Anschläge in Paris Auch Deutschland im Fadenkreuz

Wie gefährdet ist Deutschland? Nach den Anschlägen von Paris herrscht auch hierzulande die Sorge vor Terrorakten. In Berlin berieten am Samstag das Sicherheitskabinett und die Chefs der Sicherheitsbehörden.
Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte, die Gefährdungslage in Deutschland sei nach wie vor hoch. Quelle: Reuters
Innenminister de Maizière am Samstag in Berlin

Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte, die Gefährdungslage in Deutschland sei nach wie vor hoch.

(Foto: Reuters)

BerlinDie verheerende Anschlagsserie in Paris schürt auch in Deutschland die Sorge vor Angriffen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière traf am Samstag in Berlin mit den Chefs der Sicherheitsbehörden zusammen. Am Mittag beriet das Sicherheitskabinett im Kanzleramt. Laut Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ging es darum, die Lage in Frankreich und alle damit verbunden Fragen zu erörtern. Eine Sprecherin des Innenministeriums sagte, die Gefährdungslage in Deutschland sei hoch. Deutschland stehe unverändert im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus.

Weiter betonte sie, die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern analysierten kontinuierlich die Lage in Deutschland und stünden im engen Austausch mit den französischen Behörden. Deutschland bot Frankreich laut Merkel jedwede Unterstützung im Sicherheitssektor an. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) betonte, Deutschland werde entschlossen und mit Augenmaß reagieren.

Es bleibt nur Fassungslosigkeit
Gedenken an die Opfer
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In der Nähe der Konzerthalle Bataclan zeigen die Einwohner der französischen Hauptstadt auch am Sonntag ihre Betroffenheit. Die ist besonders groß, weil die islamistischen Terroristen offenbar wahllos auf Zivilisten an beliebten Veranstaltungsorten schossen.

Bilder sagen mehr als Worte
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Diese Zeichnung hängt an der Fassade der der Bar Le Carrillon. Auch hier wurden im Andenken an die Opfer der Terrorakte viele Blumen niedergelegt. Die Botschaft des Terrors: Wenn Ihr ins Konzert oder ins Restaurant geht, könnt Ihr Opfer werden. Dem will sich die Pariser Bevölkerung natürlich nicht beugen ...

Moskau
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Ihr Mitgefühl drücken auch die Einwohner der russischen Metropole mit Blumen und Zeichnungen aus, die vor der französischen Botschaft niedergelegt werden. 129 Todesopfer und rund 300 Verletzte haben die Anschläge in Paris bislang gefordert.

Paris
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Trauer und stilles Gedenken an die Opfer der Anschläge vor dem Cafe "Bonne biere". Agenturen berichteten derweil am Sonntag, dass einer der sieben Angreifer in Paris ein französischer Staatsbürger war. Der 29-jährige Ismael Omar Mostefai stammte wohl aus dem Pariser Vorort Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt.

Paris, Rue de Charonne
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Auch hier werden hunderte Blumensträuße und Mitleidsbekundungen niedergelegt und Kerzen aufgestellt. In der Pariser Kathedrale Notre Dame und anderen Kirchen in Frankreich wird am Sonntag mit besonderen Gottesdiensten der Opfer der Terroranschläge gedacht. Für Touristen bleibt Notre Dame zwar geschlossen. Für den Abend (18.30 Uhr) lädt Kardinal André Vingt-Trois jedoch Familien der Terroropfer und Überlebende zum Gebet. Auch werden die Glocken für die Ermordeten läuten.

An der Bar Le Carillon
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Die Blumen stecken in einem der zahlreichen Einschusslöcher. Der französische Präsident François Hollande sprach von einem „Kriegsakt“ des IS und kündigte „angemessene Entscheidungen“ an.

Friedenszeichen am Eiffelturm
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Mit Transparenten, Kerzen und Symbolen gegen Terror: Schon am Samstag versammelten sich an vielen Orten der französischen Hauptstadt die Menschen spontan. Premierminister Manuel Valls sagte am Samstagabend dem Sender TF1: „Ja, wir sind im Krieg.“ Frankreich werde handeln, um diesen Feind zu zerstören. „Wir ergreifen daher außergewöhnliche Maßnahmen. Und diesen Krieg werden wir gewinnen“, schrieb Valls auf Twitter.

Die Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu den Anschlägen in Paris bekannt. Auch zu Attacken auf Deutsche hat die Organisation in der Vergangenheit aufgerufen.

Weltweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft - so etwa in zahlreichen US-Städten, in Russland, Finnland, Belgien und Italien sowie in Großbritannien. In Berlin wurden vor der französischen Botschaft Absperrgitter aufgestellt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nannte es richtig, dass in Deutschland nach den Anschlägen in Paris im Januar Konsequenzen in Deutschland gezogen und die Polizei verstärkt worden sei. Dennoch sei eine bessere Informationsgewinnung und Auswertung dringend notwendig, sagte Vizechef Jörg Radek. Ein geplanter Terroranschlag dieser Größenordnung und Brutalität sei mit einem normalen Polizeischutz nicht zu verhindern. Die Deutsche Polizeigewerkschaft lehnte Anti-Terror-Maßnahmen nach französischem Vorbild ab. „So verständlich die französischen Maßnahmen nach den schrecklichen Terrorattacken von Paris jetzt sind, für Deutschland sind sie keine Option“, sagte Verbandschef Rainer Wendt dem Handelsblatt. „Jetzt ist die Zeit der professionellen Analyse und des überlegten Handelns. Panikmache wäre in der Situation fehl am Platz.“

CSU-Chef Horst Seehofer forderte einen stärkeren Schutz der deutschen Grenzen. Das Bayerische Landeskriminalamt gab derweil bekannt, dass bei Rosenheim schon in der vergangenen Woche ein Mann aus Montenegro festgenommen worden sei, der zahlreiche Waffen und Sprengstoff im Auto versteckt hatte. Es gebe die begründete Annahme, dass der Fall mit den Pariser Anschlägen zusammenhänge, bestätigte Seehofer einen Medienbericht.

Zugleich warnten Politiker die Bürger davor, das eigene Leben durch Terrorangst zu sehr einzuschränken. Das freiheitliche Leben sei stärker als jeder Terrorismus, sagte Merkel. „Lassen Sie uns den Terroristen die Antwort geben, indem wir unsere Werte selbstbewusst leben und indem wir diese Werte für ganz Europa bekräftigen - jetzt mehr denn je.“

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