Antrittsbesuch bei Porsche
Kretschmann auf Schmusekurs mit der Autoindustrie

Mit dem Satz "Weniger Autos sind natürlich besser als mehr" hatte Kretschmann einst die Autoindustrie zum Schäumen gebracht. Bei Porsche gibt sich der südwest-grüne Regierungschef jetzt handzahm.
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StuttgartFür Baden-Württembergs neuen Ministerpräsidenten war es kein einfacher Antrittsbesuch. In dunkler S-Klasse vom Konkurrenten Mercedes fuhr Winfried Kretschmann beim Sportwagenbauer Porsche im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen vor. Ziel der Mission war klar: Kretschmann musste die Front, die er selbst mit einer unbedachten Äußerung aufgerissen hatte, schnellst möglich öffentlichkeitswirksam befrieden. Hatte er doch zu Amtsbeginn mit seinem Plädoyer für weniger und kleinere Autos die Belegschaft des Sportwagenbauers mit ihrem wortgewaltigen Anführer Uwe Hück vor den Kopf gestoßen. Der ließ sich vor wenigen Wochen nicht zweimal bitten und warf Kretschmann eine porsche-feindliche Haltung und Jobvernichtung vor.

Doch heute hatten sich plötzlich wieder alle lieb. "Toll dass der Ministerpräsident so schnell zu Porsche gekommen ist", flötet Hück in die Mikrophone. Der Betriebsratschef mit Vorstandschef Matthias Müller und Aufsichtratschef Wolfgang Porsche im Gefolge zeigten dem neuen Landesherrn die Produktion. "Ich war sehr, sehr beeindruckt, mit wie viel Leidenschaft hier die Autos entstehen", fand dann auch Kretschmann danach und lobte die Fortschritte der VW-Tochter bei Elektromobilität beim E-Boxster und den Hybridmodellen des Cayenne und Panamera. Besonders hob er Hücks Engagement hervor, die Produktionsplätze altersgerecht einzuteilen.

Bei Linsen mit Spätzle in der Kantine ging Kretschmann auf Tuchfühlung mit der Belegschaft. Anders als bei Besuchen von Vorgänger Stefan Mappus (CDU) oder SPD-Chef Sigmar Gabriel mussten die Kameras aber draußen bleiben. An ihm habe das nicht gelegen, sagt Hück später. Bleibt die Staatskanzlei, die dann doch etwas zu viel bebilderte Vereinnahmung des Ministerpräsidenten befürchtet hatte. Ihr Chef übte sich schon so im schwierigen Spagat, räumte ein, dass der Anteil der Porschefahrer an den CO2-Emissionen wegen der geringen Stückzahlen eher gering sei und machte sich sogar ein typisches Argument der Premiumhersteller zu eigen. Wenn teure Fahrzeuge auch zum Technologieträger für Umwelttechnologie würden, könnten Sportwagen eine positive Rolle spielen. "Gehen Sie weiter in die grüne Richtung, dann kommen wir gut zusammen", sagte Kretschmann. Er habe zwar nicht die "nicht nur rationale Beziehung" zu den Sportwagen wie Porschefahrer, aber "ich möchte auch nicht der Tugendwächter sein".

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  • Wie elegant man doch Politiker jeder Coleur zurechtfalten kann wenn man genug wirtschaftliche Power in der Hinterhand hat.

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