Anti-Wall-Street-Demos
„Es geht gegen die Banken“

Mehrere tausend Menschen haben auch in Deutschland gegen das "Treiben der Finanzmärkte" demonstriert, unterstützt von Gewerkschaftern und Politikern. In Rom gab es bei einer ähnlichen Veranstaltung viele Verletzte.
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Aus Protest gegen die Finanzindustrie sind am Samstag auch in Deutschland mehrere tausend Menschen auf die Straße gegangen. Mit Kundgebungen in Frankfurt, Berlin und Hamburg schlossen sich die Demonstranten den weltweiten Protesten gegen den Einfluss von Banken und Aktienmärkten an. „Es geht gegen die Banken, gegen die finanziellen Machthaber im System, es geht darum, dass Profite vor den Menschen stehen“, sagte der Sprecher der Bewegung „Occupy Frankfurt“, Wolfram Siener, bei der Kundgebung vor der Europäischen Zentralbank in der Finanzmetropole Frankfurt.

Der Sprecher der globalisierungskritischen Organisation Attac, Alexis Passadakis, warf den europäischen Regierungen vor, mit ihrer Politik die Krise noch zu verschärfen, den Sozialabbau voranzutreiben und über die Rettungspakete für die Banken die Demokratie zu schädigen. Vorbild des weltweiten Aktionstags ist die Anti-Wall-Street-Bewegung in New York. Attac sprach von mehr als 40.000 Teilnehmern, andere Schätzungen
lagen indes deutlich niedriger.

Unterstützung erhielten die Demonstranten auch von etablierten Organisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund. „Dieser weltweite Protest vieler tausender vorwiegend junger Menschen ist ein Alarmsignal“, warnte DGB-Chef Michael Sommer. Die Demonstranten brandmarkten zu Recht das Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich. „Jenseits jeglicher demokratischer Legitimation und ohne Verantwortung für die Allgemeinheit sind skrupellose Investmentbanken dabei, unsere Gesellschaft zu spalten und aus den Angeln zu heben.“

Die Staats- und Regierungschefs weltweit müssten die Menschen und deren Anspruch auf ein besseres Leben in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen und nicht die Interessen anonymer Finanzmärkte. „Man muss der Spekulation das Handwerk legen und die Finanzmärkte stark regulieren“, forderte Sommer. Es gehe um nichts Geringeres als die Zukunft der demokratischen Gesellschaften. „Es ist fünf vor zwölf: Finanzmarktregulierung jetzt“, erklärte Sommer.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erklärte, die Regierungen müssten endlich den Mut haben, dem hemmungslosen Treiben der Finanzmärkte ein Ende zu setzen. „Zu Recht kann niemand verstehen, dass die Verursacher der Krise noch immer nichts zu ihrer Lösung beigetragen haben“, betonte sie. Die Banken müssten über eine private Gläubigerbeteiligung und eine Finanztransaktionssteuer zur Verantwortung gezogen werden, damit nicht immer nur die Steuerzahler für die Folgen der Krise aufkommen müssten. Der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß forderte, der verständliche Protest der Menschen müsse in praktische Politik umgesetzt werden.

„Den Menschen wird bewusst, dass sie in den jetzigen Systemen nicht frei sind, es ist eine Freiheitsbewegung“, sagte ein Demonstrant in Frankfurt. In Deutschland waren am Samstag in mehr als 50 Städten Demonstrationen und Kundgebungen geplant. In Frankfurt protestierten nach Angaben der Polizei rund 5200 Menschen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die europäische Finanzpolitik. In Berlin und Hamburg demonstrierten jeweils etwa 1000 Menschen. In der Hauptstadt veranstaltet das globalisierungskritische Netzwerk Attac eine „Krisenanhörung“ zu den Auswirkungen der Finanzkrise. Am Nachmittag waren Demonstrationen vor dem Bundeskanzleramt und im Stadtteil Kreuzberg geplant.

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Zahlreiche Demos in aller Welt

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  • @rolfnighthawk: revolu "hick" tion! Hängen "hick" und zwar alle Politiker, Banker und sonst "hick" alle Schulligen. Tschuldijung!Prost!
    In vino veritas? Oder sonst irgendwie berufen, die seeligmachende Wahrheit zu verkünden? Mit dem geistigen Hintergrund ist es natürlich elemantar, eine nationale Revolution auszurufen...

  • Tja - wen soll man hängen, oder zuerst hängen, diejenigen, die das Geld gegeben haben oder die, die es ausgegeben haben?
    Die Verbrecher sitzen zuerst einmal in den parlamenten - und um ihren Arsch zu retten, wollen sie uns nun helfen ...
    ihren arsch retten, das heisst, weiterhin auf ihren positionen zu verharren, noch an der Krise zu verdienen, eben weiterhin ihre Diäten einzustreichen und ihre abartigen pensionen abzusichern
    das nennen sie dann systemrelevanz
    revolution ist angesagt!

  • @Mac
    Zitat: "Leistungs-Propagandisten, die sich selbstverständlich eines der besten Verkehrsnetze der Welt, High-Tech-Infrastruktur, Kindergärten und Allgemeinmedizin und Co. von der Allgemeinheit bezahlen lassen - um dann ihre Millionen nach Liechtenstein zu schaffen und hier im Forum über die Sozialkosten rumstänkern!"

    Jetzt wirst du besser. Sauber formuliert! Ich glaube nur nicht, daß diese schwerreichen Leute hier rumstänkern, das ist aber auch schon alles an Kritik. Ansonsten ist diesem Zitat, das eigentlich deinen ganzen Beitrag prägnant zusammenfaßt, nichts hinzuzufügen. Es stimmt. Und es ärgert mich auch.
    Allerdings stört mich auch dieser reflexartige "Zugriff" auf alle "Besitzenden" und zwar ohne Rücksicht auf (deren) Verluste. Ich weiß im Moment gar nicht, warum mich das stört (ich bin nicht wohlhabend). Man muß auch anerkennen, daß viele sich durch echte Leistung ihren Wohlstand erarbeitet haben. Genauso, wie man leider erkennen muß, es gibt viele Sozialschmarotzer. Man darf beide Enden der Skala nicht einfach über einen Kamm scheren.

    tschüß bis nexte mal...

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