Anti-Euro-Kampagne
AfD kupfert bei den Grünen ab

Der Bundestagswahlkampf der Grünen im Jahr 2002 stand unter dem Motto „Grün wirkt“. 13 Jahre später fährt die AfD eine Kampagne, die den Slogan wortgleich übernimmt.  Die Grünen reagieren mit beißendem Spott.
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BerlinMit dem Spruch „AfD wirkt“ macht die Alternative für Deutschland (AfD) derzeit gegen weitere Euro-Rettungsmaßnahmen mobil. Im Internet ist die Kampagne bereits angelaufen. Nun sollen weitere Maßnahmen folgen, wie aus einer Mail der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen hervorgeht, die am vergangenen Freitag an alle Parteimitglieder versandt wurde.

„Zahlreiche AfD-Kreisverbände möchten diese Aktion in den nächsten Tagen und Wochen auf die Straße bringen, Flyer verteilen und Info-Stände aufbauen“, heißt es in der Mail, die dem Handelsblatt vorliegt. Am Freitag seien die Landesverbände bereits in einer Telefonkonferenz über die „Gesamtkampagne „AfD wirkt““ informiert worden. Ab dieser Woche werde die Bundesgeschäftsstelle Flyer und Druckvorlagen für Banner und Plakate zur Verfügung stellen, „damit wir bundesweit mit einem einheitlichen Layout auftreten können“.

Solche Kampagnen sind an sich nichts Besonderes. Nur in diesem Fall scheint sich die AfD von den Grünen inspiriert haben zu lassen. Der Bundestagswahlkampf der Grünen im Jahr 2002 stand unter dem Motto „Grün wirkt“. Dass nun 13 Jahre später ausgerechnet die AfD den Slogan abkupfert, dafür hat der Grünen-Innenpolitiker Volker Beck  nur Spott übrig.

„Phantasielosigkeit und inhaltliche Leere prägen diese Partei des ewigen Vorgesterns. Da überrascht es nicht, wenn sie woanders Slogans abkupfert“, sagte Beck dem Handelsblatt. „Das Einzige, was die AfD bisher bewirkt hat: es gibt zwei neue Rechtsaußen-Parteien. Treffen Menschen, die von Hass und Ressentiments getrieben sind zusammen, führt die Rechthaberei eben schnell zu Streit oder zur Spaltung.“

Als Pfeifen im Walde bezeichnete es Beck, wenn nun AfD-Chef Petry den Euro ins Zentrum einer Kampagne rücke. „Ihr Mister Anti-Euro ist ihr gerade samt Mannschaft unter Mitnahme der Rettungsboote von Bord gegangen“, sagte Beck unter Anspielung auf den früheren AfD-Chef Bernd Lucke, der die Partei verlassen hatte, nachdem er im Machtkampf um den AfD-Bundesvorsitz Petry unterlegen war.

Die „Rest-Kompetenz der Rumpf-AfD“, so Beck weiter, bestehe jetzt nur noch „in rassistischen und homosexuellenfeindlichen Ressentiments, gesellschaftspolitischem Biedermeier und einer außen- wie innenpolitischen Orientierung an Moskau“.

Abkupfern warf die AfD ihrerseits zuletzt ihrem früheren Vorsitzenden Lucke vor. Bei dem dem Streit geht es um angeblich nahezu wortgleiche Passagen in den Parteiprogrammen der AfD sowie der von Lucke neugegründeten Partei Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa). AfD-Sprecher Christian Lüth sagte dazu der „Bild“-Zeitung, es sei „erstaunlich, wie viele Programmpunkte schlichtweg von unserem Programm kopiert wurden“. Daher würden „rechtliche Schritte wegen Diebstahls geistigen Eigentums“ geprüft.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Anti-Euro-Kampagne: AfD kupfert bei den Grünen ab"

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  • „Er verunglimpft massiv. Kann mal jemand Strafanzeige gegen diesen Mann stellen?“

    Dann müßte man gegen fast jeden AfD-Befürworter, der hier postet, ebenfalls Anzeige erstatten; was da an Hetze, Verunglimpfungen, Beleidigungen und Menschenverachtung gegen Rote, Grüne, Flüchtlinge etc. losgelassen wird… aber so ist es halt mit den selbsternannten Bewahrern des „Rechts“: Austeilen ist kein Problem, aber beim Einstecken hapert es gewaltig.

  • Wie feindselig, abschätzend und beinahe Menschenverachtend der Herr Beck sich über eine Partei und deren Wähler äußert.

    Er verunglimpft massiv. Kann mal jemand Strafanzeige gegen diesen Mann stellen?

    Das ist Hetze, nichts anderes.


  • Herrlich, das zeigt die intellektuellen Fähigkeiten der sozialistischen Grünen. Sie beschränken sich, so darf ich jetzt wohl annehmen, darauf, das Verb "wirken" im Duden entdeckt zu haben. Nein, mehr noch: Sie haben es in Verbindung mit "Grün" auch noch konjugiert. Das werden künftige Generationen, welche die nach den Vorstellungen der Grünen gestalteten staatlichen Bildungskolchosen durchlaufen haben werden, kaum mehr vermögen.

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