Anschlag von Berlin
Flixbus wegen Amris Flucht im Austausch mit Behörden

Die Behörden wussten vor dem Anschlag von Berlin offenbar mehr über Anis Amri, als bislang bekannt war. Die Opposition in NRW vermutet Versäumnisse und will den Attentäter auch im Düsseldorfer Landtag zum Thema machen.
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Düsseldorf/BerlinBei der Aufklärung der Fluchtroute des mutmaßlichen Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri durch Europa werden auch mögliche Fernbus-Fahrten untersucht. „Wir stehen im engen Austausch mit internationalen Ermittlungsbehörden“, sagte die Sprecherin des Unternehmens Flixbus, Bettina Engert, am Donnerstag auf Anfrage in München. Einzelheiten dazu wollte sie unter Hinweis auf die Zuständigkeit der Ermittlungsbehörden nicht nennen.

Flixbus bietet täglich Verbindungen von Nimwegen in den Niederlanden nach Lyon in Frankreich an. Die französischen TV-Sender TF1/LCI und BFMTV hatten am Mittwoch berichtet, Amri sei per Fernbus von Nimwegen nach Lyon gelangt. Er sei vom 21. auf den 22. Dezember gereist, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittlerkreise. Für Flixbus ist ein Nachtbus auf dieser Strecke unterwegs. Am 23. Dezember wurde Amri in Mailand von italienischen Polizisten erschossen.

Die Sprecherin erläuterte, Fahrgäste, die bei Flixbus eine grenzüberquerende Verbindung gebucht hätten, seien gemäß den Geschäftsbedingungen dazu verpflichtet, ein gültiges Ausweisdokument mit sich zu führen, das beim Einstieg in den Bus vorgezeigt werden müsse.

Ein Netzwerk in Italien hatte der mutmaßliche Attentäter von Berlin den bisherigen Ermittlungen zufolge aber nicht. Der italienische Ministerpräsident Paolo Gentiloni sagte auf einer Pressekonferenz zum Jahresabschluss in Rom, es habe sich bislang nicht erwiesen, dass der Tunesier Amri spezielle Netzwerke in Italien gehabt haben könnte. Auf den aktuellen Ermittlungsstand darüber hinaus ging er nicht ein.

Die Opposition im Düsseldorfer Landtag verlangt derweil Aufklärung über die Aktivitäten Amris in Nordrhein-Westfalen. Die Fraktionen von CDU, FDP und Piraten wollen am Donnerstag eine Sondersitzung des Innenausschusses des Landtages gleich zu Beginn des neuen Jahres beantragen. Das Schreiben an Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) liegt der Deutschen-Presse Agentur vor.

Nordrhein-Westfalen war einer Hauptaufenthaltsorte Amris, in dem Bundesland liegt auch die für ihn zuständige Ausländerbehörde. Amri galt als „Gefährder“, dem ein Anschlag zugetraut wurde, verschwand aber vom Radar der Behörden.

Der 24-Jährige war den Ermittlungen zufolge am Montag vor Weihnachten mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gefahren. Zwölf Menschen starben, 55 wurden verletzt. Nach offiziellen Angaben werden 20 Verletzte noch immer in Krankenhäusern behandelt, elf von ihnen auf der Intensivstation.

„Wenn die Enthüllungen stimmen, dass ein ausreisepflichtiger terroristischer Gefährder, der den Behörden bekannt ist, sich völlig frei bewegen und in radikalen Moscheen im Ruhrgebiet ungestört Hass predigen kann, dann ist dies der absolute Tiefpunkt von sechs Jahren rot-grüner Innenpolitik in NRW, der jetzt schonungslos aufgeklärt werden muss“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Chef Armin Laschet. Nach WDR-Recherchen soll Amri im Ruhrgebiet deutlich besser vernetzt gewesen sein als bislang angenommen.

Den möglichen Kontaktmann Amris in Berlin nahmen die Ermittler vorläufig fest. Bis Donnerstag werde geprüft, ob Haftbefehl beantragt wird, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Ihren Angaben zufolge hatte Amri die Telefonnummer des 40-jährigen Tunesiers in seinem sichergestellten Handy gespeichert. Der Festgenommene könnte in den Anschlag mit dem Lastwagen eingebunden gewesen sein.

