Anwerbungskriterien
Gabriel will Zuwanderung ausländischer Fachkräfte bremsen

SPD-Chef Sigmar Gabriel will die Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte so lange bremsen, bis Arbeitslose in Deutschland besser in Arbeit kommen. Vor allem ältere Arbeitslose sollen eine neue Chance bekommen. Von einem Punktesystem wie es zuletzt von Ursula von der Leyen vorgeschlagen wurde, hält Gabriel wenig.
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HB BERLIN. „Es reicht nicht, Kriterien für Einwanderung zu definieren, sondern zuerst müssen wir deutlich mehr für Jugendliche ohne Berufsausbildung, ältere Arbeitnehmer und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun“, erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Sonntag in Berlin. „Vorher dürfen wir den scheinbar leichten Weg zur Anwerbung von Fachkräften im Ausland nicht begehen.“

Ausdrücklich kritisierte Gabriel Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die am Wochenende angekündigt hatte, ein neues Kriterien-System zur Zuwanderung zu entwickeln. „Wir brauchen Einwanderer, die zu uns passen“, sagte von der Leyen der „Bild am Sonntag“. „Ich bin für ein Kombi-Profil, das zusätzlich berücksichtigt, in welcher Branche, in welcher Region welche Fachkraft in drei Jahren fehlen wird.“ Solch ein Job-Monitoring-System baue das Ministerium derzeit in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit, den Wirtschaftsverbänden und den Gewerkschaften auf.

Von der Leyen distanzierte sich zugleich vom Koalitionspartner FDP: Deren Konzept, ein Punktesystem für Zuwanderer nach Qualifikation, Alter und Deutschkenntnissen zu entwickeln, reiche allein nicht aus.

Ebenso wie jetzt Gabriel hatte auch CSU-Chef Horst Seehofer die von etlichen CDU-Ministern und der FDP geforderte Anwerbung ausländischer Fachkräfte zum jetzigen Zeitpunkt ablehnt.

Ausdrücklich stellte auch Gabriel zudem einen Zusammenhang zur Integrationsdebatte her. Es sei kein Wunder, wenn es einen Fachkräftemangel gebe, weil sich bereits Zweidrittel der Betriebe in Deutschland um ihre Ausbildungspflicht drückten.

„Wenn dieses Problem jetzt ausschließlich über Einwanderung gelöst werden soll, so muss sich niemand über Ausländerfeindlichkeit wundern.“

Der SPD-Chef hatte bereits im Deutschlandfunk-Interview deutlich gemacht, dass er auch Seehofers Kritik an der Rente mit 67 teile. Solange es nicht genügend Jobs für ältere Arbeitnehmer gebe, wirke die Regelung wie eine Rentenkürzung. „Da hat er ja recht, nur er muss es dann auch durchhalten und muss nicht in ein paar Wochen wieder umfallen“, sagte Gabriel zu den in der Union umstrittenen Seehofer-Äußerungen zur Rente mit 67.

Kommentare zu " Anwerbungskriterien: Gabriel will Zuwanderung ausländischer Fachkräfte bremsen"

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  • ist Sarrazin am Ende doch in der richtigen Partei ?
    Oder ist das nur wieder eine billige Politfinte, um vor der nächsten Wahl rechts anzutäuschen ?
    Da wähle ich doch lieber das Original: die Linke. Die sind von der Zeitarbeitsindustrie hoffentlich noch nicht gekauft.

  • Huch, was ist denn mit Gabriel los? Solche Töne kennt man ja gar nicht mehr von der SPD.
    besinnt die SPD sich mal wieder auf ihre sozial-demokratischen Wurzeln? Und sozial heißt ja nicht, mit der Gießkanne übers Volk gehen, dies wurde zu viele Jahre gemacht.
    Aber er hat völlig Recht, man kann nur hoffen, dass er dabei bleibt.
    Es kann ja nicht sein, dass schon der Mittvierziger der heute arbeislos wird, morgen keine Stelle mehr findet, weil er a.) zu alt und b.) man plötzlich befindet, er sei nicht qualifiziert genug. Das ist purer Zynismus gegen gut ausgebildete Menschen und müßte eientlich mal vor Gericht verhandelt werden. Wer solche Äußerungen macht, diskriminiert gewaltig. Außerdem ist es eine unerhörte Frechheit
    Jetzt soll die Verdienstgrenze abgesenkt werden von 66.000 auf 40.000 € um scneller Kräfte aus dem Ausland zu bekommen.
    Das ist eine glatte Lüge. Dieses Absenken dient nur einem Zweck, nämlich weiterem Lohndumping. Denn im Klartext sieht es dann so aus, dass auch einem deutschen ing. nicht mehr bezahlt werden soll als 40.000 €.
    Und da wundern wir uns, dass unsere jungen gut ausgebildeten Deutschen in Scharen das Land verlassen?
    Außerdem sieht man an dieser Forderung und Debatte, dass Politiker nichts aber auch gar nichts lernen. in dieser derzeiten integrationsdebatte und all den Verwerfungen, nach weiterer Zuwanderung zu rufen, ist kriminell

  • Ach, ich fasse es nicht. Sollte sich Herr Gabriel wieder auf alte sozialdemokratische Werte besinnen? Das ließe ja hoffen, dass die SPD vielleicht doch nicht ganz den bach runtergeht und sich mal wieder darauf besinnt, dass sie die Sozialdemokratische Partei DEUTSCHLANDS ist.

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