruck für diese Megadeppen fällt mir leider nicht ein. Wenn euch einer geläufig ist.... ich wüsste ihn gerne. Für die kommenden Wahlplakate...

  • "Dies entspricht europäischen Richtlinien und ist ein wichtiges Signal an die Kleinsparer", sagte Fröhlich.

    Herr Fröhlich möge bitte die europäische Richtlinie nennen, auf die er sich bezieht. Meines Wissens gibt es keine europäische Richtlinie, die hier etwas regelte.

    Die ganze Aktion war ein Blindflug bei Nebel und ohne Kompass. Das war und ist wohl das schlimmste Management, was man sich ausmalen konnte/kann.

  • @ aber_hallo

    Zitat : Tja, dann soll die EU auch gleich eine neue Geschäftsidee mitliefern in dem nun hoch verschuldeten Land.

    - Die Geschäftsideen und Optimierungen der EU sind doch bekannt!
    In Zypern könnten die EU-Berater bei der Optimierung der Verwaltungsstrukturen der Zypriotischen Kirche ansetzen....? Als Eunuchen, die Sexbücher schreiben, haben diese Consulter viel Erfahrung ! :-)

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