Anzeigenkampagne der Atomlobby Was sagen Sie nun, meine Herren?

Im Herbst 2010 machte die Atomlobby mit einer Kampagne Druck für die AKW-Laufzeitverlängerung - mit Erfolg. 40 Manager unterstützten den Appell - nach dem Atom-Horror in Japan wollen die meisten davon nichts mehr wissen.
  • Marc Brost
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Kommt auch durch die Atom-Katastrophe in Japan nicht ins Grübeln: Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Quelle: dpa

Kommt auch durch die Atom-Katastrophe in Japan nicht ins Grübeln: Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

(Foto: dpa)

Er ist einer der wenigen, die sich noch äußern wollen. Er hat ja auch nichts mehr zu verlieren. Wolfgang Clement ist der Outlaw der Sozialdemokratie; seit seinem Parteiaustritt 2008 ist der frühere Wirtschaftsminister ein Stachel im Fleisch der SPD. Clement findet Atomkraft gut. Und er steht auch jetzt dazu. Von der Regierungsentscheidung, die Laufzeitverlängerung der Meiler auszusetzen, hält er wenig: "Was hier geschieht, ist menschlich verständlich, aber nicht sehr überlegt."

Clement gehört zu den Unterzeichnern des "Energiepolitischen Appells", einer Anzeigenkampagne vom August 2010.

Energiepolitischer Appell: Energiezukunft für Deutschland - Machen Sie mit

In doppelseitigen Zeitungsanzeigen wurde die Regierung aufgefordert, die Laufzeiten der Atommeiler zu verlängern: "Ein vorzeitiger Ausstieg würde Kapital in Milliardenhöhe vernichten – zulasten der Umwelt, der Volkswirtschaft und der Menschen in unserem Land." Die Unterzeichner verlangten "Mut und Realismus für Deutschlands Energiezukunft".

Nun hat die Realität die Atomfans eingeholt. Grund genug, einmal nachzufragen, wie sie ihren Appell heute sehen.

Im Sommer war die politische Stimmung angespannt. CDU/CSU und FDP rangen um die Laufzeit der Atommeiler. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) wollte sie "für eine überschaubare Zahl von Jahren" länger am Netz lassen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und wichtige Unionspolitiker forderten zusätzliche Laufzeiten von 15 Jahren und mehr.

Die Kanzlerin hielt sich bedeckt. Also machte die Stromwirtschaft Druck – und veröffentlichte den "Energiepolitischen Appell". "Manager greifen Röttgens Politik an", schrieb die Frankfurter Allgemeine . "BDI verpasst Merkel den Denkzettel", titelte Spiegel Online . Der Industrieverband hatte den Appell mit den Energiekonzernen initiiert.

Am Montag will sich beim BDI niemand äußern. Und in vielen Konzernzentralen heißt es, man benötige "mehr Zeit, um die Ereignisse seriös zu bewerten".

Zu sprechen ist dagegen der Bahnchef. "Ich bin kein Befürworter der Kernenergie", sagt Rüdiger Grube. "Wenn es möglich wäre, würde ich morgen die Kernkraftwerke abschalten, aber das geht nicht. Wir brauchen einen Übergang. Schließlich stehen wir auch im Wettbewerb mit der französischen Bahn, die zu hundert Prozent Atomstrom nutzt."

Wolfgang Herrmann, der Präsident der Technischen Universität München, lässt ausrichten, dass er "am Aufruf nichts zurückzunehmen" habe. Er verweist auf den ersten Absatz des Appells, wonach die Zukunft den erneuerbaren Energien gehöre.

Kurt Lauk vom Wirtschaftsrat der CDU sagt: "Wir sind immer davon ausgegangen, dass Industrienationen die Technik eines sicheren Betriebes mit Kompetenz beherrschen. Hier hat Japan ein Fragezeichen gesetzt."

Wolkiges gibt es von der Deutschen Bank. Vorstandschef Josef Ackermann spreche sich "nach wie vor für ein ausgewogenes energiepolitisches Gesamtkonzept aus, das sowohl die Sicherung der Lebensgrundlagen von morgen und die Zukunftsfähigkeit des Standortes Deutschland im Blick hat".

