Anti-Terror-Kampf
Fast so cool wie James Bond

Bundesinnenminister de Maizière stellt seine neue Anti-Terror-Truppe vor: die BFE+. Doch wie heikel die Einsätze für die Beteiligten werden, zeigen die Missionen anderer Eingreiftruppen.
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Zu „Star Wars“ werden sie ja nicht gerade ausrücken, die 250 deutschen Navy Seals, die jetzt beschlossene Sache sind. Und sie werden auch nicht wie James Bond mit raketenbestücktem Aston Martin und schießfähigem Siegelring durch die Welt jagen und ganz nebenbei mal ein paar Stadtteile irgendeiner Metropole zwischen Amazonas und Sibirien in Schutt und Asche legen. Heikel genug aber könnte der Auftrag der „BFE+“ (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten) Einsatztruppe allemal werden. Sie sollen als Anti-Terror-Truppe der GSG 9 – die nach dem Terroranschlag bei den Olympischen Spielen in München 972 gegründet worden war – zur Seite stehen.

Wie heikel Anti-Terror-Einsätze für die Beteiligten prinzipiell sein könnten, erkennt man, wenn man sich die Einsätze der amerikanischen Navy Seals und anderer speziellen Eingreiftruppen anschaut. Ihre mal gute, mal verheerende Wirkung liegt in ihren zumeist heimlichen Aufträgen begründet.

Zum einen waren es solche hochtrainierten wie hochgerüstete Spezialkräfte, die maßgeblich bei der Gefangennahme und Tötung von Bin Laden beteiligt waren. Zum anderen haben solche kaum kontrollierten Einsatztruppen in Afghanistan eine Spur wildester Verwüstungen hinterlassen, sind zuhauf im Schutz der Nacht in scheinbar verdächtige, zivile Wohnungen eingefallen, haben deren Bewohner umgebracht und die Leichen auf nimmer Wiedersehen entsorgt. Einen solchen Aktionsradius wird es bei den möglichen Extremeinsätzen der BFE+-Kräfte nicht geben.

Im Notfall, wie bei terroristischen Attacken, kann die Regierung auf sie als Teil der Bundespolizei zurückgreifen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière: „Die Struktur der Anschläge und die anschließenden Vorfälle in Paris zu Beginn des Jahres haben uns gelehrt, dass wir die Bundespolizei mit den neuen Einheiten der BFE+ um ein entscheidendes neues Element ergänzen müssen, um besser gerüstet zu sein im Kampf gegen den Terror.“

Struktur und Aufgabenbeschreibung schließen aus, dass eine heimliche Anti-Terror-Gruppe sozusagen prophylaktisch und im heimlichen Auftrag etwa der Kanzlerin für Ordnung sorgen soll. Zusammen mit den GSG9-Leuten sollen sie vielmehr bei besonders heiklen Situationen, öffentlichen Notlagen also, die Oberhand gewinnen. So viel zur Theorie.

In der Realität gibt es sie längst, diese Truppe – auf Länderebene als polizeiliche Spezialkräfte mit besonderen Aufgaben. Diese BFE unterstützen andere Polizeikräfte beim Vorgehen gegen Gewalttäter und führen beweissichere Festnahmen bei Krawallen, Fußballspiele, Demonstrationen und so weiter durch. Sie sind auch befugt, länderübergreifend loszulegen. Ein weiterer Einsatzbereich sind Razzien.

Nun also kommt das „+“ hinzu: BFE+. Und + steht für Terror. Die erste Teileinheit mit 50 Sicherheitskräften nimmt an diesem Mittwoch am Bundespolizei-Standort in Blumberg bei Berlin ihre Arbeit auf. Weitere vier Teileinheiten mit je 50 Beamten sollen 2016 an anderen Standorten folgen. Eine „Super-GSG 9“ soll die BFE+ also nicht sein. Während Polizisten bei Sondereinsatzkräften wie der GSG9 ausschließlich für Spezialeinsätze abgestellt sind, tagtäglich Einsätze üben, trainieren, sollen die Neuen ganz normal ihren Dienst schieben, – bis sie zum Anti-Terror-Einsatz gerufen werden. Sie sind angedockt an die Bereitschaftspolizei des Bundes und leisten dieselbe Arbeit wie die BFE. Auf den Aston Martin werden sie also wohl vergebens warten.

Kommentare zu " Anti-Terror-Kampf : Fast so cool wie James Bond"

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  • Der wehrhafte Staat muss mit allen zur Verfügung stehenden Mittel die rechte Szene
    bekämfen. Im Notfall auch mit der Polizei.

  • Überall Waffen und Polizei dabei kommen nur friedfertige Schutzsuchende nach Deutschland, ich verstehe Ihren Hass nicht. Wir müssen doch helfen.

  • Ihre Hetze ist ganz schlimm, wie soll man noch an das Gute glauben ?

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