Anti-AfD-Collage „Fear“
AfD unterliegt im Zombie-Streit

Beatrix von Storch wird in einem Theaterstück mit Zombies gleichgestellt und mit Massenmördern verglichen. Die AfD-Vizechefin ging dagegen juristisch vor – vergeblich. Das Berliner Landgericht wies die Klage zurück.

BerlinDas Landgericht Berlin hat entschieden, dass die Berliner Schaubühne das Theaterstück „Fear“ ohne Einschränkungen weiter aufführen darf. Das Theater hat sich damit gegen die Koordinatorin der familienpolitisch-konservativen Organisation „Demo für alle“, Hedwig von Beverfoerde, und die Vizechefin der Alternative für Deutschland (AfD), Beatrix von Storch, durchgesetzt. Die Richter hoben am Dienstag zwei Einstweilige Verfügungen auf, die der Schaubühne untersagten, während der Aufführung Bilder der beiden Frauen zu zeigen.

Mit dem plakativen Stück versucht der Theatermacher Falk Richter die neuen reaktionären Kräfte in Deutschland zu sezieren. Die gut zweistündige postdramatische Collage mit Video- und Tanzelementen - in weiten Teilen eine Anti-AfD-Arbeit sowie Tirade gegen christliche Fundamentalisten - wurde bei der Premiere Ende Oktober begeistert aufgenommen.

AfD-Chefin Frauke Petry wird in dem Stück in einem Atemzug mit der Hauptangeklagten im NSU-Prozess, Beate Zschäpe, genannt. Die AfD-Europaabgeordnete von Storch wird in eine Art Sippenhaft genommen, weil ihr Großvater Minister unter Hitler war.

In Projektionen im Hintergrund werden verschiedene Bilder aneinandergereiht: etwa von Zombies, von CSU-Chef Horst Seehofer, von dem umstrittenen Autor und Pegida-Redner Akif Pirinçci oder Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke, der in einer ARD-Talksendung von „Günther Jauch“ mit einer Deutschlandfahne aufgetreten war.

Die Richter bewerten nun in dem Fall die Kunstfreiheit höher als das Persönlichkeitsrecht der beiden Antragstellerinnen. Beide Frauen sahen durch das Theaterstück ihre Menschenwürde verletzt, indem sie etwa durch das Zeigen ihrer Fotos Zombies gleichgestellt und mit Massenmördern oder Neonazis verglichen würden. Das Landgericht teilte diese Einschätzung nicht, da, wie das Gericht in einer Pressemitteilung erklärte, „jeder Besucher erkennen könne, dass es sich nur um ein Theaterstück handele“.

Nach Auffassung des Gerichts liegt auch keine „schwere“ Persönlichkeitsverletzung vor. Die Antragstellerinnen würden vielmehr als „eigenständige Persönlichkeiten“ gezeigt und es werde „in differenzierter Form ihre öffentlichen Äußerungen zu bestimmten Themen wie Ehe unter Homosexuellen, Genderforschung beziehungsweise die Nähe einer der Antragstellerinnen zur AfD wiedergegeben“. Eine Gleichstellung mit Massenmördern wie dem Norweger Breivik oder Neonazis erfolge durch die Verwendung der Bildnisse nicht, heißt es in dem Urteil. „Im Rahmen der zu treffenden Abwägung gehe die Kunstfreiheit vor“, unterstrichen die Richter.

Dementsprechend hob das Landgericht zugleich einen zunächst vorläufig und ohne Anhörung der Schaubühne erlassenen Beschluss auf, in dem untersagt worden war, das Bild einer der Antragstellerinnen in der Aufführung zu verwenden. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Von Storch und Beverfoerde können Berufung einlegen.

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