Antrittsbesuch in Berlin
Gaucks Verhältnis zur Wirtschaft bleibt eine Baustelle

Zum ersten offiziellen Rendezvous mit Berlin schleppt Wowereit den Bundespräsidenten zu jungen Gründern. Doch das Treffen fiel frostig aus. Beim Thema „Freiheit“ fällt Gauck viel ein, aber nicht unbedingt die Wirtschaft.
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BerlinJoachim Gauck lebt zwar schon seit fast 20 Jahren in Berlin, seit sieben Monaten residiert er als Bundespräsident im Schloss Bellevue - doch seinen "Antrittsbesuch" in der Hauptstadt absolvierte er an diesem  Montag. Auf dem Programm: ein Eintrag in das Goldene Buch der Stadt, eine Moscheebesichtigung  und eine Stippvisite im neuen Gründerzentrum „Factory“.

Das Treffen des Präsidenten mit den Gründern sollte eigentlich der Höhepunkt des Tages werden. Und es fing vielversprechend an, mit einem Helm für den Präsidenten. Denn die "Factory" in der Nähe der Mauergedenkstätte an der Bernauer Straße, auf dem Gelände einer früherer Brauerei, ist noch ein Rohbau. Der Empfang fand in einer spartanischen Halle statt: Graffitis, ein Boden aus nacktem Beton, fünf mobile Heizpilze sorgten für etwas Wärme. Und zum Schutz der Gäste wurden Bauhelme verteilt.

Eine unkonventionelle Räumlichkeit für den Staatsbesuch – der Präsident, seine Lebensgefährtin Daniela Schadt und Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit fühlten sich in dieser Atmosphäre auch nicht so richtig wohl. Nach einer kurzen Vorstellung des Gründerzentrum, stellte Gauck eine einzige knappe Frage: „Und wie finanziert sich das?“

Dann wollte der 72-Jährige lieber etwas sehen. So zog das Trio samt Entourage weiter, es erwartete sie eine exklusive Führung durch das Gründerzentrum.

In der Factory sollen künftig etablierte Firmen und Start-Up-Unternehmen, nebeneinander, vor allem aber auch miteinander arbeiten. Unter den  Investoren des Projektes befinden sich echte Spezialisten der Internetbranche. Neben Simon Schäfer, der zuvor bei dem Internet-Bezahlspezialisten Wirecard arbeitete, sind auch Marc Brucherseifer, Gründer des Mobilfunkanbieters Drillisch und Mario Suter, Mitbegründer des Sozialen Netzwerk Studi VZ  mit dabei.

Auch die ersten Mieter stehen schon fest: Die Online-Audio-Plattform Soundcloud und die Software-Entwickler von 6Wunderkinder sind bereits in den ersten, fertigen Teil eingezogen. Vertreter der Factory und den ansässigen Firmen begleiteten Gauck auf der Führung durch den 10.000 Quadratmeter großen Komplex.

Trotzdem, für die Wirtschaft blieb bei diesem Amtsantritt  nur wenig Zeit – nach fünf Minuten ist zumindest der öffentliche Teil schon wieder vorbei. Der ehemalige Bürgerrechtler Gauck blieb damit seiner bisherigen Linie treu. Gaucks Kernthema  ist schließlich die Freiheit, und die berührt die Finanzwelt nur in wenigen Punkten. 

Doch bekannt ist, dass er sich auch für das Wirtschaftssystem mehr Freiheit wünscht. In seinem Buch „Freiheit. Ein Plädoyer“ schreibt er, dass Demokratie und Marktwirtschaft zwar einige Mängel aufweisen, das System aber lernfähig sei. In keiner anderen Ordnung seien Freiheit und Eigenverantwortung  besser gestaltet worden als in der Marktwirtschaft.

So verlief Gaucks Besuch ohne Überraschungen. Sogar bei der Auswahl des Bauhelmes, blieb der 72-Jährige seiner Linie treu - der parteilose Bundespräsident und seine Lebensgefährtin griffen zu einem Helm in neutralem Weiß. Klaus Wowereit entschied sich dagegen - wie sollte es auch anders sein - für ein sattes Rot.

Kommentare zu " Antrittsbesuch in Berlin: Gaucks Verhältnis zur Wirtschaft bleibt eine Baustelle"

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  • Gauck ist ein weiteres Beispiel, wie das Verschachern von Pfründen durch die politischen Seilschaften das politische System entlarvt und damit den Widerwillen (von Verdrossenheit kann kaum noch die Rede sein, eher schon von Hass)der arbeitenden Bevölkerkung anfacht.

  • Gauck ist ein theatralischer, selbtverliebter Rumschwafler
    Und liebes HB, von Ihrem Blatt erwarte ich korrekte Berichterstattung.
    Gauck war nie ein Bürgerrechtler, also sollten Sie ihn auch nciht so benennen

  • Bedauerlicherweise hat es Gauck bislang lediglich zum freiheitsverliebten Dampfplauderer gebracht.
    Substantiell hat er bislang 0 (in Worten Null) zustandegebracht.
    Gut: weniger wäre auch nicht mehr.
    Aber außer freundlichen Umarmungsgesten, in der Wirtschaft wartet man förmlich drauf wie es scheint, vermag der pastorale Haustheologe der Bundesrepublik mit mehr bislang nicht aufzuwarten wie es scheint.

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