Anschlag am Flughafen Frankfurt: Attentäter rief "Allahu Akbar" - und schoss

Anschlag am Flughafen Frankfurt
Attentäter rief "Allahu Akbar" - und schoss

Er wollte gezielt US-Soldaten töten, wurde mit Youtube-Videos zum Islamisten und handelte allein: Bedeuten die Todesschüsse des Attentäters von Frankfurt eine neue Dimension des islamistischen Terrors in Deutschland?
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FrankfurtDas Motiv für den Anschlag am Frankfurter Flughafen ist offenbar Hass auf US-Soldaten. Laut eines Lageberichts des Landeskriminalamts Hessen, der dem ARD-Magazin „Panorama“ vorliegt, hat der mutmaßliche Attentäter Arid Uka in einer ersten Vernehmung angegeben, dass er im Internet auf ein Video mit „schlimmen Bildern“ von amerikanischen Militärs gestoßen sei. Das Video zeige, wie US-Soldaten in Afghanistan ein Haus plünderten und ein Mädchen vergewaltigten.  

Nachdem er das Video gesehen hatte, habe er „die ganze Nacht nicht schlafen können“. Zudem will der 21-Jährige beobachtet haben, wie US-amerikanische Soldaten sich am Frankfurter Flughafen verächtlich über die afghanische Bevölkerung geäußert hätten. Das Video und dieses Verhalten der Soldaten seien „der Impuls für ihn gewesen, insbesondere nach Afghanistan ausreisende US-Soldaten zu töten“.  

Nach eigener Aussage hat Arid Uka während des Angriffs auf die US-Soldaten „sechs bis sieben Mal deutlich „Allah Akbar“ gerufen“ und dann auf die US-Militärangehörigen geschossen. Die Tatwaffe und 24 Schuss Munition habe er nach eigener Aussage vor ein paar Monaten für 1000 Euro gekauft. Bei der gleichen Vernehmung soll er angegeben haben, Muslim zu sein. Laut "Spiegel Online" bestreitet der Attentäter Mitglied einer Terrorgruppe zu sein. Der 21-Jährige erklärte, ohne Komplizen gehandelt zu haben.

Der hessische Innenminister Boris Rhein sprach am Donnerstag von Uka als einem „radikalisierten Moslem“, der aber aber als Einzeltäter offenbar ohne Verbindung zu einem Netzwerk oder einer Terrorzelle vorging. Auch die Bundesanwaltschaft erklärte: „Aufgrund der Tatumstände besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handelt.“

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut sieht in den Todesschüssen am Frankfurter Flughafen eine neue Dimension des islamistischen Terrorismus. „Wenn sich bisherige Hinweise bestätigen, hat erstmalig ein islamistischer Terroranschlag auf deutschem Boden nicht verhindert werden können und Todesopfer gefordert“, sagte er in Berlin. Es sei zugleich der erste Fall eines in Deutschland aufgewachsenen terroristischen Einzeltäters, der möglicherweise im Internet durch islamistische Dschihad-Propaganda motiviert worden sei, ein sogenannter „home-grown-terrorist“.

Bei seinem Angriff habe er die Opfer zunächst angesprochen, um sich zu vergewissern, dass es sich um GIs handele. Die belgische Pistole vom Typ „Fabrique National“ hatte er sich illegal besorgt, sie hatte nach einigen Schüssen Ladehemmung, so dass er floh und wenig später im Flughafenterminal überwältigt werden konnte.

Wegen des islamistischen Hintergrunds der Tat übernahm Generalbundesanwältin Monika Harms am Donnerstag das Verfahren und beauftragte das Bundeskriminalamt und das Frankfurter Polizeipräsidium mit den Ermittlungen. Für Freitag kündigte die oberste Anklagebehörde in Karlsruhe eine Pressekonferenz an. Gegen Arid Uka ist inzwischen ein Haftbefehl erlassen worden.

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) verurteilte den tödlichen Anschlag auf das Schärfste. Es sei umso schmerzlicher, dass es einen engen Verbündeten auf deutschem Boden getroffen habe. Die deutschen Sicherheitsbehörden täten alles, um die Tat aufzuklären und arbeiteten dabei eng mit den zuständigen US-Dienststellen zusammen. Eine bundesweite, flächendeckende Erhöhung der polizeilichen Präsenz hielt Friedrich allerdings nicht für nötig.    

Die Bundespolizei hat aber nach dem Anschlag ihre Präsenz am Frankfurter Flughafen erhöht. Das gelte für die sichtbare und unsichtbare Präsenz der Einsatzkräfte in den öffentlichen Bereichen der Terminals, sagte ein Sprecher. Auch gingen die Sicherheitskräfte seit dem Vorfall vom Mittwoch mit Schutzweste und Maschinengewehr auf ihre Rundgänge.   

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Der Attentäter arbeite selbst am Flughafen

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