Antworten zur EEG-Reform
Wird Strom jetzt billiger?

Besondere Ausgleichsregelung, garantierte Vergütung, Eigenstromverbrauch – gerade hat der Bundestag neue Regeln für die Energiewende beschlossen, und kaum jemand blickt noch durch. Was die Reform für Sie bedeutet.
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DüsseldorfDie Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hat gerade den Bundestag passiert. Für manche Unternehmen wird es teurer, die Strompreise sinken trotzdem nicht. Die Energiewende soll mit den Neuregelungen bezahlbar bleiben und EU-rechtlich unanfechtbar machen. Doch schon kommende Woche droht neues Ungemach aus Luxemburg. Fragen und Antworten zum Ökostromgesetz.

Welche Änderungen hat das Kabinett beschlossen?

Viele. Das Wichtigste: Die Vergütungssätze sollen weiter sinken, langfristig soll die Reform die Abkehr von garantierten Zahlungen einleiten. So soll die Vergütung für neue Anlagen im Schnitt auf 12 Cent je Kilowattstunde sinken. Ab 2017 soll es Ausschreibungsmodelle geben – den Zuschlag für einen Windpark könnte dann das günstigste Angebot bekommen. Insgesamt soll der Ökostrom mehr dem Markt aussetzt werden, die Betreiber von größeren Neuanlagen etwa müssen künftig den von ihnen erzeugten Strom selbst vermarkten, um eine Förderung nach dem EEG zu erhalten. Das heißt, sie müssen jetzt selbstständig einen Abnehmer für ihren produzierten Strom suchen, und können den Strom nicht wie bisher einfach ins Netz leiten und die EEG-Umlage kassieren. Ab 1. August 2014 gilt das für alle Neuanlagen ab einer Leistung von 500 Kilowatt, ab 1. Januar 2016 für alle Neuanlagen ab einer Leistung von 100 Kilowatt.

Warum sind die Neuregelungen nötig?

Die Einspeisegarantie sollte den Betreibern grüner Anlagen Planungssicherheit geben und die Produktion grünen Stroms rentabel machen. Das Modell war erfolgreich - zu erfolgreich. In den vergangenen Jahren wurden sehr viele neue Anlagen errichtet, damit stieg auch die EEG-Umlage immer weiter. Einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt, der 3400 Kilowattstunden verbraucht, kostet die EEG-Umlage derzeit 212 Euro netto im Jahr. Vor zehn Jahren lag die Ökostromumlage noch bei 0,54 Euro pro Kilowattstunde, 2014 waren es schon 6,24 Cent. Tendenz steigend. Zudem hat die EU Druck gemacht. Die Industrieprivilegien – zahlreiche stromintensive Unternehmen sind von der Umlage fast vollständig befreit – entsprechen nicht den Regeln der EU, monierte sie und drohte damit, dass die Unternehmen selbst bereits gewährte Vergünstigungen nachzahlen müssen.

Heißt das, dass jetzt der Strompreis sinkt, weil die Haushalte weniger EEG-Umlage zahlen müssen?

Nein. Sinken werden die Strompreise nicht, allenfalls weniger stark steigen. Der Grund: Die schon in Betrieb genommenen Anlagen profitieren weiter von der zum Anschluss garantierten EEG-Umlage. Lediglich die neuen Anlagen sollen wieder ein bisschen weniger Vergütung kassieren. Die EEG-Umlage wird also nicht sofort sinken. Das neue Gesetz sieht aber auch vor, dass der Ausbau der Erneuerbaren gedeckelt wird, das heißt es wird langfristig weniger neuer Ökostrom erzeugt, der auch weniger vergütet werden muss.

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