Anschläge auf Asylbewerberheime
Die Suche nach dem Sündenbock

Volksverhetzung, Brandstiftung, Körperverletzung. „Es reicht!“, twitterte Justizminister Maas am Wochenende, denn schon wieder brannten Flüchtlingsheime. Die Situation verschärft sich – und offenbart massive Probleme.
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DüsseldorfEs war ein Comic, durch den Nico Brachtel erkannte: Ich muss etwas tun. Die schwarz-weiße Zeichnung zeigt Vater und Sohn. In Sprechblasen steht über ihren Köpfen: „Sag' mal Papa, warum gibt es in Star Wars eigentlich keine Muslime?“, fragt der Sohn. „Weil es in der Zukunft spielt“, antwortet der Vater. Gepostet war der Comic bei Facebook – von einem Bekannten von Nico.

In dieser Zeit, im Oktober vergangenen Jahres, beherrschte Pegida die Medien, und in ganz Deutschland meldeten die Behörden Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Auch in Freital, wo Nico wohnt, war der Widerstand gegen die Unterkünfte groß. Viele fuhren nach Dresden, um mit Pegida gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren.

Auch Nico fährt seitdem regelmäßig nach Dresden – allerdings zu den Gegendemonstrationen. Immer wieder sieht er bekannte Gesichter aus Freital in der Masse der „besorgten Bürger“. Seit Monaten kämpft er gegen Pegida, gegen Ressentiments, gegen ein Klima, das sich in Deutschland weiter auszubreiten scheint.

Im ersten Halbjahr verzeichneten die Behörden gut 179.000 Asylanträge und damit 132,2 Prozent mehr als in den ersten sechs Monaten 2014. Für das gesamte Jahr werden bis zu 450.000 Asylanträge erwartet. Dies sind mehr als doppelt so viele wie 2014. Und auch wenn im vergangenen Jahr nur knapp ein Drittel aller Anträge auch tatsächlich angenommen wurde, sieht sich Deutschland in Fragen der Flüchtlingsproblematik überfordert.

Auf EU-Ebene streiten sich die Mitgliedstaaten über eine geplante Quote, die darüber entscheiden soll, wieviel Flüchtlinge jedes Land aufnehmen muss, eine Einigung war auch am Montag nicht in Sicht. Und die deutschen Politiker geraten in der Frage des Umgangs mit Flüchtlingen immer mehr unter Druck aus den Kommunen.

Denn die Kapazitäten für die Unterbringung vor Ort scheinen nahezu erschöpft.Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht sich als besorgte Mutter der Nation und scheitert in ihrem Versuch die passenden Worte für eine junge Palästinenserin zu finden, die kurz vor der Abschiebung steht. Horst Seehofer will zwei spezielle Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber mit geringer Aussicht auf ein Bleiberecht schaffen, möglichst in Grenznähe, damit Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern, wenn nötig, innerhalb von zwei Wochen wieder abgeschoben werden können.

Es ist längst nicht mehr nur Dresden: Freital, Tröglitz, Remchingen, Reichertshofen heißen die kleinen Gemeinden und Städte, in denen sich das Sammelsurium aus Problemen zeigt. Hunderte Menschen demonstrieren auch in Freital am Freitag wieder vor einem Asylbewerberheim gegen die dort lebenden Flüchtlinge.

Das sind aktuell knapp 400. Der 16-Jährige Nico Brachtel ist Mitglied in der „Organisation für Weltoffenheit und Toleranz Freital und Umgebung“. In einem ehemaligen Hotel sind die Flüchtlinge untergebracht. Genau vor diesem Hotel demonstrieren Asylgegner lautstark, aggressiv und mit ausländerfeindlichen Parolen.

Die Straftaten gegen Asylbewerberheime häufen sich. Sie reichen von Volksverhetzung und Beleidigung über Brandstiftung hin zu gefährlicher Körperverletzung. Bislang verzeichnet das Bundesinnenministerium allein für dieses Jahr bereits 151 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte. Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 175. Auch die Zahlen politisch motivierter Gewalttaten von rechts verzeichnen innerhalb eines Jahres einen solch extremen Anstieg, wie in den letzten drei Jahren nicht. Von knapp 800 rechten Gewalttaten 2014, auf über 1000 im laufenden Kalenderjahr. Zusätzlich zu den Anschlägen auf Asylbewerberheime.

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  • Falsch ! Täter ist einzig der, der verbal oder - noch schlimmer - aktiv Feuer legt und Steine schmeißt.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • "Und jene, die daran arbeiten es aufzuweichen, wollen genau das erreichen: Lohndumping. "

    Uns fehlen mittelfristig Arbeitskräfte. Wollen Sie den japanischen Fehler wiederholen?;)

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