Antrittsreisen
Warum Westerwelle die Kleinstaaten umgarnt

Erst Polen, dann die Niederlande und am Dienstag Luxemburg und Belgien. Selten hat ein neuer Bundesaußenminister die Beziehungen zu den kleinen Nachbarn so betont wie der Rheinländer Guido Westerwelle. Was steckt dahinter? Er selbst spricht von einem "bewussten Zeichen". Und die Länder reagieren erfreut.

DEN HAAG/PARIS. Nur die alte "Theodor Heuss" hat sich auf die neue Zeit noch nicht eingestellt. Der VIP-Airbus der Luftwaffe steht auf dem Flughafen Rotterdam längst auf der Parkposition, die Gangway ist herangefahren. Doch die Tür lässt sich partout nicht öffnen. Es wird gebastelt, die Gangway abgesenkt. Dann klopft ein Mitarbeiter des Flughafens an die Tür des Flugzeugs, die sich nun öffnet.

Endlich kann der Auftritt von Guido Westerwelle beginnen, der sich in den Niederlanden bereits auf Station zwei seiner Antrittsreise als Außenminister befindet. Zuvor Polen, am Dienstag Luxemburg und Belgien, auf dem EU-Gipfel vergangene Woche ein Frühstück mit den drei Außenministern der Beneluxstaaten - selten hat ein neuer Bundesaußenminister die Beziehungen zu den kleinen Nachbarn so betont wie der Rheinländer Westerwelle. "Das ist ein bewusstes Zeichen", betont der 47-Jährige immer wieder. Da wirkt es fast wie ein "Ausrutscher", als der Vizekanzler am Montagnachmittag auch noch in Paris Station macht.

Doch Westerwelle kann das egal sein, für ihn zahlt sich das Besuchsprogramm aus. Polen und Niederländer sind so erfreut über die unerwartete Aufmerksamkeit, dass sie ihm einen für Außenminister ungewöhnlich großen Empfang bereiten. Präsidenten, Premiers, Außenminister - alle haben Zeit für ihn. Das liefert die erhofften Bilder über seine Ankunft in der internationalen Politik.

Nicht, dass Westerwelle schon viel zu sagen hätte. Als er neben dem niederländischen Kollegen Maxime Verhagen sitzt, genießt er vor allem den Dank und das Lob seines Gastgebers. "Ein sehr, sehr gutes Zeichen, dass Guido hier ist", betont Verhagen. Westerwelle beschränkt sich weitgehend auf allgemeine Formelsprache und Höflichkeiten.

Erst in Paris wird es ernster, was dann vielleicht doch an der Größe des Landes liegt. Hier reicht es für Westerwelle plötzlich nicht mehr, einfach nur da zu sein - auch weil er nicht nur seinen Amtskollegen Bernard Kouchner sieht, sondern auch Premierminister François Fillon und Präsident Nicolas Sarkozy die Aufwartung macht. Vom Außenminister der Uno-Vetomacht lässt sich Westerwelle über Afghanistan, Iran und den Nahen Osten briefen.

Wie beeindruckt der deutsche Außenminister von der neuen Welt ist, in der er sich nun bewegt, verhehlt er am Ende in dem prunkvollen Salon de l'Horloge im französischen Außenministerium nicht: "Wenn ich eines zu den Räumlichkeiten anmerken darf: Dies ist einer der schönsten Säle, in denen ein Politiker in seinem Leben Pressekonferenzen abhalten kann", sagt der Weltreisende. Kouchner beruhigt ihn gelassen: "Du wirst noch häufiger hier sein. Mein Freund, du bist hier zu Hause."

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