Anti-Islam-Bündnis
„,Pegida'-Demonstranten sind keine arglosen Bürger“

Nazis will er die Demonstranten nicht nennen, aber ihre Forderungen seien rechts: SPD-Vize Ralf Stegner hat „Pegida“ kritisiert. Auch der Zentralrat der Muslime reagiert –fordert allerdings etwas anderes.
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Kiel/ BerlinSPD-Bundesvize Ralf Stegner hat die regelmäßigen Demonstrationen des Anti-Islam-Bündnisses „Pegida“ (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) scharf kritisiert. Er wolle keinesfalls Tausende Demonstranten als Nazis bezeichnen, sagte Stegner der Deutschen Presse-Agentur. „Aber arglose Bürger, die nicht wissen, was dort geschieht, sind das nicht. Das müssten solche sein, die Augen, Ohren und Nase zuhalten. Das stinkt nämlich, das ist inhaltlich rechts und das kann man hören und sehen.“

Die Mitte der Gesellschaft demonstriere nicht gegen Flüchtlinge, sagte Stegner. Es gebe dafür im reichen Deutschland keinerlei Grund. „Der Satz „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber..“ ist in beiden Satzteilen falsch“, sagte Stegner. Behauptungen, Flüchtlinge wollten alle die deutschen Sozialsysteme unterwandern, seien „rechter Unfug“. Stegner: „Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie vor Bürgerkrieg, Verfolgung oder bitterer Armut fliehen müssen.“

Natürlich müsse den Kommunen dabei geholfen werden, Probleme bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu lösen. Die Veranstalter der „Pegida“-Demonstrationen in Dresden versuchten jedoch, durch Hetze Nährboden zu finden für rechten Ungeist. „Es ist wahrscheinlicher, in Sachsen einen fünf Wochen andauernden Schneesturm zu erleben als eine Islamisierung.“

Der Zentralrat der Muslime ruft hingegen dazu auf, sich mit den Anhängern der islamfeindlichen Bewegung Pegida ernsthaft auseinanderzusetzen. Diese Menschen hätten beispielsweise Angst vor einer weiter aufklaffenden „Schere zwischen Arm und Reich“, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Angst, „dass sie ihre Rente nicht bekommen“, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek am Samstag im Rundfunk Berlin-Brandenburg. „Damit müssen wir uns auseinandersetzen“, forderte er.

Mazyek wies zugleich darauf hin, dass einige „Rädelsführer, auch Rechtsradikale“, bei Pegida versuchten, „diese Themen zu islamisieren“. Der Begriff Islamisierung werde dabei als Deckmantel benutzt. Die Politik müsse sich mehr um die sozialen Sorgen der Menschen kümmern, verlangte Mazyek.

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Zentralrat der Juden nimmt Muslime in Schutz

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  • Soso, Herr Stegner möchte die Pegida-Demonstranten nicht als Nazis bezeichnen...
    Dieser rhetorische Kniff entlarvt sein Denken - er tut es damit doch, nur macht er es juristisch korrekt.

    Das ist genau die Krux: Politiker wie Herr Stegner kommen derart arrogant und selbstgerecht daher und ziehen erst mal alles durch einen braunen Kakao, was nicht in ihr Weltbild passt. Das verspielt bei den meisten Mitbürgern jeglichen schmalen Kredit, den ein Politiker - noch - haben könnte.

    Politik heißt doch Diskussion, Auseinandersetzung mit politischen Gegnern / Partnern, und damit Austausch von sachlichen Argumenten, und Zuhören.
    Das kann und will Herr Stegner offensichtlich nicht. Ich will ihn nicht als Anti-Demokraten bezeichnen ...

  • Warum? Weil er in einer Ecke steht, in der es mindestens genauso stinkt, wie in der Ecke, die er beschimpft. Möglicherweise wird sein Denkvermögen dadurch beeinträchtigt.

  • Wo ist eigentlich Stanislaw Tillich??
    Ist er nicht eigentlich MP in Sachsen mit Sitz in Dresden ??
    Die Demos finden auf seinem Schlosshof statt und er ist bisher erfolgreich abgetaucht.
    Bequemlichkeit der Politiker .....
    Ich wohne in Sachsen und sehe und höre ihn nicht .

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