Anschläge auf Asylsuchende
Gewalt gegen Flüchtlinge alarmiert Bundesregierung

Asylsuchende werden zunehmend Ziel von Gewalttaten: In mehreren Städten gingen am Wochenende Schläger auf Flüchtlinge los. Die Kommunen sind besorgt und fordern Gegenmaßnahmen. Und auch die Bundesregierung schlägt Alarm.
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BerlinDass Asylsuchende zunehmend Ziel von Gewalttaten werden, haben die Sicherheitsbehörden schon länger registriert. Am Wochenende allerdings erreichte die Gewalt einen neuen Höhepunkt. In mehreren Bundesländern gingen Schläger auf Flüchtlinge los, und es wurden wieder Asylbewerberheime in Brand gesteckt. Die Bundesregierung sieht die Entwicklung mit großer Besorgnis.

Bis Ende vergangenen Monats habe es 600 Straftaten gegen Asyl-Unterkünfte gegeben, teilte das Bundesinnenministerium mit. Rechtsmotivierte Täter seien für 543 dieser Taten verantwortlich. Dabei gehe es teilweise um Tötungsdelikte, Körperverletzungen, Brand- und Sprengstoffanschläge. Auch hier gebe es einen erheblichen Anstieg. „Insofern sehen wir dieses Thema mit erheblicher Sorge“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Der Städte- und Gemeindebund fordert Konsequenzen aus den jüngsten Anschlägen auf Asylsuchende am Wochenende. „Es ist Aufgabe der Polizei, gemeinsam mit den Kommunen die Sicherheitskonzepte zu verbessern, um Flüchtlingsunterkünfte wirkungsvoller schützen zu können“, sagte Städtebund-Geschäftsführer Gerd Landsberg dem Handelsblatt. „Das setzt allerdings voraus, dass die Länder die Polizeikräfte verstärken und die Kommunen finanziell so ausstatten, dass auch sie zusätzliches Personal für diese wichtige Aufgabe einstellen können.“

Landsberg verlangt zudem von der Politik eine deutliche Reaktion darauf, dass angesichts der Flüchtlingskrise auch zunehmend politische Entscheidungsträger auf kommunaler Ebene ins Visier von Extremisten geraten. „Wir fordern eine Verschärfung der einschlägigen Strafrechtsvorschriften und die Einführung eines Straftatbestandes „Stalking von Mandats- und Entscheidungsträgern“, da zunehmend auch Kommunalpolitiker bedroht und eingeschüchtert werden“, sagte Landsberg. „Darauf muss insbesondere auch die Bundespolitik nicht nur mit Empörung und Betroffenheit, sondern mit konkreten Maßnahmen reagieren, das heißt: aufklären, verfolgen und bestrafen.“

Bei brutalen Anschlägen auf Asylsuchende waren am Wochenende mehrere Syrer verletzt worden. In Magdeburg und Wismar griffen jeweils größere Gruppen von Unbekannten Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland an - zum Teil mit Baseballschlägern.

In Jena wurde ein 27-jähriger Syrer am Sonntagmorgen von drei Männern an einer Straßenbahnhaltestelle zusammengeschlagen, wie die Polizei mitteilte. Anschließend seien sie unerkannt geflüchtet. Das Opfer erlitt den Angaben nach leichte Verletzungen, die in der Notaufnahme behandelt wurden.

Bei einem Anschlag auf eine Asylbewerberwohnung in Freital bei Dresden wurde ein Mann leicht verletzt. Der 26 Jahre alte Syrer habe Schnittwunden an der Stirn erlitten, als in der Nacht zum Sonntag vor seinem Schlafzimmerfenster eine Sprengladung explodiert sei, teilte die Polizei mit. Ein rechtsextremistischer Hintergrund sei „sehr wahrscheinlich“. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte den „feigen und kaltblütigen Angriff“ auf Schutzsuchende aufs Schärfste.

Kommentare zu " Anschläge auf Asylsuchende: Gewalt gegen Flüchtlinge alarmiert Bundesregierung"

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  • Es ist sehr traurig, dass es soweit kommen muste.Aber jede Kritik an der massenhaften Zuwanderung und/oder Frau Merkel wird als "rechtsextrem" angesehen. Man wagt kaum zu sagen,
    was man und viele andere denken. " Sie sind nun mal da" Wir - also Frau Merkel - die Gutmenschen-das Volk - schaffen das. Ist das so ? Die Armut in Bayern steigt - spielen die Ausgaben für unser Volk keine Rolle ? Wer weiss denn, wie alles in 1 oder 5 Jahren aussieht.
    Die Reaktionen einiger Länder in "Europa" sind erschreckend - aber wurden auch durch Frau Merkel provoziert. "Rechtsruck". Eine zahlenmässige Begrenzung wäre sinnvoll - wenngleich jetzt kaum mehr durchzusetzen- Das Volk sollte aber wissen : WAS kostet es pro Jahr.
    G.soballa

  • So grotesk es auch klingen mag, viele Flüchtlinge darunter auch Kinder sind auf der Flucht gestorben...... gerade weil unsere Grenzen offen sind !!!
    -
    Würden sie wissen das es ohnehin keinen Weg nach Europa gäbe würden sie sich auch nicht auf eine so gefährliche Reise machen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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