Anrufe bei Journalisten: Neue Vorwürfe gegen Wulff

Anrufe bei Journalisten
Neue Vorwürfe gegen Wulff

Christian Wulff hat offenbar nicht nur bei der "Bild"-Zeitung gegen kritische Berichterstattung interveniert. Auch der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe" wirft ihm vor, Reporter seiner Zeitung unter Druck gesetzt zu haben.
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BerlinBundespräsident Christian Wulff gerät weiter in die Schusslinie. Seine Intervention bei der Bild“ -Zeitung war offenbar kein Einzelfall. Wulff soll auch bei der Springer-Zeitung "Welt am Sonntag" (WamS) versucht haben, gegen einen kritischen Artikel zu intervenieren. Ein paar Tage vor der Veröffentlichung des Artikels habe die Redaktion der Zeitung schriftlich Fragen an den Bundespräsidenten gestellt - alle seien unbeantwortet geblieben, beschrieb der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe" , Jan-Eric Peters, gegenüber Spiegel Online den Vorgang.

Stattdessen seien in der Redaktion mehrere Anrufe aus dem Bundespräsidialamt eingegangen mit dem Ziel, die Geschichte zu verhindern, sagte Peters. Als klar war, dass wir den Artikel trotzdem veröffentlichen wollten, wurde einer der Reporter am Samstag wenige Stunden vor Redaktionsschluss ins Schloss Bellevue gebeten.“ Dort habe Wulff dem Reporter in einem langen Vier-Augen-Gespräch damit gedroht, dass er im Falle einer Veröffentlichung sofort eine Pressekonferenz einberufen und dort erklären würde, dass die Welt am Sonntag“ eine Grenze überschritten habe. Außerdem habe Wulff angekündigt, jede Zusammenarbeit mit der "Welt" zu beenden, falls das Stück publiziert würde, sagte Peters.

„Nach dem Gespräch versuchte Wulff an höchsten Verlagsstellen, unter anderem beim Vorstandsvorsitzenden zu intervenieren. Ich habe trotzdem entschieden, die Geschichte zu veröffentlichen“, sagt der Chefredakteur.

Auch das Magazin Stern“ erhebt neue Vorwürfe gegen Wulff. Demnach soll Wulff in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident dem Eventmanager Manfred Schmidt zumindest indirekt bei der Sponsorensuche für private Prominentenpartys geholfen haben. Wie der "Stern" in seiner neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, sprach Wulff seinerzeit den Vorstandschef des Hannoveraner Versicherungskonzerns Talanx, Herbert Haas, auf den von Schmidt privatwirtschaftlich organisierten sogenannten Nord-Süd-Dialog an.

Wulff, der Schirmherr der Veranstaltungsreihe war, habe Haas, „auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht“, teilte Talanx auf eine stern-Anfrage mit. Wulffs damaliger Sprecher Olaf Glaeseker habe darauf „weitere
Informationen“ übermittelt. Der Konzern entschied sich anschließend für ein Sponsoring und steuerte für das Event im Dezember 2009 insgesamt 10.000 Euro bei.

Auch der Touristikkonzern TUI wurde von der Staatskanzlei auf die Eventreihe hingewiesen und zahlte 2007 und 2008 je 25.000 Euro für den Nord-Süd-Dialog. Glaeseker habe zuvor „auf die Veranstaltung und die Möglichkeit eines Sponsorings aufmerksam gemacht“, bestätigte TUI dem Stern“.

Glaeseker war Ende Dezember als Sprecher von Wulff zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft inzwischen, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen Wulffs Ex-Sprecher einleiten muss. Hintergrund sind Vorwürfe über kostenlose Ferienaufenthalte von Glaeseker auf den Anwesen von Schmidt.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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    Und was auch schon immer zu diesem Verlag los werden wollte.

    Einfach widerlich, wie es sich jahrzehntelang schon um die Interessen der Juden anbiedert. In der Hoffnung nicht in Mithaftung genommen zu werden.


    Und, glaubt ihr daß eure Rechnung am aufgehen ist?
    Wie tief kann man in diesen Arsch noch kriechen?
    Was macht man nicht alles für die lieben Millionen.
    .

  • Hoffentlich fällt bald eine andere Kuh ins Wasser wie unser Wunschpräsident. Ich kann bald keine Nachricht über diesen CDU - Narren mehr sehen.

  • 500.000 vom Geerkens und 50.000 vom Maschmeyer? Das ist Ostern und Weihnachten für 10 Jahre mindestens. Ist es eigentlich gesichert, dass der den Kredit an Geerkens überhaupt zurück bezahlte, oder erst mit diesem Pseudokredit? Zumal er diesen Kreditvertrag erst Weihnachten unterschrieb, bzw. am 21.12 und nach weihnachten bei der Bank eintraf….da habe ich noch so viele Fragen…

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