Anti-AfD-Collage „Fear“
Morddrohungen wegen AfD-kritischem Theaterstück

Wegen eines AfD-kritischen Theaterstücks ist die Berliner Schaubühne ins Visier von Kriminellen geraten. Politiker sind alarmiert. Sie fordern von der AfD, sich von Morddrohungen gegen den Regisseur zu distanzieren.

BerlinPolitiker von SPD und Grünen haben die Alternative für Deutschland (AfD) aufgefordert, sich von Morddrohungen gegen den Theaterregisseur Falk Richter von der Berliner Schaubühne zu distanzieren. Richter war wegen der von ihm inszenierten Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage „Fear“  ins Visier von Kriminellen geraten. Laut Theaterleitung gingen in den letzten Tagen vermehrt Zuschriften und Anrufe ein, zum Teil in Form von Gewalt- und Morddrohungen.

„Dass die AfD und ihre Anhänger ein schwieriges Verhältnis zum Grundgesetz haben, ist nichts Neues, und die Partei sollte sich sofort von den Drohungen distanzieren, wenn sie nicht noch mehr Gewalt anheizen möchte“, sagte die Obfrau der Grünen im Kulturausschuss des Bundestages, Tabea Rößner, dem Handelsblatt. „Die Drohungen“, betonte Rößner, „überschreiten eine Grenze und zeigen, wie aufgeheizt die Stimmung in Deutschland ist.“

Das Grundgesetz schütze in Artikel 5 in besonderem Maße Kunst- und Meinungsäußerungsfreiheit, unterstrich die Grünen-Politikerin. „Hier muss und darf man anecken, auch wenn es nicht jedem passt. Das gehört zur Reflexion einer Gesellschaft“, sagte Rößner und fügte hinzu: „Ich stehe für diese Freiheiten ohne Wenn und Aber, ohne die unsere Demokratie nicht lebensfähig wäre.“

Scharfe Kritik äußerte der Vorsitzende der Berliner SPD, Jan Stöß. „Das kritische Künstler, Regisseure und Publizisten mit Gewalt- und Morddrohungen überzogen werden, kannten wir bisher nur aus Diktaturen“, sagte Stöß dem Handelsblatt. Die Einschüchterung von Künstlern dürfe jedoch in einer freien Gesellschaft keinen Platz haben. „Die AfD trägt offenbar zu diesem Klima des Hasses und der Gewalt bei, wenn eine AfD-kritische Inszenierung solche Reaktionen hervorruft“, fügte Stöß, der auch dem SPD-Bundesvorstand angehört, hinzu. „Die AfD muss sich davon klar und ausdrücklich distanzieren.“

Seit seiner Premiere am 25. Oktober hat das satirische Stück „Fear“ schon für einigen Wirbel gesorgt. Am Dienstag vergangener Woche war es zu einem Eklat gekommen, nachdem der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Lüth, ohne Erlaubnis in einer Aufführung filmte und ein Schauspieler ihm mit Rausschmiss drohte. Lüth sagte danach, das Stück sei „beleidigend und geschmacklos“.

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