Anlegerschutz
Aigner: Bafin soll Verbraucherschutzbehörde werden

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner gehen die Änderungen im Anlegerschutz, wie sie am Freitag im Bundestag beraten werden, nicht weit genug. Sie will Finanzvermittler qualifizieren, Informationsblätter für jedes Anlageprodukt vorschreiben und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) zur Verbraucherschutzbehörde ausbauen.

BERLIN. „Wir arbeiten an Qualifikationskriterien, die jemand künftig erfüllen muss, bevor er als Finanzberater mit dem Geld anderer Leute arbeitet“, sagte Aigner im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Es muss im Interesse all der Ausgebildeten sein, sich von den schwarzen Schafen abzugrenzen.“ Aigner kündigte an, die Transparenz bei Finanzprodukten zu erhöhen. „Wir wollen wie in der Versicherungswirtschaft eine Art Informationsblatt durchsetzen, auf dem die wesentlichen Merkmale eines Anlageprodukts zusammengefasst sind, von den Renditeerwartungen bis hin zum Risiko“, sagte sie.

Dazu gehöre, Kosten nachvollziehbar aufzuschlüsseln. „Wichtig ist doch, dass jeder Verbraucher direkt erkennen kann, ob das Produkt seinen Zielen entspricht.“ Die Angaben soll die Bafin prüfen. „Das wäre dann eine wichtige Hilfestellung für die Anleger“, sagte Aigner. „Überhaupt sollte sich die Bafin stärker für den Verbraucherschutz einsetzen.“

Pläne aus Großbritannien, die provisionsabhängige Beratung abzuschaffen, lehnt Aigner für Deutschland ab. „Es kann nicht darum gehen, Vertriebswege zu verbieten“, sagte sie. „Wichtig ist, dass der Verbraucher erkennen kann, ob und welche Provisionen im Preis inbegriffen sind.“ Dies gehöre ebenfalls auf ein Informationsblatt. „Dann kann der Verbraucher entscheiden, ob er die Provision zahlen will oder vielleicht eine Honorarberatung ohne Provision wählt.“

Das Ministerium schätzt den jährlichen Schaden durch Falschberatungen auf 20 Mrd. Euro. Aigner verwahrte sich gegen Kritik, die Koalition habe auf die Finanzkrise nicht schnell genug mit einem verbesserten Verbraucherschutz reagiert. „So etwas braucht seine Zeit zur gründlichen Vorbereitung“, sagte sie. Ein Schnellschuss könne mehr Schaden als Nutzen bringen. Ihr Ministerium habe zunächst eine Checkliste erarbeitet, mit der sich Anleger auf ihr Gespräch mit einem Berater vorbereiten können. Außerdem versorge der Bund die Stiftung Warentest mit zusätzlichem Stiftungskapital – laut Aigner mit 20 Mio. Euro in 2010.

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