Anschlag in Freital
Auto von Linken-Stadtrat in die Luft gesprengt

Die Stimmung im sächsischen Freital ist aufgeheizt, nun gibt es neuen Zündstoff: Bei einem mutmaßlichen Sprengstoffanschlag wird das Auto eines Kommunalpolitikers zerstört. Der engagiert sich für Flüchtlinge.
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FreitalWindschutzscheibe und Seitenfenster raus, die Heckscheibe zersplittert, Dach und Türen verbeult - so beschreibt Michael Richter sein Auto nach der Detonation, der für ihn ein Sprengstoffanschlag ist. Er hatte den Wagen in der Nacht zum Montag vor seinem Wohnhaus in Freital geparkt, als ihn nach Mitternacht ein lauter Knall aus dem Schlaf riss. „Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich eine schwarze Rauchwolke über meinem Fahrzeug“, berichtet der Linke-Politiker, der Fraktionschef im Freitaler Stadtrat ist.

Richter spricht von einer „sehr aufgeheizten Stimmung“, die sich nun Bahn breche - in Freital und in ganz Sachsen. „Viele Menschen, die sich für die Belange von Geflüchteten einsetzen, haben auch Angst in dieser Situation.“ In den vergangenen Wochen sorgte die Kleinstadt nahe Dresden mit ausländerfeindlichen Protesten vor einer Flüchtlingsunterkunft bundesweit für Aufsehen. Richter stand auf der Gegenseite, hat Veranstaltungen gegen Rassismus mitorganisiert.

Er habe zwar nicht mit einem Anschlag gerechnet, sagt er. Wirklich überrascht habe ihn der Vorfall aber auch nicht. „Eventuell war es vorauszusehen.“ Richter berichtet von Morddrohungen, die er in den vergangenen Monaten über Facebook erhalten habe. Dort sei unter anderem gefordert worden, ihn zu steinigen. Die Linke geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. „Ich bin eines der Gesichter in Freital, die sagen: Wir sind für Asyl. Und ich denke, das ist der Grund für den Anschlag.“

Die Polizei betont unterdessen, in alle Richtungen zu ermitteln. Derzeit prüft das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ), den Fall zu übernehmen. Richters Auto stand zum Zeitpunkt der Explosion auf der Dresdner Straße, einer Hauptverkehrsstraße, die sich durch Freital schlängelt. „Auch zu dieser Uhrzeit können dort Menschen unterwegs sein, die durch Splitter hätten verletzt werden können“, sagt der Politiker. Ein Anwohner berichtet, dass seine Tochter nur ein paar Autos entfernt geparkt habe. Ein paar Lackkratzer habe der Wagen abbekommen.

Reden über die Stimmung in Freital möchte niemand. Auch nicht über das Flüchtlingsheim oben auf dem Berg. „Da habe ich meine ganz spezielle Meinung dazu“, sagt ein älterer Anwohner. Grünen-Fraktionschef Volkmar Zschocke spricht unverblümt von einer Gewalteskalation gegen Flüchtlinge, Helfer und Unterkünfte.

In einem Dresdner Zeltlager hatte es vor der Ankunft der ersten Asylbewerber am Freitag gewalttätige Auseinandersetzungen gegeben, im Stadtteil Stetzsch flogen am Wochenende Steine auf ein zum Asylbewerberheim umgebautes Hotel. „Die rassistische, fremdenfeindliche Stimmung, die „besorgte Bürger“ oder „Asylgegner“ aller Generationen schüren, wirkt wie Brandbeschleuniger für diese Angriffe“, bemerkt Zschocke.

„Wir haben eine Situation, wo mittlerweile jeden Tag sich die Gewaltspirale weiter dreht. Wir haben offenen Hass auf den Straßen“, erklärt Linke-Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn. Die Landesgeschäftsführerin der Linken, Antje Feiks, warnte vor „rechtem Terror“ gegen Andersdenkende und Asylsuchende. „Eine solche Welle des Rassismus' und der Menschenfeindlichkeit hat man bisher mit Rostock-Lichtenhagen oder Hoyerswerda in den 90ern assoziiert.“

Auch SPD-Fraktionschef Dirk Panter findet klare Worte: „Sollten sich bewahrheiten, dass in Freital jetzt gezielt ein Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Kommunalpolitikers verübt wurde, dann haben wir es mit einem Terroranschlag zu tun.“ Richter will trotz allem seine Arbeit fortsetzen wie bisher. „Weil genau das die Rechten wollen, dass wir Angst haben und diese Angst darf nicht siegen.“

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Auf die Diskussion über das "Flüchtlingsproblem" möchte ich nur insoweit eingehen, als die tatsächlich nicht unerheblichen Kosten angesprochen sind. In ein Fass ohne Boden namens Hellas (Griechenland) sind über Struktur-, Kohäsions- und "Rettungs"-Fonds im Laufe der Jahre bereits über 300 Mrd. Euro geflossen, ohne dass man dort die Kurve bekommen hätte. Vor wenigen Tagen hat die Mehrheit auch der deutschen Bundestagsabgeordneten mal eben weitere 86 Mrd. de facto bereits "durchgewunken". Mit all' dem Geld könnte man (nur mal so angedacht...) die ankommenden Flüchtlinge über Jahrzehnte finanzieren und hierzulande noch die Steuern senken! Während die "Ausgaben der Flüchtlingsaufnahme und -betreuung" zu beinahe 100 Prozent in der inländischen Wirtschaft verbleiben, also hierzulande wertschöpfend sind, werden wir aus Athen nichts mehr wiedersehen. Garantiert. Allenfalls haben auch deutsche Banken von der Sozialisierung der griechischen Schulden profitiert. - Den nicht enden wollenden Skandal um die wirkungslosen Euro-"Rettungs"-Pakete sollten wir bei der Kanzlerin [angela.merkel(at)bundestag.de], den Ministern [wolfgang(at)schaeuble.de] und unserem Bundestagsabgeordneten [vorname.name@bundestag.de] mit gleicher Vehemenz kritisieren, wie wir auf tatsächliche oder empfundene Missstände bei der Asylpolitik hinweisen.

  • Nein, Schuld haben die Idioten, die Autos in die Luft sprengen und Menschen bedrohen, die nicht ihrer Meinung sind.

  • Die Politik geht für dieses Jahr von 400000 bis 500000 Neuankömmlingen und Mrd. zusätzlicher Kosten, aus und was ist dann am 31.12.2015 um 24:00 Uhr?????

    Tür zu und niemand kommt mehr hinein für immer????

    Oder müssen wir uns schon mal darauf einstellen das es im nächsten oder besser kommenden Jahren noch mehr "Neulinge" welcher Herkunft sie auch immer sein werden, eventuell müssen wir uns schon auf eine Mio. oder noch mehr gefaßt machen.
    Dann werden unsere Politiker weiter massiv Steuergelder veruntreuen, da muß es unweigerlich zu Unmut und Wut der Bevölkerung kommen.
    Echte Asylanten sollen vorübergehend Schutz erhalten, der Rest muß wieder gehen und zwar umgehend.

    Aber ach, das sind ja wieder Rechtsradikale Äußerungen, sorry

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