So diplomatisch muss Wolfgang Clement sich nicht ausdrücken. "Der Appell war wichtig, und es gibt keinen Grund, ihn zurückzunehmen", sagt er. Clement glaubt nicht, dass sich die Bürger nach der japanischen Katastrophe von Schwarz-Gelb abwenden.

Und wenn doch, dann wegen Merkels Krisenreaktion: "Erst wenn man es so fährt, wie man es jetzt fährt, wird es zum Gewinnerthema für Rot-Grün." Der Mann hat eben einen ganz eigenen Blick auf die Dinge.

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15 Kommentare zu "Anzeigenkampagne der Atomlobby: Was sagen Sie nun, meine Herren?"

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  • Teuer wird es nur mit Atomenergie.

  • Klimaziel ade, Scheiden tut weh, und es ist teuer ojeh ojeh!

  • @KontraA

    Andre will nix erklären, der will trollen und Aktien handeln;-)

  • Googeln Sie mal nach Kölner Bucht und Schwäbische Alb: das sind die Erbebenregionen Deutschlands, besondern in der Grenzregion BW Bayern stehen die meisten AKW`s.
    Dann sollte man sich die (ehgemaligen) Berggaugebiete angucken.

  • Tagelange Diskussion um so ein **** Thema.
    War da nicht noch was mit Gadaffi? Und ist die Lage in Japan wieder besser. Wie kann man mehr Zeit mit der Diskussion um Atomkraft in Deutschland verschwenden anstatt mal wieder die Blicke auf wichtige Sachen zu richten.
    Und eine Frage hätte ich. Warum sollten in Deutschland Menschenleben wegen Atomkraft in Gefahr sein?
    Wir sind keine Erdbebenregion. In anderen Ländern bin ich der selben Meinung die Atomkraft direkt vom Netz zu nehmen und zwar in Ländern eben wie Japan wo es üblich ist das es 2-3 mal im Jahr ein Erdbeben gibt.
    Merkel ist eine schlechte Kanzlerin, aber finden Sie einen besseren Mann bzw. bessere Frau für diesen Job.

  • ....und den Fortschritt der Menschheit sowie den Schutz der Umwelt durch saubere Energieerzeugung Preis geben...

    Interessant! Der Schutz der Umwelt wird also durch saubere Energieerzeugung gefährdet. Das hätte ich bitte gerne genauer erklärt.

  • Herr Clement hat nix zu verlieren, denn er hat ja schon verloren! Und in seinem Alter geht es sowieso rückwärts, er soll mal junge Leute fragen, die ihr Leben noch leben möchten!

  • Der Mann hat nicht einen eigenen Blick auf die Dinge, sondern völlig recht. Nicht die Technik wurde nicht beherrscht, sondern die Naturkatastrophe. Das japanische Desaster ändert nichts an der Sicherheit deutscher Kraftwerke, sondern nur an der Gefühlslage derer, die es schon immer besser wussten. Frau Merkel verhält sich leider wie jemand, der sich ertappt fühlt. Natürlich kann man abschalten (was mir auch völlig egal wäre), weil die sich in Angst suhlende Mehrheit es so will - und man sollte die Rechnung präsentieren: Der deutsche Sozialstaat wurde bisher auch mit preislich konkurrenzfähigem Strom aus Kernkraftwerken finanziert.

  • @Andre

    Wusste ich´s doch: Aktienpreise interessieren sie mehr als Menschenleben.

    Stecken Sie bitte ihr ganzes Geld in Uranaktien, dann werden wir Ihren Irrsinn nicht sehr lange lesen müssen.

  • Der Siegeszug der Kernenergie wird nicht zu stoppen sein. Uranaktien sind schon wieder in:

    http://www.aktiencheck.de/exklusiv/Artikel-Uran_Aktien_strahlen_wieder-3703101

    Die deutschen Öko-Chaoten sind zu blöd, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Ohne Kernenergie würde der Menschheit ein ökologischer und ökonomischer Untergang drohen.
    Wie kann man aufgrund eines unglücklichen Zufallsereignisses nur so blöd sein und den Fortschritt der Menschheit sowie den Schutz der Umwelt durch saubere Energieerzeugung Preis geben?




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