Anschaffungen der Bundeswehr: „De Maizière hat sich über den Tisch ziehen lassen“

Anschaffungen der Bundeswehr
„De Maizière hat sich über den Tisch ziehen lassen“

Weniger Tiger, weniger NH 90 – mit einer Stückzahlreduzierung will die Bundeswehr Geld sparen. Die Opposition hat nachgerechnet: Dies entlaste den angespannten Etat nur „in homöopathischer Größe“ – wenn überhaupt.
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DüsseldorfDie jüngst zwischen Verteidigungsminister Thomas de Maizière und der Rüstungsindustrie ausgehandelte Stückzahlreduzierung bei den Hubschraubern Tiger und NH 90 ist für die Bundeswehr nach Ansicht von SPD und Grünen ein schlechtes Geschäft. „Der Minister hat sich von der Industrie über den Tisch ziehen lassen“, sagte SPD-Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels dem Handelsblatt. Die deutlich geringere Stückzahl entlaste den angespannten Beschaffungsetat der Bundeswehr nur „in homöopathischer Größe“. Der Grünen-Verteidigungsexperte Omid Nouripour geht sogar davon aus, dass die Bundeswehr „durch die Reduzierung wahrscheinlich gar nichts spart“.

De Maizière hatte sich Mitte März mit den Herstellern unter Führung der EADS-Tochter Eurocopter darauf geeinigt, dass die Bundeswehr statt der einst bestellten 202 Kampf- und Transporthubschrauber vom Typ Tiger und NH 90 nur 157 abnimmt, also fast ein Viertel weniger. Öffentlich spricht das Ministerium zwar davon, durch die reduzierte Stückzahl würden „erhebliche Haushaltsmittel freigesetzt“, konkrete Zahlen will es nicht nennen.

Vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestages bezifferte der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey, die Einsparungen bei der Beschaffung diese Woche nach Handelsblatt-Informationen aber auf einen „unteren dreistelligen Millionenbetrag“ – bei einem ursprünglichen Auftragsvolumen von 10,5 Milliarden Euro.

Der Koalitionspartner FDP springt de Maizière zur Seite: „Mit der gefundenen Einigung können beide Seiten gut leben“, sagte die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Elke Hoff. Die Industrie habe gültige Verträge und hätte sich gar nicht bewegen müssen, sagte sie. Der gefundene Kompromiss senke die Betriebskosten erheblich, dadurch werde „der Haushalt nachhaltig entlastet“.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Anschaffungen der Bundeswehr: „De Maizière hat sich über den Tisch ziehen lassen“"

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  • Als nächstes wird dann der noch fehlende Hubschrauberträger bei den Marinewerften in Norddeutschland bestellt (wenn es die noch gibt), um wenigstens dem "go global" das am Hindukush begann auch entsprechen zu können. Dann tät das wenigstens Sinn machen! Weil ohne A400M sind die Hubschrauber eine völlige Lachplatte. Das muss man einfach mal sagen!

    De Maizière hat sicher nur eine staatliche Geldspritze an EADS weiter verteilt, weil sonst wäre der Betrag um das zwanzigfache gesunken, also etwa ein bis zwei Milliarden, statt läppischen 100-200 Millionen Trinkgeld Peanuts. Ich frage mich da, wie das schwarze Finanzausgleichgeschäft im Hintergrund (geschmiert) da stattgefunden hat.

    De Maizière bald als neuer Chef bei EADS statt oder zusammen mit Grube? Schröder hat es ja vorgemacht wie es funktioniert, d.h. wie man sich mit staatlichen Milliarden seinen nächsten Job kauft!





  • Politkritiker
    Danke, Sie haben mir das vorweg genommen.
    Das wollte ich auch schreiben.
    So sieht es bei uns mittlerweile im Bundestag aus. Besonders bei den Grünen findet man etliche Studienabbreher
    Und solche Leute wollen uns dann sagen, was richtig und nicht richtig ist.
    Wäre es nicht so ernst, könnte man über diese Politiker pausenlos lachen

  • 10,5 Mrd. € für ursprünglich 202 Kampfhubschrauber (plus X für Wartung, Unterhaltung, Nachbesserungen ...), bei begrenzter innereuropäischer Kompatibilität wegen unterschiedlicher Ausrüstung je nach EU-Land - das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. 50 Mio. € pro Stück, wenn ich das richtig lese! Für ein High-Tech-Spielzeug von begrenztem Wert (Hubschrauber sind bekanntlich bei "harten" Militäreinsätzen immer noch sehr verwundbar)?
    Und gegen wen will man mit 202, jetzt 157 Maschinen eigentlich zu Felde ziehen, anno 2013 ff.?

    Ich bin kein Pazifist - doch ich denke, wir müssen gravierend umdenken und uns vom Denken vergangener Tage radikal lösen. Dazu steht nämlich allen das Wasser wirtschaftlich viel zu sehr bis zum Hals ...

    So wäre die Zuzsammenfassung der nationalen Armeen zu einer EU-Armee, verbunden mit einer drastischen Abrüstung und Beschränkung auf eine kluge Abschreckungs- und Vergeltungsstrategie ein außerordentlich gewichtiger Baustein auf dem Weg der Gesundung der EU.

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