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  • Die Tatsache,dass Behörden ihre Arbeit nicht schnell und konsequent erledigen ist ein Teil der Medaille. Der Personalabbau ist das eigentliche Thema in diesem Zusammenhang und die nicht vorhandene Zusammenarbeit der Behörden von einem zum anderen Bundesland. Dann stelle man sich vor, dass die Kommunikation in der EU auch noch funktionieren sollte! Nichts null nada....

    In dieses schon vorhandene Chaos, wir hatten ja schon vorher einen Zustrom von Flüchtlingen, hat Merkel die Grenzen geöffnet und uns damit abgespeist mit dem Satz "wir schaffen das". Das Ergebniss sehen wir heute. Jeder saß staunend vor der Glotze und wunderte sich, dass so viele junge Männer auf der Flucht sind. Schon damals war die Frage nicht erlaubt ob der IS da nicht Leute einschleust. Heute wissen wir es!! Es gibt sehr viele Flüchtlinge die bis heute nicht registriert sind. Da sagt uns nun die Kanzlerin, dass sie schärfere Maßnahmen ergreifen wird. Nun, wir wissen ja, das kann dauern, wenn überhaupt!
    Es überbieten sich nun die Politker aller Richtungen zu erklären was sie jetzt alles vor haben. Hatten wir alles schon und ausser Gefasel folgte nichts! Nein, es gibt noch nicht einmal einen Gedenktag im Bundestag für die vielen Opfer!
    In Frankreich ist man sauer, nicht nur LePen, auf Deutschland bzw. Merkel weil sie mit ihrer unverantwortlichen Grenzöffnung dafür gesorgt hat, dass die sowieso schon angespannte Lage noch explosiver geworden ist!
    Trotzdem tritt diese Frau wieder an und erklärt uns, dass sie was zurück geben will. Was das ist sagt sie nicht! Sie hält sich schweigend zurück und wartet und wartet und wartet, sind wir ja so gewöhnt. Nur danach macht sie meist noch mehr Fehler! Europa ist so kaputt wie nie zuvor, Schengen ist am Ende, der Euro auch und dazu noch Anschläge von Idioten. Toll!
    Jetzt wäre mal eine klare Botschaft mit sofortigen Massnahmen angebracht! Unter sofort verstehe ich nicht in einigen Monaten!

  • @Otto Berger
    "Er habe keinen Zweifel daran, dass die Bundeskanzlerin gute Absichten gehabt hätte, als sie 2015 die Grenzen öffnen ließ."

    Ich habe Zweifel daran, denn sie musste wissen, welchen Tsunami sie damit auslöste. Selbst wenn es so gewesen wäre, gilt der Spruch :"Der Weg zur Hölle ist mit allerlei guten Absichten gepflastert."

    Mit der "gesellschaftlichen Wahrnehmungsstörung" gebe ich Ihnen recht, Selbst nach Köln, Berlin und einer Unzahl kleinerer Scharmützel hat die große Mehrheit der Bevölkerung immer noch nicht den Ernst der Lage erkannt. Nur wenn es bis zur Wahl noch mehrfach "knallt", rechne ich persönlich mit einer Abwahl AMs.

  • @ Herr J.-Fr. Pell .....
    Erst klären welche Behörden versagt haben. Dann personelle Konsequenzen.
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    Naja, die Konsequenzen müssten eigentlich zunächst mal ganz oben gezogen werden : Mit einem Rücktritt von Frau Dr. Merkel ----------------- aber die Dame wird die Mehrheitsstimmung der Wähler im Blick haben und versuchen, das von ihr angerichtete Desaster auszusitzen.

    Sonntagsfrage v. 28.12.2016 :
    Wählen würden :
    CDU/CSU ..............................38%
    SPD ........................................20%
    Grüne .....................................10%
    FDP ......................................... 5 %
    Linke ........................................9%
    AfD unter FERNER LIEFEN
    mit ...........................................12%
    Mit diesen Zahlen bei der BT-Wahl 2017dürften sich für Frau Dr. Merkel neue Mehrheiten "schmieden" lassen ----- mit "dem weiter so"
    Fazit : Wir haben ein gesamtgesellschaftliches "Wahrnehmungsproblem" und das zieht sich auch durch die Behörden, mit den entsprechenden Ergebnissen.
    Worin besteht das "Wahrnehmungsproblem" : Es besteht darin, dass ein"weiter so" dazu geeignet ist, D kulturell, demographisch und letztendlich auch wirtschaftlich nahezu zu vernichten !! Das scheint ALLES beim Wähler noch nicht angekommen zu sein.

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