Anschlag auf BVB-Bus Verdächtige waren nicht an Anschlag beteiligt

Die Bundesanwaltschaft ist sich sicher: Der festgenommene Iraker hat den Anschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund nicht verübt. Dennoch bleibt er in Haft, weil er für den IS gekämpft haben soll.
Update: 13.04.2017 - 13:23 Uhr Kommentieren

Das ist der neuste Ermittlungsstand zum BVB-Anschlag

Das ist der neuste Ermittlungsstand zum BVB-Anschlag

Karlsruhe/DortmundNach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist auch der zweite Mann, der im Visier der Ermittler war, nicht mehr unter Verdacht. „Der Tatverdacht hat sich nicht erhärtet“, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Donnerstag. Es gebe keine Hinweise, dass der Mann in die Tat verwickelt sei. Im Verdacht war neben einem festgenommenen Iraker ein 28-jähriger Deutscher aus Fröndenberg im Kreis Unna. Die Wohnungen beider Männern waren durchsucht worden.

Auch gegen den 26-jährigen Iraker gibt es nach bisherigen Ermittlungen keine Beweise, dass er tatsächlich etwas mit dem Dortmunder Anschlag zu tun hat. Die obersten Ankläger beantragten allerdings gegen den mutmaßlichen IS-Kämpfer Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung. Er wurde am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Er soll im Irak eine zehnköpfige Einheit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeführt haben.

Laut Bundesanwaltschaft soll der Beschuldigte sich spätestens Ende 2014 dem IS angeschlossen haben. Seine Einheit soll Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorbereitet haben. Er soll selbst gekämpft haben. Im März 2015 reiste er laut Bundesanwaltschaft in die Türkei, von wo er Anfang 2016 wieder nach Deutschland zurückkehrte. Aus der Bundesrepublik unterhielt der Beschuldigte demnach weiterhin Kontakte zu IS-Mitgliedern

Die Hintergründe des Anschlags auf Borussia Dortmund sind somit weiter unklar. Die Bundesanwaltschaft geht nach wie vor von einem terroristischen Hintergrund aus. Zwingend sei dies allerdings nicht, so die Sprecherin. Die Polizei schloss einen islamistischen Hintergrund genauso wenig aus wie gewaltbereite Fußballfans, Rechtsextreme oder Erpresser. Die Polizei hatte am Anschlagsort drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt gefunden. Sicherheitskreise sprachen von einem für Islamisten eher untypischen Vorgehen. So gebe es auf dem Schreiben keinerlei IS-Symbole wie etwa die typische Fahne.

„Wir wurden wie Tiere behandelt und nicht wie Menschen“
„Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt. Die Uefa hat das in der Schweiz entschieden. Das hat sich nicht gut angefühlt Minuten nach diesem Sprengstoffanschlag. Wir hatten das Gefühl, behandelt zu werden, als wäre eine Bierdose an unseren Bus geflogen.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund, kritisiert die rasche Neuansetzung der Partie. Bereist einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus musste das Team im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den AS Monaco antreten.

„Wir haben das als sehr ohnmächtig empfunden. Wir stehen noch am Bus, Bartra wird weggefahren. Und du wirst informiert, dass die Uefa in Nyon entschieden hat. Das hat sich nicht gut angefühlt.“
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Thomas Tuchel, Trainer von Borussia Dortmund.

„Ich bin mir ziemlich sicher, wenn einer der Leute, die das entschieden haben, im Bus gesessen hätte, hätten sie die Partie nicht gespielt“
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Auch Ex-Borussia-Trainer Jürgen Klopp kritisiert die Neuansetzung des Spiels unmittelbar am nächsten Tag.

„Ich kenne die Straße genau. Viele meiner Freunde saßen im Bus. (...) Ich hatte wirklich Angst um sie.“
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Der jetzige Liverpool-Coach Klopp weiter gegenüber der Deutschen Presseagentur.

„Ich weiß, dass der Fußball wichtig ist. Wir lieben den Fußball, wir leiden beim Fußball und ich weiß, dass wir sehr viel Geld verdienen, ein privilegiertes Leben haben. Aber wir sind auch nur Menschen und es gibt sehr viel mehr als Fußball auf dieser Welt. Das haben wir vergangene Nacht gefühlt.“
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Nuri Sahin (2.v.r.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Ich kann die Gesichter nicht vergessen. Ich werde ihre Blicke nie in meinem Leben vergessen können, ganz sicher. Als ich Marc (Bartra) sah, und Schmelles (Kapitän Marc Schmelzer) Gesicht. Unvorstellbar.“
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Nuri Sahin (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

„Wir sind nicht gefragt worden. ich glaube, wir wären alle gerne gefragt worden. Weil es uns passiert – und nicht den Personen, die es im Büro entschieden haben.“
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Marcel Schmelzer (l.), Spieler von Borussia Dortmund.

Bei dem Anschlag auf den Mannschaftsbus waren am Dienstagabend drei Sprengsätze mit Metallstiften nahe dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund detoniert. Der spanische BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt. Das Team war auf den Weg zum Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco, dass dann am Mittwochabend nachgeholt wurde. Die von der Tat geschockten Dortmunder verloren 2:3.

Rund um das Spiel blieb es am Mittwochabend nach Polizeiangaben vergleichsweise ruhig. Hunderte Beamte sorgten für Sicherheit. Für kurze Aufregung sorgten zwei Rucksäcke und ein Roller. Spezialisten gaben aber rasch Entwarnung.

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