Anstieg um 22 Prozent
Zahl der Geldwäsche-Fälle auf Rekordhoch

Das Handelsblatt hatte bereits über verstärkte Maßnahmen gegen Geldwäsche berichtet, nun wird der Hintergrund klar: Die Zahl der Verdachtsfälle ist hoch wie nie. Noch stärker wächst allerdings der Online-Banking-Betrug.
  • 0

WiesbadenDie Zahl der Verdachtsfälle in Sachen Geldwäsche ist so hoch wie nie. 2010 wurden insgesamt 11.042 Verdachtsanzeigen im Bereich Geldwäsche erstattet, das waren 22 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Freitag mitteilten.

„Das ist der absolute Höchststand seit Inkrafttreten des Geldwäschegesetzes im Jahr 1993“, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Wiesbaden. Die Zahl der Fälle von Phishing, als dem Ausspähen von Daten, stieg allein beim Online-Banking um 82 Prozent auf 5.331 Verdachtsfälle. Fast bei der Hälfte davon erhärtete sich der Verdacht einer Straftat.

In seiner Freitagsausgabe hatte das Handelsblatt berichtet, die BaFin nehme Aktivitäten der Banken zur Vermeidung von Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierung verstärkt aufs Korn. Wie der Exekutivdirektor der BaFin, Michael Sell, in einem Handelsblatt-Gespräch sagte, werde die Finanzaufsicht künftig besonders darauf achten, ob die Banken die erhöhten Sorgfaltspflichten für die sogenannten politisch exponierten Personen (PEP) einhalten.

Vor allem große Finanzinstitute nutzen in diesem Zusammenhang kommerzielle PEP-Datenbanken, in denen mehr als 500.000 Namen enthalten sind - dazu gehören beispielsweise Staatschefs, Minister, hochrangige Militärs, ihre jeweilige Verwandtschaft und Vertraute. „Wenn eine Bank beispielsweise das Konto eines Neffen eines afrikanischen Potentaten führt, dann muss sie sich das genau angucken. Passt das Vermögen zu den Lebensumständen des Kontoinhabers? Ist das schlüssig?“, sagte Sell. In letzter Konsequenz müsse von Transaktionen oder einer Geschäftsbeziehung Abstand genommen und eine Verdachtsanzeige erstattet werden.

Wachsende Bedeutung misst Sell insbesondere neuen Zahlungsmethoden zu Zwecken der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung bei. Stichworte seien hier E-Geld, zum Beispiels mit einer bestimmten Geldsumme aufgeladene Prepaid-Karten, sowie Bezahlsysteme mittels Mobiltelefon.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Anstieg um 22 Prozent: Zahl der Geldwäsche-Fälle auf Rekordhoch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%